Bad Dürkheim Ein Hoch auf das Leben!
Wenn der Wachenheimer „Verein zur Förderung von Kommunikation und Kultur in regionalem Bezug“ zu seinem traditionellen Weihnachtskonzert ins „Badehaisel“ am Burgtalweiher einlädt, dürfen sich Veranstaltungsbesucher Jahr für Jahr darauf einrichten, dass ihnen Außergewöhnliches geboten wird. So auch am vergangenen Samstag beim Auftritt von Siyou Isabelle Ngnoubamdjum.
Die schwäbisch-kamerunische Gospelqueen stand im bis auf den letzten Platz ausverkauftem Haus auf der Bühne, begleitet von ihren Freunden Joe Fessele am Flügel und Christof Scherer am um diverse Perkussionsinstrumente erweiterten Schlagzeug. Die temperamentvolle Siyou erblickte vor 47 Jahren als Tochter eines afrikanischen Pfarrers der evangelischen Kirche das Licht der Welt. Die deutsche Mutter förderte schon früh die Liebe ihrer Tochter zur Musik. Bereits als Jugendliche beeindruckte Siyou als Gospelsängerin in den Gottesdiensten ihres Vaters mit gewaltigem Stimmvolumen. 1993 gründete sie an ihrem Wohnort Ulm, wo sie als Grünen-Vertreterin im Stadtrat gesessen hat, ihr Gospel-Projekt „Siyou“. Als großes Vorbild bezeichnet sie die legendäre Mahalia Jackson. Aber auch anderen Klängen sei nicht abgeneigt, bekräftigt sie. Deshalb zählt auch die große Tina Turner − die übrigens ebenfalls als Kirchensängerin angefangen hat − zu ihren Idolen. Deshalb widmet sie sich neben der christlich afro-amerikanischen Kirchenmusik seit Jahren in unterschiedlichen Besetzungen als „Siyou & Friends“ auch weltlichen Jazz-, Soul- und Dancefloorsounds. Ihr Hauptbetätigungsfeld ist und bleibt aber Gospel: eine Mischung aus Blues, Jazz und Spiritual, die aus Leid und Unterdrückung entstanden ist, gleichzeitig aber viel Hoffnung ausdrückt. Ein typisches Beispiel dafür ist der Song „Amazing Grace“, den Siyou in Wachenheim besonders emotional vortrug. Er erzählt die wahre Geschichte von Kapitän John Newton, der mit seinem Schiff voller Sklaven in einen schweren Sturm gerät. Im Gebet bitte er um Rettung, der Sturm verschont das Schiff. Newton gibt aus Dankbarkeit den Sklavenhandel auf, wird Priester und entwickelt sich zum Kämpfer gegen die Sklaverei. Ernste Thematik. Siyou ist trotz solch ernster Themen nie melancholisch. Ihre Botschaft lautet ganz im Gegenteil: Lasst uns das Leben genießen, lasst uns Freunde sein und uns gegenseitig beistehen. Bill Withers’ „Lean On Me“, ein klares Statement für die Menschlichkeit, unterbrach sie in Wachenheim plötzlich, um das Publikum zum Mitmachen aufzufordern: Stühle umzudrehen und Hände schütteln − was auch von fast allen prompt befolgt wurde. Das machte die ohnehin gute Atmosphäre im Badehaisel noch ein bisschen entspannter. Von Fessele und Scherer hervorragend unterstützt präsentierte Siyou mit enormer Powerstimme bekannte und weniger bekannte Gospel-Songs: „A Change Is Gonna Come“, „I Wish I Knew“, „Glory Glory“ und ein Medley aus „Nobody Knows The Trouble I’ve Seen“ und „When The Saints Go Marching In“. In typischer Siyou-Manier forderte sie hier ihre laut mitsingenden Fans zum zusätzlichen Fingerschnippen oder Mitswingen auf. In der zweiten Hälfte des Konzerts kamen besinnlichere Stücke zum Zug wie „A Child Is Born“ und das als Kinderlied geschriebene „This Little Light Of Mine“. Zu einem emotionalen Höhepunkt wurde das mit lautstarker Unterstützung des Publikums vorgetragene „Stille Nacht“ in Deutsch und Englisch gesungen. Spätestens jetzt weihnachtete es so richtig im Badehaisel. Nach der von Udo Jürgens geschriebenen Nummer „Ich glaube“ als Zugabe nahmen die Zuhörer diese schöne Stimmung mit nach Hause.