Wachenheim
Die neue Programmchefin der Wachenheimer Serenade
Am 27. Oktober greift die Bratschistin nun selbst aktiv ins musikalische Geschehen ein und gibt in der Ludwigskapelle ihr Konzertdebüt.
Auf der Suche nach einer professionellen Begleitung der beliebten Konzertreihe wandte sich der Vorstand des Freundeskreises Wachenheimer Serenade nach dem Weggang des Klarinettisten Sebastian Lastein wegen einer möglichen Nachfolge an Beat Fehlmann, den Intendanten der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Und der wurde fündig. Barbara Giepner, seit fast fünf Jahren Solo-Bratschistin dieses Orchesters, übernahm Mitte 2023 das verantwortungsvolle Ehrenamt.
Ehrgeizige Ziele im Blick
Die Neue hat durchaus ambitionierte Pläne, um die Wachenheimer Serenade zukunftssicher zu machen und das hohe Niveau der Veranstaltungen zu halten. „Ich möchte auch die jüngere Generation anlocken“, macht Barbara Giepner im Gespräch mit der RHEINPFALZ deutlich. An Mut, sich auf das eine oder andere Experiment einzulassen, fehlt es ihr nicht. Als Beispiel nennt sie den Auftritt der aus Mutterstadt stammenden Cellistin Katrin Geelvink, die Musikkabarett vom Feinsten bot. Zudem wurde erstmals mit dem musikalischen Weihnachtsmärchen „Nussknacker und Mäusekönig“ ein Kinderkonzert ins Programm genommen.
Dass es ein kluger Schachzug war, Barbara Giepner mit der künstlerischen Leitung zu betrauen, beweist bereits ein Blick auf ihre Vita, die ohne Übertreibung als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden kann. Während des Studiums und später bei ihrer intensiven Konzerttätigkeit ist sie viel in der Welt herumgekommen und hat in zahlreichen Orchestern gespielt. Ihre familiären Wurzeln führen an den Niederrhein. In dem kleinen Örtchen Willich nahe Mönchengladbach wuchs sie zusammen mit ihren beiden älteren Geschwistern auf. Als Schwester Anne keinen Platz im Kindergarten bekam und stattdessen die Musikschule besuchte, war auch der Weg für die kleine Barbara vorgezeichnet. Im zarten Alter von vier Jahren bekam sie ihren ersten Klavierunterricht. Doch mit einem Instrument gab sie sich nicht zufrieden, sie entdeckte ihre Liebe zur Bratsche und befolgte den Rat ihres Lehrers, ihr Studium zweispurig aufzubauen.
Renommierte Ausbildungs- und Spielstätten
Hochschule für Musik Köln, College Conservatory of Music Cincinnati, Royal Academy of Music London und Conservatoire de Paris – das waren die Stationen der Ausbildung von Barbara Giepner, die ihr Masterstudium mit Auszeichnung abschloss. Inzwischen hatte sich ihre instrumentale Präferenz immer mehr auf die Bratsche verlagert. Der Grund ist einleuchtend: „Als Pianist bekommt man viel schwerer eine Stelle,“ erklärt sie. Ihre Entscheidung sollte sich auszahlen. Im Jahre 2008 spielte sie als Solo-Bratschistin im renommierten Lucerne Festival Academy Orchester unter dem legendären Dirigenten Pierre Boulez.
Die gefragte Musikerin folgte 2013 einem Ruf ins belgische Antwerpen und gehörte sechs Jahre lang dem dortigen Symphony Orchestra an. Dann aber lockten sie Ludwigshafen und die Pfalz. „Die Staatsphilharmonie kannte ich zwar, hatte allerdings noch keine großen Kontakte zu dem Orchester“, erzählt die 42-Jährige. Sie war richtig glücklich, als sie im Januar 2020 die Stelle als Solo-Bratschistin bekam. Sie schwärmt von der tollen Stimmung im Kollegenkreis und spürt sehr viel Begeisterung. Inzwischen ist sie in Ludwigshafen-Rheingönheim heimisch geworden. In ihrer Freizeit genießt die Rheinländerin die Ausflüge und Wanderungen an der Weinstraße und im Pfälzerwald.
Wichtig für Arbeitsort-Wahl: Schnell in Paris sein
Eines war Barbara Giepner bei der Wahl ihres Arbeitsortes besonders wichtig: eine gute Verkehrsverbindung nach Paris. Denn in der Seinemetropole musiziert sie regelmäßig in einem Streichquartett, dem auch der Pianist Julien Le Pape – ihr Duopartner beim Konzert in Wachenheim – angehört. Das Ensemble Sésame, das in unterschiedlichen Besetzungen auftritt, hat sich bei der Namensgebung von seinem bevorzugten Treffpunkt inspirieren lassen – dem Café Sésame in Paris.
Da ist der Gedankensprung zu „Sesam, öffne dich“ nicht weit. In der Tat zeigt sich Barbara Giepner offen für alle musikalischen Stilrichtungen, auch für das zeitgenössische Genre. Sie spricht von der Bereitschaft, immer wieder Neues zu entdecken und weiterzuentwickeln. Fragt man sie nach ihren Lieblingskomponisten, zögert sie ein wenig. „Das ist werkabhängig.“ Dann nennt sie das Dreigestirn Bach, Beethoven und Brahms.
Bei der Wachenheimer Serenade spannen Barbara Giepner (Viola) und Julien Le Pape (Klavier) den Bogen von der Romantik bis zum späten Impressionismus. Auf dem Programm stehen die Märchenbilder von Robert Schumann, die Sonate Nr. 4 von Paul Hindemith, „A bird came down the walk“ von Toru Takemitsu und die Sonate f-Moll Nr. 1 von Johannes Brahms.
Termin
Konzert mit dem Duo Sésame am Sonntag, 27. Oktober, 19 Uhr, in der Ludwigskapelle in Wachenheim. Karten gibt es unter www.wachenheimer-serenade.de, bei der Touristinformation Wachenheim, Telefon 06322 9580801 und beim Freundeskreis Wachenheimer Serenade, Telefon 06322 956971.