Bad Dürkheim Ein klebrige Angelegenheit

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Hätte der liebe Gott gewollt, dass der Mensch attraktiven Handball spielt, dann hätte er ihn am sechsten Tag der Schöpfungsgeschichte mit Saugnäpfen an den Fingerkuppen ausstatten müssen. Nun, da sich die ganze Sache mit der Entwicklung des Homo sapiens verselbstständigt hat, benutzt der Mensch Kunstharz, um dem Dilemma mit der manchmal nicht ganz so göttlichen Ballfangtechnik Herr zu werden. Zu beobachten war das etwa vor wenigen Wochen, als die „Eulen“ aus Friesenheim im Benefizspiel für den Freinsheimer Fabian Pozywio ohne „Klebstoff“ gegen HSG Eckbachtal antreten mussten. Da leistete sich mancher „Profi“ bizarre Ballverluste. Das Publikum lachte. An ein Spiel ohne Harz – das wurde deutlich – sind die meisten Akteure in den höheren Ligen nicht mehr gewöhnt. Der Pfälzer Handballverband indessen verbietet den Einsatz von Harz unterhalb der Oberliga komplett. Ausschließlich aus Gründen der Sauberkeit, wie Präsident Friedhelm Jakob gestern gegenüber der RHEINPFALZ sagte. Denn: Das Harz hinterlässt seine schwer zu beseitigenden Spuren in den Hallen von Städten und Verbandsgemeinden, die deshalb hohe Reinigungskosten zu berappen hätten. Nicht nur an Böden, sondern auch in Duschen und an Türen klebe das Zeug, so Jakob. Wohl vor allem aus diesem Grund will der Ägypter Hassan Moustafa, Präsident der Internationalen Handballföderation, das Harzverbot rigoros durchboxen. „Wir werden das Benutzen von Harz weltweit verbieten“, sagte er im vergangenen Sommer gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Ende 2017 soll die Zeit für den Klebstoff im Handball abgelaufen sein. Harz berge gesundheitliche Gefahren wird nun immer öfter kolportiert. Einen entschiedenen Gegner hat der Ägypter in Freinsheim. Johannes Reibold ist Rückraumspieler beim Pfalzligisten HSG Eckbachtal und steht wie der überwältigende Teil seiner Kollegen sehr auf das klebrige Produkt, das während des Matchs entweder an einem Klebestreifen auf dem Schuh als Depot transportiert wird oder von der Auswechselbank aus ins Spiel gebracht wird. „Unser Sport wird spektakulärer dadurch“, sagt er. Trickwürfe, Tempo, Varianz – all das sind für ihn Argumente „pro Harz“. Weil Eckbachtal derzeit in der Pfalzliga spielt, muss der 27-jährige aber ohnehin auf das „Harzen“ verzichten. Als Tabellenführer könnte die HSG in der kommenden Saison aber wieder in der Oberliga aufschlagen. Und da – das bestätigte Präsident Jakob gestern ebenfalls – soll Harz von allen verwendet werden. Schon in der vorangegangenen Saison haben die Eckbachtaler diese Erfahrung gemacht. Abends nach dem Training sei die Halle in Dirmstein mit zehn Schrubbern eine Viertelstunde lang geputzt worden, so Reibold. „Wir wären sofort bereit, das wieder zu machen“, sagt der Handballer, der Bedenken wegen einer permanent dreckigen Halle nachvollziehen kann. Leichter ist der Umgang mit Harz nach seiner Darstellung in Vereinen, die über eigene Hallen verfügen, schwieriger ist es dort, wo Gemeindeverwaltungen die Regeln machen. Bisher haben deshalb in der Oberliga ungefähr die Hälfte der Clubs geharzt und die andere Hälfte eben nicht. Auf Dauer besteht die Gefahr, dass ein ungleicher Wettbewerb entsteht. Die Lösung soll nach Meinung des ägyptischen Handball-Funktionärs ein neuer Ball sein, in den gerade Hunderttausende Euros investiert werden und der das Harz durch seine besser haftenden Eigenschaften überflüssig machen soll. Reibold hat bereits mit einem Modell trainiert, sieht dieses Spielgerät aber noch längst nicht als Harz-Ersatz an. „Am Anfang sehr gut, aber nach fünf Minuten ist der Effekt weg“, sagt er und hofft auf einen angekündigten Ball der Firma Molton. Reibold ist kritisch und sieht hinter der Abschaffung des Harzes und der Einführung eines neuen Balles eventuell auch finanzielle Interessen von Einzelnen. „Mein Verdacht ist, dass es da Absprachen gibt, von denen ein paar Leute profitieren“, meint er, kann aber nichts Konkreteres dazu sagen. Außer eben, dass sehr viel Geld in die Entwicklung des neuen Balles gesteckt werde ...

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