Bad Dürkheim
Fragen und Antworten: Wie funktioniert Mobility on Demand?
Was ist Mobility on Demand?
Der englische Begriff bedeutet auf Deutsch: „auf Bestellung“. Wer also „on Demand“ von A nach B kommen möchte, bestellt sich mit seinem Smartphone ein Auto an einen festgelegten Haltepunkt und lässt sich damit an einen beliebigen anderen Punkt im Netz fahren. Bezahlt wird per App. Beim Angebot der Neustadter Firma „MoD Holding GmbH“, das auch in Bad Dürkheim kommen soll, heißen diese Haltepunkte „Mod-Stops“.
Wie weit sind die Haltepunkte voneinander entfernt?
Die Haltepunkte sollen in ganz Bad Dürkheim – auch an Ausflugszielen – verteilt werden und etwa 400 Meter voneinander entfernt sind. „Egal wo Sie sind, Sie müssen etwa drei Minuten laufen“, sagt Kerstin Ullrich von MoD. Dabei sieht sich die Firma zwischen dem Service eines Busses und dem eines Taxis. Es gibt deutlich mehr Haltestellen als beim Busverkehr. Im Gegensatz zum Taxi gibt es aber keinen Service von Tür zu Tür. Der Anbieter wirbt mit der hohen zeitlichen Flexibilität. Die Flotte aus ausschließlich Elektroautos sei demnach Tag und Nacht und an jedem Tag im Jahr unterwegs. Weil Fahrgastwünsche anders als bei einem Taxi gebündelt werden, argumentieren MoD-Anbieter mit der Nachhaltigkeit. Es fahren also mehrere Fahrgäste in einem Auto. Ullrich sieht darin einen Beitrag zur Verkehrswende
Wo ist die Firma bereits unterwegs ?
Die „MoD Holding GmbH“ fährt seit 2021 in der Stadt Neustadt. Sie vergrößerte ihr Verbreitungsgebiet später um die Verbandsgemeinden Lambrecht, Maikammer und Deidesheim. Neben der Einführung des Angebots in Bad Dürkheim sollen die Elektroautos auch in der Verbandsgemeinde Wachenheim unterwegs sein. Kunden können das gesamte bestehende Netz nutzen.
Wann kommt das Angebot?
Da legt sich der Neustadter Anbieter noch nicht fest. Angestrebt wird eine Umsetzung möglichst früh in der zweiten Jahreshälfte.
Was kostet das Angebot?
Ullrich nannte im Stadtrat zwei Preisbeispiele. Wer von Leistadt aus an den Dürkheimer Bahnhof wolle, der zahle 6,27 Euro. Jede weitere Person 2,20 Euro. Von der Saline bis zum Deidesheimer Hof werden nach Ullrichs Berechnungen gut 9,60 Euro fällig. In Neustadt sei der Service günstiger, erklärt Ullrich. Das liege an unterschiedlichen Rechtsgrundlagen, erläuterte sie. In Neustadt ist das „Mobility on Demand“ ins VRN-Tarifsystem eingebunden. Was in Bad Dürkheim und auch in Wachenheim angestrebt wird, ist ein eigenwirtschaftliches Angebot. Eine finanzielle Beteiligung des Kreises ist derzeit nicht geplant. Das heißt auch: VRN-Tickets können in Bad Dürkheim für den neuen Service erst einmal nicht genutzt werden.
Ist das Angebot auch für Smartphone-Muffel nutzbar?
Laut Ullrich gehen beim Anbieter 80 Prozent der Buchungen über die App ein. Ab der zweiten Jahreshälfte sollen auch Buchungen über eine Internetseite möglich sein. Darüber hinaus werde aber auch eine telefonische Buchung angeboten, die vor allem von älteren Menschen genutzt werde. Man müsse den älteren Leute die Angst vor dem Angebot nehmen, betonte Ralf Lang (SPD) im Dürkheimer Stadtrat am Dienstag. Die Generation 75 Plus stelle eine wichtige Zielgruppe dar, so Ullrich. Ein Kundendatensatz lässt sich nach ihren Worten auch durch ein Telefongespräch anlegen. Das Kundenkonto könnte durch eine Überweisung aufgeladen werden. Ullrich betonte die Kooperation mit dem GDA Wohnstift in Neustadt. Die Firma biete dort einmal im Vierteljahr eine Infoveranstaltung an.
Allerdings: „Fahrgäste brauchen ein Mobiltelefon“, betont Ullrich. Das müsse aber kein Smartphone sein, sondern auch ein „alter Knochen“ reiche. Fahrer müssten die Gäste erreichen können.
Was passiert mit den Buslinien in der Stadt?
Horst Bäuml (Grüne) sagte, ihm sei wichtig, dass es beim Busverkehr keine Kürzungen geben werde. MoD sei für ihn ein zusätzlicher Mobilitätsbaustein, bewege sich aber außerhalb des Tarifsystems des Deutschlandtickets, betonte er. Seine Fraktionskollegin Laura Knipser unterstütze das; „Das Konzept ist toll, keine Frage, aber als Ergänzung zu Buslinien.“ MoD biete bezahlbare Preise, „aber nur für die, die Geld haben“.
Die Reduzierung von C0 2 und weniger Verkehr in der Innenstadt sei das Ziel aller, sagte Petra Dick-Walther (FDP). Das Angebot sei von der Kommune nicht als ÖPNV leistbar. Man könne die Bürger nur vom Auto entwöhnen, wenn man ihnen individuelle Freiheit lasse. Buslinienverkehre seien relativ starr. Sie beobachte viele Leerfahrten im Stadtgebiet. Teilweise seien Linien unwirtschaftlich. Mit MoD biete sich die Möglichkeit, bei Verhandlungen über die Buslinien flexibler zu handeln und möglicherweise auf die eine oder andere Buslinie zu verzichten.