Bad Dürkheim „Für Pendler wird es richtig hart“

Die Hochstraße Nord (B 44, im Bild) soll in vier Jahren abgerissen und durch eine Stadtstraße ersetzt werden. Bauzeit: acht Jahr
Die Hochstraße Nord (B 44, im Bild) soll in vier Jahren abgerissen und durch eine Stadtstraße ersetzt werden. Bauzeit: acht Jahre. Einleitende Arbeiten starten 2020. Täglich befahren sie gut 45.000 Fahrzeuge. Die Südtrasse (B 37) passieren am Tag 59.000 Fahrzeuge. Ihre Sanierung wurde zuletzt hinter das Nordprojekt gepackt. Die maroden Brückentrassen sind wichtige Verkehrsachsen und verbinden die Pfalz mit Mannheim.
Kreis Bad Dürkheim, Landrat Ihlenfeld: Konzept für die Region

„Wir brauchen ein Verkehrskonzept für die gesamte Region“, fordert Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (56, CDU). Er rechnet mit „erheblichen Verkehrsengpässen“, wenn der Abriss der Hochstraße Nord beginnt. Dass sich die Reihenfolge der Arbeiten an den Hochstraßen ändert, sei nicht entscheidend. „Die Pendler sind flexibel.“ Ihlenfeld sieht einige Stellschrauben, an denen man drehen kann, um einen Verkehrskollaps zu vermeiden. Derzeit erfolge der Ausbau der Rhein-Haardtbahn, die von Bad Dürkheim nach Mannheim fährt. Dadurch würde der Vorteil der Expresszüge endlich zur Geltung kommen. Zudem sollen an der Trasse weitere Park & Ride-Plätze entstehen. „Der Ausbau der Radschnellwege ist mir wichtig“, nennt Ihlenfeld einen weiteren Aspekt. Wie berichtet, spricht sich das Mainzer Wirtschaftsministerium für den Bau einer Radverbindung zwischen Ludwigshafen und Schifferstadt aus. Ihlenfeld würde gerne auch Neustadt und Haßloch an die Route anschließen. Zudem hält der 56-Jährige einen Radschnellweg von Bad Dürkheim nach Ludwigshafen/Mannheim für relativ problemlos umsetzbar. Zügig mit dem Bus in Mannheims Norden – dieses Ziel verfolgt eine Initiative der Kreise Bad Dürkheim und Rhein-Pfalz, wonach eine Schnellbuslinie von Deidesheim über Dannstadt-Schauernheim und die Autobahn in den Norden der Quadratestadt führen soll. Dort sitzen große Arbeitgeber wie Roche. Bad Dürkheim, Bürgermeister Glogger: Mitfahr-App als Option „Für die Pendler wird es richtig hart. Zu Stoßzeiten ist es ja jetzt schon eng“, sagt Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger (49, SPD). Er rechnet damit, dass sich Leute, die nur zum Einkaufen oder für einen Kinobesuch nach Ludwigshafen oder Mannheim fahren, umorientieren und häufiger Neustadt oder Landau ansteuern werden. Die Stadt Bad Dürkheim sei wegen der Rhein-Haardtbahn-Verbindung seit Langem im Gespräch mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Es sei zwar gut, dass die Verbindung nach Mannheim ausgebaut worden sei und dass der Expresszug nun beispielsweise in Bad Dürkheim Ost halte. „Aber für viele ist das nicht komfortabel genug und noch keine echte Alternative“, sagt er. Allerdings, räumt er ein, seien für eine kleine Stadt wie Bad Dürkheim die Möglichkeiten der Mitsprache bei dem Großprojekt begrenzt. An Ideen mangelt es nicht: Derzeit wird in der Kurstadt ein Mobilitätskonzept diskutiert, das eine bessere Auslastung der Fahrzeuge in Richtung Rhein sichern soll. Für überlegenswert hält Glogger auch eine App, über die Mitfahrgelegenheiten organisiert werden können. Aber auch solche Konzepte hätten ihre Grenzen. „Was auf jeden Fall vermieden werden muss, ist, dass mehrere Baustellen gleichzeitig aufgemacht werden.“ Rhein-Pfalz-Kreis, Landrat Körner: Ringelpiez mit Anfassen Clemens Körner (59, CDU) ist der Meinung, dass das Hochstraßenproblem verschleppt wird. „Wenn man weiß, das und das ist zu machen, sollte man es auch machen – alles andere ist Ringelpiez mit Anfassen.“ Jeder in der Vorderpfalz wüsste schließlich, dass es Probleme gibt, und dass beide Hochstraßen saniert werden müssen. Körner zufolge ist das drohende Verkehrschaos die eine Sache. Die andere sei das Kommunikationschaos – das nicht drohe, sondern bereits herrsche. Es könne sich keiner auf das vorbereiten, was kommt, weil keiner wisse, was in den folgenden Monaten passiert. „Erst Süd dann Nord. Nun umgekehrt. Die wechselnden Entscheidungen bringen doch alle in Nöte, die Pläne hatten. Ich nehme da mal unser Kreishaus als Beispiel. Wenn jetzt erst an der Hochstraße Nord gearbeitet wird, müssen wir als Verwaltung schneller handeln und wissen, wohin wir gehen.“ Die Kreisverwaltung will umziehen. Das Kreishaus ist zu klein geworden. Ein Umbau ist aber keine Option mehr seit klar ist, dass die Sanierung des Verwaltungssitzes und der Hochstraßenabriss kollidieren könnten, mit empfindlichen Folgen: Lärm, Staub, Erschütterungen. Auch Unternehmen brauchen laut Körner eine Vorstellung davon, was in den nächsten Jahren passiert. Körner glaubt, dass eine Brückenkommission nötig wird. Eine Gruppe, die alle Arbeiten an allen Rheinbrücken zwischen Mainz und Speyer im Blick hat. „Damit es ein Konzept gibt.“ Andernfalls sei ein Verkehrschaos programmiert. Frankenthal, OB Hebich: Unternehmen sind besorgt „Die Hochstraßensanierung ist ein großes Projekt, da schauen wir natürlich genau, was Ludwigshafen macht“, sagt Frankenthals Oberbürgermeister Martin Hebich (46, CDU). Er fühlt sich von der Verwaltung der Nachbarstadt im Arbeitskreis Baustellenkoordination und über den Verband Region Rhein-Neckar gut informiert. Dieser prüfe derzeit verschiedene Verkehrsmodelle und deren Auswirkungen. „Die Planung ist schwierig, die Stadt muss erstmal selbst ihre Willensbildung abschließen“, sagt Hebich. Man sei in der Region an Planungssicherheit für das Großprojekt und einer belastbaren Finanzierungszusage durch Bund und Land interessiert. Der Frankenthaler Stadtrat hat ein neues Nahverkehrskonzept beschlossen, das laut Hebich unter anderem eine Busverbindung nach Ruchheim, eine höhere Taktung auf bestehenden Linien und eine bessere Abstimmung auf den Schienenverkehr vorsieht. Sorge bereite den Unternehmen in der Stadt, ob sich der drohende Dauerstau auf der Strecke über den Rhein auf die Akquise von Mitarbeitern und auf Kundenbeziehungen auswirkt. Neustadt, OB Weigel: Mehr Züge im Regionalverkehr Neustadts OB Marc Weigel (40, FWG) richtet sein Augenmerk auf die betroffenen Pendler. Er hofft, dass möglichst wenig Unannehmlichkeiten für die Menschen entstehen. „Diese müssen daher dabei unterstützt werden, die Möglichkeiten des ÖPNV als Alternative zu nutzen. Sicher wäre es sinnvoll, ein Konzept zu erarbeiten, um insbesondere in den Stoßzeiten mehr Züge im Regionalverkehr einzusetzen. Neustadt hat mit vier Bahnhöfen eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz: Eine Erhöhung der S-Bahn-Taktung sowie der Einsatz verlängerter Züge würde den Reisenden entgegenkommen und damit den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel während der Bauzeit attraktiver gestalten.“

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