Bad Dürkheim „Es herrscht ein eklatanter Lehrermangel“

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4,5 Prozent des Unterrichts fallen durchschnittlich an den Berufsbildenden Schulen (BBS) im Land aus. (wir berichteten auf Südwest). An der BBS Bad Dürkheim lagen die Zahlen im vergangenen Oktober mit 7,4 Prozent, 2,9 Prozentpunkte über dem Landesschnitt und auch am Werner-Heisenberg-Gymnasium und am Grünstadter Leininger Gymnasium fällt überdurchschnittlich viel Unterricht aus. Kein Problem hat nach eigenen Angaben die IGS Deidesheim/Wachenheim.

„Wir haben einen relativ hohen Ausfall, aber die 7,4 Prozent haben nichts zu sagen. Aktuell liegen wir bei 2,3 Prozent“, sagt der Dürkheimer BBS-Leiter Arno Morgenstern. Die dramatische Momentaufnahme aus dem vergangenen Oktober sei zu erklären: Im November wurden neue Lehrkräfte eingestellt, die Erhebung fand aber unmittelbar davor statt. Mit den neuen Zahlen liegt die BBS weit unterm Landesdurchschnitt, aber Morgenstern ist ähnlich weit davon entfernt, die Gesamtsituation als unproblematisch zu beschreiben: „Es herrscht ein eklatanter Lehrermangel“, sagt er und ergänzt: „Ich spreche gerne vom Damoklesschwert, das über uns schwebt. Zwei oder drei Zufälle, und wir haben in unseren Mangelbereichen ein echtes Problem.“ Einer dieser Mangelbereiche ist die Landmaschinentechnik. Sie wird von einem Fachlehrer betreut, fällt dieser krankheitsbedingt aus, tut es auch der Unterricht. Kritisch seien die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Für die Augenoptik gebe es beispielsweise zurzeit keinen Lehrer. Ein Referendar wird zwar ausgebildet, ist aber erst ab Februar 2017 voll einsetzbar. „Unsere Situation hat sich verbessert. Im Moment sind wir zufrieden, dafür ein Lob an die Landesregierung. Aber der Markt ist trotzdem nicht attraktiv genug“, sagt Morgenstern. So wisse er bereits, dass in den nächsten Jahren einige seiner Kollegen in Rente gehen, befürchtet aber, dass nicht viele von den Universitäten nachkommen. Die MINT-Problematik kennt auch Cornelia Diehl, die Direktorin des Leininger Gymnasiums in Grünstadt. Zwei Kollegen mit Mathematik und Physik seien dort in den Ruhestand gegangen, die Planstellen wurden aber mit zwei Geisteswissenschaftlern besetzt. „Für eine weitere pensionierte Biologie- und Chemie-Lehrerin wurde ein junger Kollege mit der gleichen Fächerkombination eingestellt“, berichtet die Direktorin. Dass das nicht immer so gut passe, sei normaler Alltag. So kämen zwei Kolleginnen aus der Elternzeit zurück, die andere Fächer unterrichten als die zwei, die jetzt den Erziehungsurlaub nähmen. Temporäre Ausfälle würden durch sogenannte PES-Vertretungen abgefangen – ein Konzept gegen zu viele Ausfälle. Diehl: „In der Oberstufe lassen wir unsere Schüler auch mal mit gezielten Aufträgen selbstständig arbeiten.“ Der Unterrichtsausfall an Gymnasien ist in den letzten Jahren zurückgegangen und liegt im Landesdurchschnitt bei 1,5 Prozent. Das Leininger Gymnasium liegt mit 3 Prozent weit darüber. Die Lage gestalte sich aber erheblich besser, als es die Statistik vermuten lasse, meint Diehl. „Seit Beginn des Schuljahres hatten wir so viel Kontinuität wie seit Jahren nicht mehr“, erzählt sie und lobt die diesmal sehr rechtzeitige Lehrerzuweisung durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion. Bei der Integrierten Gesamtschule (IGS) Deidesheim/Wachenheim fehlen keine Lehrerstellen. Der Unterrichtsausfall an der Schule beschränke sich auf vier Stunden in der Woche. Dies berichtet der IGS-Leiter Georg Dumont auf Anfrage. Damit steht die Schule im landesweiten Vergleich gut da. Die IGS sei eine Gesamtschule im Aufbau und gut ausgestattet, so Dumont. Nach Angaben des Schulleiters sind lediglich vier Musikstunden in einer Jahrgangsstufe gekürzt worden. Das heißt, dass die Schüler dieser Stufe nur eine statt zwei Musikstunden in der Woche haben. Bei rund 1200 Wochenstunden Unterricht entspricht dies einem Ausfall von 0,33 Prozent. Unbesetzt sind laut Dumont an der Schule noch zwei Funktionsstellen. Es handelt sich dabei um Stufenleiter. Aber die Stellen seien bereits ausgeschrieben, um demnächst besetzt zu werden. Die IGS Deidesheim/Wachenheim bietet Abschlüsse auf drei Niveaus an: Berufsreife (Hauptschulabschluss), qualifizierter Sekundarabschluss 1 (mittlere Reife) und Abitur. Das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim konnte krankheitsbedingt keine Auskunft geben. Es weist laut Statistik 2,9 Prozent Unterrichtsausfall und damit ähnlich viel wie das Leininger-Gymnasium auf. Nicht eingerechnet sind bei allen Schulen Ausfälle durch Krankheit oder Abwesenheit der Lehrer beispielsweise durch Kursfahrten oder Fortbildungen. (yah/abf/guh)

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