Bad Dürkheim „Entweder ganz oder gar nicht“

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Klaus Gehrbrandt, zu seiner aktiven Zeit Handball-Torhüter, ist jetzt Jugendleiter der HSG Eckbachtal. Über seinen Werdegang vom Spieler zum Jugendleiter und die derzeitige handballlose Zeit sprach der 54-Jährige mit der RHEINPFALZ.

Herr Gehrbrandt, nach der langen Saison, in der die HSG Eckbachtal gleich mit vier Jugendmannschaften im Spielbetrieb der Handball-Pfalzliga war, folgten ja direkt die neuen Qualifikationsturniere. Sind Sie nun erleichtert, dass es endlich in die Pause gegangen ist, oder wissen Sie mit den freien Wochenenden nichts anzufangen?

(lacht) Naja, es ist nicht so, dass ich sonst nichts zu tun hätte. Meinen Job als Jugendleiter mache ich ja quasi nur nebenher. Hauptberuflich bin ich in der BASF beschäftigt und so ganz nebenbei betreiben wir noch eine Gästepension. Zwar werden mir in diesen Wochen die Spiele der Jugendmannschaften fehlen, aber es tut auch richtig gut, den Akku wieder aufzuladen. Auch in der kommenden Saison ist die HSG Eckbachtal wieder mit drei Mannschaften in der Pfalzliga vertreten. Lediglich die männliche Jugend B ist knapp gescheitert. Sind Sie sehr enttäuscht, dass es nicht wieder mit allen Teams geklappt hat? Sicher wären wir wieder gern mit allen vier Jugendmannschaften von der D-Jugend bis zur A-Jugend in der Pfalzliga vertreten gewesen. Wir waren in der vergangenen Saison schon ein bisschen stolz, dieses Kunststück geschafft zu haben. Das ausgerechnet die männliche B-Jugend knapp gescheitert ist, schmerzt schon etwas. Schließlich betreue ich die Mannschaft so ganz nebenbei noch als Co-Trainer. Es war schon ärgerlich und wir haben uns auch mehr ausgerechnet. Am Ende hat aber lediglich ein Tor in der ersten Runde gefehlt und wir wären dabei gewesen. Das zweite Wochenende hätte schlimmer nicht ausfallen können. Irgendwie wollte da nichts gelingen. Gibt es denn für diese Mannschaft nun neue Ziele, eine Klasse tiefer? Oh ja, die gibt es, denn nun fordern wir von der Mannschaft ganz klar einen Platz unter den ersten beiden Teams in der Bezirksklasse. Gelingt dies, wären wir zur Rückrunde in der Verbandsliga vertreten und dann wollen wir mal schauen, was dort möglich ist. Die Jungs können durch diesen Prozess auch reifen. Die Eckbachtaler haben ja nicht nur die „großen“ Jugenden am Start. Mit wie vielen Mannschaften ist denn die HSG im Jugendbereich insgesamt vertreten? Das ist eine ganze Menge. Wir haben insgesamt 13 Jugendmannschaften, wobei die jüngsten in Turnierform starten. Auch haben wir erstmals wieder eine weibliche E-Jugend-Mannschaft. In der Region gibt es immer weniger Vereine, die über eine komplette Jugend verfügen und die HSG Eckbachtal kann sich sozusagen kaum retten. Gibt es da nicht reichlich Probleme, auch mit den Trainingszeiten? Da haben wir wirklich Glück, dass wir durch die Handball-Spielgemeinschaft gleich über fünf Hallen verfügen dürfen. Noch gelingt es uns, und darauf sind wir wirklich stolz, dass alle 13 Jugendmannschaften über eigene Trainingszeiten verfügen. Lediglich bei der männlichen A-Jugend machen wir hier eine Ausnahme. Das ist aber von uns so gewollt. Die Jungs der A-Jugend trainieren einmal in der Woche zum Abschluss an ihre eigene Hallenzeit mit der ersten Mannschaft und einmal mit der zweiten Herrenmannschaft. Hierdurch erhoffen wir uns ein besseres gegenseitiges Kennenlernen dieser Mannschaften und so soll den Jugendlichen auch der Sprung in den aktiven Bereich erleichtert werden. Wie kommt es eigentlich, dass die HSG Eckbachtal immer mehr Zulauf bekommt, während es im Umfeld meistens immer weniger wird? Was macht die HSG so attraktiv? Manchmal wären wir schon froh, es wären mehr Jugendmannschaften in der unmittelbar benachbarten Region, doch es ist, wie es ist. Wir sprechen keine Spieler direkt an, allerdings spricht es sich herum, dass wir nicht nur Handball bieten. Wir unternehmen immer wieder etwas mit unseren Jugendspielern, stellvertretend genannt seien hier mal die Fahrten in die Schweiz. Auch besuchen uns die Schweizer regelmäßig. Das zieht natürlich schon. Auch achten wir darauf, dass sich unsere Trainer regelmäßig fortbilden, um so auf dem neuesten Stand zu bleiben. Wie lange sind Sie eigentlich schon Jugendleiter bei der HSG Eckbachtal und wie kam es überhaupt dazu? Ja, ich mache das jetzt schon ein paar Jahre, seit 2008. Wie ich dazu kam, ist leicht erklärt: Arno Schuhmann, der Abteilungsleiter der HSG, hat mich einfach gefragt. Und da ich bis zwei Monate zuvor noch selbst im Tor stand, war meine Pause dann recht kurz. Aber es macht mir einen Heidenspaß und ich darf auch eigene Ideen einbringen und umsetzen. Wäre dies nicht der Fall, weiß ich nicht, ob ich so lange dabei geblieben wäre. Aber ans Aufhören ist zurzeit noch nicht zu denken. Bei so vielen Jugendmannschaften: Kann man da die einzelnen Gesichter überhaupt zuordnen? Das war zu Beginn nicht wirklich leicht für mich. Ich habe mir tatsächlich alle Mannschaften auf den Rechner gezogen und mir die Namen einzeln notiert. Ich wollte nicht nur der Mann an der Front sein, den alle ansprechen. Ich wollte von Beginn an alle Jugendlichen und Kinder mit Namen ansprechen können. Entweder ganz oder gar nicht, lautete schon damals meine Devise. Respekt. Mit wie viel Zeit und Aufwand ist eigentlich solch ein Amt zu messen? Gibt es da ein paar nackte Zahlen? (überlegt kurz) Ja, so gute 500 bis 600 Stunden gehen da schon drauf im Jahr, nicht nur in der Halle auch am Rechner daheim. Ich schätze mal, so zirka 1500 Mails im Jahr gibt es da schon zu bearbeiten. Spielverlegungen, Passanträge, Hallenzeiten und dann gilt es immer noch, auf die Wünsche der Trainer einzugehen. Es ist zwar nicht immer leicht, aber irgendwie schaffen wir es am Ende immer wieder. Eine kurze Frage noch zum Abschluss: Wie bleibt eigentlich ein Jugendleiter fit? Naja, irgendwie hält die ganze Arbeit einen ganz schön in Schwung. Zudem treffen sich ein paar Ältere und Ehemalige regelmäßig zum Fußball und hier tobe ich mich dann auch immer noch etwas aus.

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