Bad Dürkheim „Farbe finde ich geil“

„Peng!“ – unter diesem Titel präsentiert Manfred Plathe seine Werke in leuchtenden Neonfarben ab Samstag in der Ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg. Die weißen Kalkwände nehmen diese neuartige Farbigkeit gelassen hin, bilden den ruhigen Hintergrund für diese gesprühte Bildfülle.
„Meine Bilder passen zu meiner Einstellung: Ich bin immer neugierig auf das, was draußen passiert“, erklärt der in Neustadt lebende Künstler, der nach einem Innenarchitektur- und Design-Studium an der FH Kaiserslautern noch ein Studium für Bildende Kunst an der HdK Berlin angehängt hat und seit 1981 seine Werke laufend in Ausstellungen zeigt. In Weisenheim am Berg sind seine neuesten Bilder und eine Installation zu sehen, die thematisch überwiegend in den Werkphasen „Platzhirsch“ und „Walking Man“ in den letzten neun Jahren entstanden sind. „Farbe finde ich geil“, sagt Plathe und outet sich im Gespräch als Techno-/House- und Pop-Art-Fan, was bei dem 1947 in Halle/Saale geborenen Künstler wie selbstverständlich erscheint, spiegeln doch seine Motive und seine Gestaltungsweise diese Einstellung wider. Die Materialien, mit denen er arbeitet, holt er sich im Baumarkt, zahllose Dosen Farbspray und Schablonen für Strukturen. Plathe orientiert sich bei seinen Bildern an Künstlern wie Sigmar Polke oder Roy Lichtenstein, die in den 1960er-Jahren einen neuen Kunststil begründeten. Aber auch Einflüsse von Graffiti und Street Art sind bei seinen Arbeiten unverkennbar. Ein immer wiederkehrendes Motiv in der Ausstellung ist der „Platzhirsch“. „Es ist mein Alter Ego, denn es ist immer ein Stück von mir in den Bildern und selbstironisch gemeint“, sagt Plathe. Für ihn ist der Hirsch das Symbol der Männlichkeit aber auch des Spießbürgertums, wie man in dem Bild „That’s me“ feststellen kann, das von der Silhouette eines Mannes in Karate-Position beherrscht wird, hinter dem ein Hirsch mit stylischen Polka-Dots steht. Begrenzt wird die Szene von einem Fadenkreuz als Jagdmotiv, unauffällig schiebt sich noch eine kleinere männliche Silhouette am linken unteren Rand ins Bild. Ähnlich tiefgründig sind seine Bilder „Cool Man“ und „Kontrovers I“, bei denen er auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau anspielt und es durch Comic-Figuren unterstützt. Sein „Walking Man“ scheint ständig etwas hinter sich lassen zu müssen, bisweilen ist er sogar auf der Flucht vor der versteckten Weiblichkeit wie bei „Nix wie weg!“. Ironisch gemeint ist auch das Matterhornbild „Nothing else matters“, so benannt nach einem Songtitel der Band „Metallica“. Der recht real wirkende Berg erhebt sich vor einer rot gefärbten Schlangenhaut als Hintergrund. Wieder spielt hier die Komponente männlich/weiblich eine Rolle, zugleich ist das Bergmotiv eine Anspielung auf die bürgerliche Wohnstubenidylle, in der nicht nur der röhrende Hirsch seinen Platz hat, sondern auch die idealisierte Natur. Auch mit der Werbeikone Kate Moss hat sich Plathe auseinandergesetzt und eine dreiteilige Collage in einer Mischung aus Digitaldruck und Acrylfarbe gestaltet. Zwei Drittel des Bildes sind der Gestaltung des Frauenkopfes vorbehalten, das restliche Feld ist scharf abgetrennt und dem Mann vorbehalten, mal als Muskelprotz mit Hirschgeweih, mal als reale aber unscheinbare Figur, mal als schemenhafter Hirsch, der auf die andere Seite wechselt. Prägnant in der Mauernische hat der Künstler seine Installation „Me You“ untergebracht: Ein echtes Hirschgeweih, unter dem vier farbige Quadrate senkrecht untereinander hängen, grüngelb gerastert, gelb mit der Aufschrift „me“, rot gerastert und rot mit der Aufschrift „you“ – ein eindeutiges Statement von Manfred Plathe. Wer sein Werk näher kennenlernen will, sollte bei der Vernissage den einleitenden Vortrag von Katharina Dück nicht versäumen oder spätestens bei der Finissage bei der Besprechung einzelner Objekte von Gerd Hauser dabei sein. Info Die Vernissage zur Ausstellung „Peng!“ ist morgen, 17 Uhr, die Finissage ist am Sonntag, 24. Mai, 16 Uhr. Die Ausstellung von Manfred Plathe in der Ehemaligen Synagoge, Weisenheim am Berg, ist an Samstagen von 17 bis 19 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.