Bad Dürkheim
Vokalensemble „Et Hepera“ in der Schlosskirche
Das Studium der Schulmusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt hat die acht Vokalisten 2017 zum Ensemble zusammengeführt. Und auch wenn es mittlerweile bereits kleine Wechsel gab – die sympathische, jugendfrische Gesangsformation mit dem griffigen Fantasienamen „Et Hepera“ hinterließ beim Gastauftritt am Samstagabend in der voll besetzten Bad Dürkheimer Schlosskirche einen rundweg professionellen, konsolidierten Eindruck. Elisabeth Stoll und Hannah Pommerening, Sopran, Franziska de Gilde und Anna Schuppe, Alt, Felix Müller und Max Pfreimer, Tenor, sowie Moritz Herrmann und Jona Reiser, Bass, die auf dem Weg zum Start ins musikalische Berufsleben als Pädagogen, Orchestermanager, Freiberufler oder was auch immer den künstlerischen Schulterschluss im Ensemblegesang gesucht und unüberhörbar gefunden haben.
„Vokale Welten“
Ihr Programm für die Schlosskirche lautete „Vokale Welten“, und durchmaß tatsächlich auch weite epochale und nationale Räume. In seinem gar nicht erst um chronologische oder stilistische Ordnungsstruktur bemühten Ablauf wirkte der Werklauf erfrischend abwechslungsreich und zuweilen auch überraschend. Im Übrigen wurde herzerfrischend, ohne überfrachtete Werkschau moderiert, der Draht zum Publikum war rasch gelegt und funktionierte so barrierefrei, dass die Aufforderung, bei zwei Songs einfach mal mitzusingen, mitzuschnipsen und mitzuklatschen prompt begeisterte Resonanz fand.
Bobby McFerrin („Si Le Le“) und das „Heart Wide Open“ der 1978 geborenen Lea Morris lieferten das Pulver für dieses herrliche kreative Scharmützel zwischen Publikum und Podium, das dem Ensemble obendrein Gelegenheit lieferte den Sound mit allerlei Improvisationen zu pfeffern.
Meister der Renaissance
Gleichwohl – das ganz „Solide“, die Meister der Renaissance, der Romantik, fehlte keineswegs im Notenhandgepäck: zum Beispiel Claudio Monteverdi mit „Quel Augellin che canta“, die wunderbare Motette „Ich freue mich im Herren“ von Johann Hermann Schein und der vor 350. Jahren verstorbene Liederdichter Paul Gerhardt mit seinem wohl größten „Hit“ – „Geh aus mein Herz und suche Freud“ -, vertont von August Harder und von Ensemble-Mitglied Felix Müller in ein harmonisch apartes Arrangement gepackt.
Die musikalische Landkarte der acht Stimmkünstler ist, wie schon angedeutet, weit gespannt und so galt es auch, Liedkompositionen aus Estland, den Britischen Inseln, den USA und Russland zu lauschen. Daraus formte sich in bestens goutierbarem Wechsel ein herrliches Pasticcio der Stile, Temperamente und Emotionen. Man folgte hingerissen.
Nun ist eine derartige vokale Konstellation durchaus nicht unähnlich beispielsweise einem Streichquartett. Es braucht exzellente Könner des jeweiligen Fachs, die spieltechnische Latte hängt hoch; vor allem aber braucht es eins: den Willen zum Konsens, zur völligen Verschmelzung im gemeinsamen klanglichen Ziel bei selbstbewusster Wahrung der eigenen Individualität.
Weite Klanggebilde
Und in eben dieser Weise gelang es „Et Hepera“ den jeweils souveränen Anspruch der eigenen, wohlgeschulten Stimme in ein klangliches Ganzes zu integrieren, das an allen empfindlichen Nahtstellen – Auftakten, Konsonantenabsprachen, auf- und abschwellender Dynamik – makellos und ungetrübt verfuhr, dennoch die Timbre-Persönlichkeiten der Register hörbar pflegte.
Vielleicht war es gerade der populärste Satz unter den Kunstliedklassikern, der dieses interpretatorische Moment bis tief unter die Haut spüren ließ: „Waldeslust“ von Johannes Brahms, in zig Konzerten, Einspielungen bedeutender Chöre, Ensembles (aber doch nie genug) gehört, spiegelte hier eine Sanftheit von berückendem Ebenmaß, in sanft verschmelzenden Pianos, in sanglicher Stille; sich aber gleichwohl leuchtend aufschwingendem zu wunderbar weiten Klanggebilden. Hier wurde weit mehr als einfach schön und klar gesungen; hier pulste Herzblut bei Klang und textlicher Diktion.
Mit Felix Mendelssohn schloss sich der exquisite Liederreigen, der Motette „Zum Abendsegen“ und dem Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“. Stürmischer Beifall, dafür nochmals ein Brahms-Opus als Zugabe.