Dackenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Etwa 140 Dackenheimer demonstrieren gegen Ausbauprojekt

Die Demonstranten fürchten unter anderem mehr Schwerverkehr , sollte das Projekt wie geplant umgesetzt werden.
Die Demonstranten fürchten unter anderem mehr Schwerverkehr , sollte das Projekt wie geplant umgesetzt werden.

Mit dem Appell „Rettet die Lösshohl“ haben am Samstag nach Angaben der Veranstalter etwa 140 Dackenheimer bei einer zweiten Demonstration gegen den Ausbau der K2 mit aufgeweiteter Bahnbrücke protestiert. Das Genehmigungsverfahren für das Millionenprojekt tritt in eine heiße Phase.

Dackenheim war auf den Beinen – von Jung bis Alt“, zeigte sich Matthias Fankhänel, Vorstand der Bürgerinitiative, mit der Beteiligung an der Demonstration am Samstag zufrieden. Die Sorge der Dackenheimer spiegelt sich auch in den 160 Einwendungen gegen das Projekt des planenden Landesbetriebs Mobilität (LBM) wider.

„Das ist schon eine hohe Zahl, denn eigentlich haben wir es hier mit einem harmlosen Verfahren zu tun“, wundert sich Stefan Woitschützke, stellvertretender Leiter der Planfeststellungsbehörde in Koblenz. Jedoch gehe es im Prinzip darum, dass die Einwohner Angst hätten, dass mit der Aufweitung der Bahnbrücke „jetzt die Lkw durch den Ort rauschen“. Für den Erörterungstermin am Donnerstag, in dem alle schriftlich eingereichten Gegenargumente zur Sprache kommen, hat die Koblenzer Behörde deshalb sicherheitshalber die Dürkheimer Salierhalle reserviert. Eigentlich ist von Seiten des Landes der Planfeststellungsbeschluss für Mitte nächsten Jahres und der Baubeginn im Jahr 2023 vorgesehen. Doch räumt der LBM ein, dass aufgrund des Widerstands Klagen nicht ausgeschlossen werden könnten.

Klagen zu erwarten

Fankhänel droht schon jetzt mit einem Gang vors Gericht: „Wir werden, wenn im Planfeststellungsbeschluss nicht auf die zusätzliche Gefahr für Leib und Leben für die Bürger von Dackenheim entsprechend eingegangen wird, hier sicherlich den Klageweg beschreiten.“

Denn für Fankhänel und seine Mitstreiter steht fest, dass mit der Aufweitung der Bahnbrücke von 3,70 auf 4,50 Metern Höhe durch ein Tieferlegen der darunter durchführenden K2 künftig auch schwere Lkw sich ihren Weg durch den engen Ort bahnen werden. Schließlich seien die Umgehung Kirchheim sowie die A6 nicht weit weg.

Nach einer durch den LBM in Auftrag gegebenen Verkehrszählung aus dem Jahr 2013 rollen durchschnittlich täglich 2556 Kraftfahrzeuge durch Dackenheim. Der Schwerlastverkehrsanteil liegt bei 34 Fahrzeugen pro Tag. Fankhänel ist überzeugt, dass es dabei nicht bleibt. Er kritisiert, dass bei den Untersuchungen zum Bau der B271 neu nicht berücksichtigt wurde, dass die Ortsdurchfahrt Dackenheim ihre Barriere in Form der niedrigen Bahnbrücke verlieren werde. Hier könne allenfalls ein Durchfahrtsverbot für Lkw über 7,5 Tonnen helfen.

Das Lösshohl ist marode

Wie Martin Schafft, Leiter des LBM Speyer, auf Anfrage erklärt, will man mithilfe eines Verkehrsgutachters Ängste in diese Richtung entkräften. Der Speyerer LBM-Leiter macht aber mit Blick auf die marode Lösshohl auch deutlich: „Wir haben doch durch das Unwetter und den dadurch verursachten Hangrutsch gesehen, dass es so nicht bleiben kann. Es muss doch sowieso etwas passieren.“ Was den Naturschutz betreffe, habe man sich intensiv mit den Behörden abgestimmt, betont Schafft.

Im Erläuterungsbericht des LBM zur Projektplanung ist die Rede davon, dass die Lösshohl durch die Profilierung neuer Steilwände in ihrem Charakter als Hohlweg sogar aufgewertet werde (siehe Stichwort). Die Hohlweg-Struktur – eine Besonderheit im Landschaftsraum – werde dadurch nicht weiter beeinträchtigt, der Charakter als Naturdenkmal bleibe erhalten.

Zerstörung von Naturdenkmal befürchtet

Ein Argument, das Fankhänel und Jörg Osterspey und Hans Friedrich vom Vorstand der Bürgerinitiative nicht nachvollziehen können. Aus ihrer Sicht wird das anerkannte Naturdenkmal Lösshohl zerstört. Sie kritisieren, dass es bei der Planung vor allem um die Kompensation für Wildbienen und Ähnliches gehe. „Dabei sollte doch das gesamte Denkmal an sich erhalten bleiben“, finden sie.

Eine Versetzung des linken Seitenarmes (von Richtung Freinsheim aus gesehen) weiter nach Südwesten sowie das Anlegen von neuen Böschungen und Steilhängen kommt für sie nicht in Frage. „Dadurch bekommt der Hohlweg mit seinen beiden Seitwänden eine ganz andere Struktur“, argumentiert Friedrich und bedauert, dass die Lösshohl nie richtig gepflegt worden sei. Die Gruppe tritt stattdessen dafür ein, eine „zweckmäßige Ersatzbrücke“ zu errichten, die sich an der jetzigen Straßenführung orientiert. Sowieso würden für die jetzige Planung die Kosten aus dem Ruder laufen. Schätzungen aus dem Jahr 2017, wonach für die Arbeiten 1,6 Millionen Euro kostet, hält die Bürgerinitiative für überholt und geht von etwa fünf Millionen Euro an Kosten aus.

Stichwort

Der geplante Ausbau der K2

Nach Erpolzheim beabsichtigt die Bahn als nächstes die Bahnüberführung in Dackenheim ab 2023 durch einen Neubau zu ersetzen. Weil dabei auch der neuen vorgeschriebene Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter Rechnung getragen muss (derzeit können nur Fahrzeuge bis zu einer Höhe von 3,70 Meter die Bahnbrücke passieren), muss die K2 tiefer gelegt werden. Dabei will der Landesbetrieb Mobilität auch die Gefahr eines Hangrutsches in der Lösshohl beseitigen. Der LBM beabsichtigt dabei, die linke Seite der Lösshohl (aus Richtung Freinsheim gesehen) sechs Meter weiter nach Südwesten zu verschieben, um den Kurvenbereich besser einsehbar werden. Außerdem soll zwischen den steilen Böschungen und der Fahrbahn Randstreifen geben. Stützmauern und Gabionen sind zur Verbesserung der Stabilität ebenfalls vorgesehen. Da sich in dem Abschnitt, in dem sich der Radius verändert, schützenswerte Steilböschungen aus Lössboden befinden, wo sich Insekten und Vögel wohl fühlen, muss der LBM das Projekt mit den Naturschutzbehörden abstimmen. Dabei soll auf eine landschaftsgerechte Bepflanzung und Begrünung der neuen Böschung geachtet werden. Die schutzbedürftigen Steilwände im Norden sollen erhalten bleiben. Aus Sicht des LBM wird durch den Ausbau der K2 die Lösshohl in ihrer Struktur wieder aufgewertet. led

Der Vorstand der Bürgerinitiative mit Jörg Osterspey, Hans Friedrich und Matthias Fankhänel (von links).
Der Vorstand der Bürgerinitiative mit Jörg Osterspey, Hans Friedrich und Matthias Fankhänel (von links).
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