Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel E-Sport-Firma wechselt nach Bad Dürkheim

Tausende strömen in Arenen, um ihr E-Sports-Team anzufeuern.
Tausende strömen in Arenen, um ihr E-Sports-Team anzufeuern.

Die „Academy of E-Sports“ ist eine neue Firma in Bad Dürkheim. Die Inhaber erklären im Gespräch mit der RHEINPFALZ, was es mit dem E-Sport-Trend auf sich hat, wie sich mit dem Spielen von Computerspielen wie Fifa einiges an Geld verdienen lässt und wieso sie glauben, dass E-Sport der „Sport der Neuzeit“ ist.

Im Bruch gibt es seit einigen Monaten eine neue Firma, bei der sich alles um die Welt des Fußballs dreht. Die Inhaber Marvin Hintz und Erhan Kayman haben sich vor allem auf die Vermarktung und Beratung von Spielern spezialisiert und bieten Trainings an. Die laufen etwas anders ab, als man es zunächst vermuten würde, denn: Statt auf dem Platz zu stehen, sitzen die Spieler an Konsolen oder Computerbildschirmen. Die „Academy of E-Sports“ hat sich, wie der Name schon erkennen lässt, auf den Bereich des E-Sports spezialisiert.

Damit ist, einfach ausgedrückt, der sportliche Wettkampf innerhalb eines Videospiels, in diesem Fall des Fußball-Simulationsspiels Fifa, gemeint. E-Sport ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden und hat eine breite Anhängerschaft. Millionen Menschen schauen sich die Spiele online an, Tausende strömen in große Arenen, um ihre Teams anzufeuern. Was als Hobby von Jugendlichen angefangen hat, ist ein professioneller Wirtschaftszweig geworden – hinter dem eine Menge Geld steckt.

Fünfstelliges Gehalt

„Viele der Spieler verdienen vierstellig, Top-Spieler können sogar fünfstellig verdienen“, berichtet Kayman. Dafür würden sie in der Regel zwischen sechs und sieben Stunden täglich trainieren. Zu dem monatlichen Festgehalt – E-Sport-Spieler sind wie im echten Fußball bei einem Verein unter Vertrag – kämen noch Prämien bei erfolgreichen Turnieren. „Die Top-E-Sportler können richtig gut davon leben und wir gehen davon aus, dass das in Zukunft noch mehr werden wird“, so Kayman weiter. Sowohl er als auch sein Geschäftspartner Hintz sind beide ehemalige Fifa-Profispieler. Als Kayman vor zehn Jahren mit dem E-Sport begonnen hat, habe es nur eine Aufwandsentschädigung für das Hobby gegeben, inzwischen sei der E-Sport ein Vollzeitjob. Und zwar nicht nur für die Spieler, sondern auch für ihre Berater und die Vereine.

Marvin Hintz (links außen) und Erhan Kayman (rechts außen) haben gemeinsam mit den Grünstadter Youtubern Timo Schulz und Simon B
Marvin Hintz (links außen) und Erhan Kayman (rechts außen) haben gemeinsam mit den Grünstadter Youtubern Timo Schulz und Simon Bechthold neben ihrer E-Sport Academy auch ein eigenes Gaming-Team

So beschäftigt sich die „Academy of E-Sports“ vor allem damit, junge Spieler zu vermarkten, sie an Clubs zu vermitteln und zu fördern. Hintz und Kayman können dabei auf ihr Wissen und ihre Kontakte in die Szene aus ihrer eigenen E-Sport-Karriere zurückgreifen. „Das möchten wir weitergeben. Vor allem junge Spieler wissen oft nicht, was sie wert sind, und brauchen noch ein bisschen Unterstützung“, sagt Kayman. Aktuell betreuen sie 20 Spieler aus ganz Deutschland, die bei diversen Fußballclubs unter Vertrag stehen.

Viele Fußballvereine haben nämlich mittlerweile eigene E-Teams, die in der virtuellen Bundesliga (VBL) gegeneinander antreten. Für die nächste Saison wird es sogar Pflicht werden, dass Profivereine der Deutschen Fußball Liga ein Team für die VBL stellen müssen. Momentan haben bereits 29 von 36 Clubs aus der ersten und zweiten Bundesliga solch ein E-Sport-Team, zum Beispiel der 1. FC Kaiserslautern oder die TSG Hoffenheim.

Dort spielt der 17-jährige Fabrice Weiss aus Limburgerhof, der sich im vergangenen Jahr bei der „Academy of E-Sports“ gemeldet hat und daraufhin von Hintz und Kayman nach Hoffenheim vermittelt wurde. Sie nennen Weiss als spannendes Beispiel dafür, wie schnell E-Sportler mit dem nötigen Talent erfolgreich werden können. „Er hat mit 14 Jahren schon Profis geschlagen und ist jetzt in dieser Saison zum Stammspieler gereift, das war eine sehr gute Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten“, sagt Kayman.

Erhan Kayman hat als Fifa-Profi bei Werder Bremen gespielt.
Erhan Kayman hat als Fifa-Profi bei Werder Bremen gespielt.

Zu den Top-Spielern, die aus der „Academy of E-Sports“ bisher hervorgegangen sind, gehören laut Hintz und Kayman zudem Jamie Bartel (16), der den vierten Platz bei der deutschen Meisterschaft geholt hat, sowie der ehemalige Europameister Berkai Demirci (17) und Justin Kampmeier (18), der in seiner ersten Saison bereits der zweitbeste Spieler der VBL war. Insgesamt gibt es die „Academy of E-Sports“ seit 2019, vor fünf Monaten haben sich Hintz und Kayman dann für einen Ortswechsel von Moers nach Bad Dürkheim entschieden, um besser mit den Youtubern Timo Schulz und Simon Bechthold aus Grünstadt zusammenarbeiten zu können, mit denen sie das Gaming-Team „Iqonic“ gegründet haben.

Schnelles Wachstum

Mit der Firmenentwicklung sind die Geschäftsführer sehr zufrieden. „Wir sind in der kurzen Zeit schnell gewachsen, das ist ein guter Fortschritt“, sagt Hintz. Geld verdienen die beiden hauptsächlich durch die Provision, die sie vom monatlichen Gehalt der Spieler bekommen, und Werbedeals. Wie viel das genau ist, wollen sie nicht verraten, sind aber überzeugt, dass „das Ganze noch wachsen wird“. Seit Kurzem haben sie den Fußball-Drittligisten Viktoria Köln unter Vertrag, für den sie die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen.

Auch Marvin Hintz ist ehemaliger E-Sport-Profi und hat unter anderem für Bayer Leverkusen gespielt.
Auch Marvin Hintz ist ehemaliger E-Sport-Profi und hat unter anderem für Bayer Leverkusen gespielt.

In Zukunft erhoffen sie sich, noch mehr Fußballvereine und Spieler betreuen zu können. Die Zeichen dafür stehen laut Kayman gut: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis E-Sport in der Gesellschaft angekommen ist“, meint er und hebt dabei besonders den sportlichen Aspekt hervor. „Für mich ist das definitiv ein Sport, eben ein Denksport wie Schach“, sagt der 32-Jährige. „Man braucht kognitive Fähigkeiten, muss viel trainieren und einem großen Leistungsdruck standhalten. Das sind für mich Aspekte, die belegen, dass es ein Sport ist.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht im E-Sport den „Sport der Neuzeit“.

Mit der „Academy“ wollen sie noch einiges erreichen. Bis Ende des Jahres sollen aber erst mal die Büro- und Gamingräume fertig eingerichtet werden.

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