Bad Dürkheim „Die Wachtenburg gehört zu mir“

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Herr Weilacher, fühlen Sie sich manchmal wie ein moderner Burgherr?

Nein, gar nicht. Ich sehe dieses Objekt seit meiner Kindheit. Es gehört zu Wachenheim, es gehört zu mir und es gehört zu meiner Familie. Ich erfülle die Aufgabe gerne. Dennoch sind sie wohl derjenige, der in den vergangenen Jahrzehnten von allen Menschen die meiste Zeit hier verbracht hat. Das mit Sicherheit. Aber ich muss sagen, dass ich das einfach auch mit Freude getan habe. Wenn man heute sieht, was geworden ist und die Leute kommen und sich bedanken, dann ist das der Lohn und man ist zufrieden damit. Das klingt sehr bescheiden. Die Wachtenburg gilt heute als d a s Imageobjekt der Stadt Wachenheim. Ist sie es erst wieder geworden oder war das schon immer so? Nein, das ist sie in den letzten Jahrzehnten geworden. Aber es ist auch vorher ein Ort gewesen, wo man sonntags hoch ist und sich hingesetzt hat, um ein Würstchen zu essen. Mehr hat es ja nicht gegeben. Die Wachenheimer sind eigentlich schon immer gerne hochgekommen. Für Fremde war die Burg tatsächlich auch etwas Fremdes. Sie wurde gar nicht angenommen. Der Wachenheimer Stadtrat ist nicht als Hort der Harmonie bekannt. War die Unterstützung trotzdem immer da? Ich bin politisch nicht tätig. Aber natürlich ist man an mich anfangs von allen Richtungen herangetreten und hat gesagt: ,Dieter, Du könntest doch bei uns ...’. Ich habe immer Nein gesagt. Wenn ich eine Überzeugung habe, dann kann ich nicht aus parteipolitischen Gründen für etwas anderes stimmen. Beim 20-jährigen Bestehen des Fördervereins, das in der Lutherischen Kirche gefeiert wurde, hat mir dann jemand gratuliert, zu dem was wir auf der Burg geschafft haben. Die Person hat mir schließlich auch gratuliert, dass ich mich entschlossen hatte, politisch nicht tätig zu sein. ’Ihr wärt heute nicht so weit, wenn Du politisch tätig gewesen wärst’, wurde mir damals gesagt. Aber das ist noch keine Antwort auf meine Frage nach der Unterstützung. Es waren eigentlich immer alle Fraktion für das Objekt. Es war immer positiv. Sehr schön. 1.9 Millionen Euro sind bis heute sowohl aus dem Verein, wie auch von der Stadt und vom Land geflossen. Hätten Sie sich vor 30 Jahren träumen lassen, dass das Projekt solche Ausmaße und Umfänge annimmt? Wir haben damals schon mit drei oder vier Millionen D-Mark gerechnet. Eigentlich schon, ja. Aber haben Sie sich vor 30 Jahren mal überlegt, dass Sie in 30 Jahren noch immer hier sitzen und immer wieder eine neue Sanierung fällig ist. Nein, das habe ich eigentlich nicht gedacht. Daran haben wahrscheinlich viele, die den Verein gegründet haben, nicht gedacht. Wir sind ein Förderverein und dachten, dass es irgendwann nicht mehr notwendig ist. Viele dachten, dass die Sache nach 20 oder 25 Jahren erledigt ist. Dem ist aber nicht so. Ein Objekt wie die Wachtenburg ist selbst, wenn sie komplett saniert ist, ein Fass ohne Boden. An Stellen, die vor 20 Jahren saniert wurden, ist heute wieder Bedarf. Apropos Bedarf: Sie haben viel Familienleben geopfert hierfür. Ja, das stimmt. Und speziell meine Frau hat darunter auch zu leiden gehabt. Ich war schon berufsmäßig früher von früh morgens bis abends unterwegs. In den ersten eineinhalb Jahren meines Rentnerdaseins war ich tagtäglich mit anderen Rentnern auf der Wachtenburg. Da haben wir die archäologische Grabung gemacht. Da meinte meine Frau schon hin und wieder, dass sie sich das Rentnerleben etwas anders vorgestellt hat. Gab es mal einen Punkt, an dem Sie dachten: Jetzt hör ich auf. Nein, noch nie. Und gab es eine Situation, in der Sie technisch nicht weiter wussten? Nein, wir haben immer den Überblick bewahrt. Ich habe schon in meinen Berufsjahren als Maurermeister und Bauleiter schwierige Situationen erlebt. Vor kurzem hat das Burgfest wegen des Lärms zu Beschwerden aus der Anwohnerschaft geführt. Wie stehen Sie dazu. Wird auf der Burg zu laut gefeiert? Nein, es war vielleicht etwas lauter als sonst. Ich kann es aber nicht beurteilen, weil ich ja hier oben auf der Burg war. Es ist immer wichtig, dass wir Ostwind haben, wenn gefeiert wird. In diesem Jahr war es wie gesagt vielleicht etwas lauter und es kam noch Westwind dazu. Wir werden aber selbstverständlich in der nächsten Sitzung am Dienstag darüber reden, wie wir die Wachenheimer Bevölkerung zufriedenstellen können. In jedem Verein gibt es ab und zu mal Ärger und Krach. Bei Ihnen auch? Da muss ich glücklicherweise sagen, dass es in 30 Jahren nicht ein einziges Mal Querelen in der Vorstandschaft gehabt. Das schätze ich sehr hoch ein. Wie lange machen Sie den Job noch? Ich bin jetzt 70 Jahre alt. Ich habe gedanklich noch viel vor und würde es schon gerne noch alles machen. Aber ich bin dabei und habe einen Nachfolger ausgeguckt. Man weiß ja nie, was morgen ist. Manchmal kann vieles ganz schnell gehen. Aber im Moment habe ich die Energie noch.

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