Bad Dürkheim „Die gehen ab wie die Granate“

Voxxclub rocken bundesweit auf Volksfesten die Bühne. Seit ihrem Durchbruch mit „Rock mi“ haben sich die Mitglieder eine große Fangemeinde erspielt. Heute Abend werden sie im Park der Lebenshilfe in Bad Dürkheim für Stimmung sorgen. Sänger Christian Schild (29) spricht über Volksmusik, Frauenfußball und den Ausstieg von Julian David.
Prima läuft’s. Es gibt viel zu tun, aber einiges ist schon fertig, andere Sachen sind noch in der Mache. Bis zur Veröffentlichung muss man sich aber noch etwas gedulden. Es kommt im Januar raus. Wie läuft das Songwriting bei euch? Bei diesem Album haben wir was Neues gemacht und bei verschiedenen Songs selbst mitgeschrieben, nicht bei allen, aber den meisten. Es gab ein Camp zusammen mit Songwritern. Dort haben wir beim Songschreiben direkt unsere Ideen miteinfließen lassen – sowohl textlich als auch musikalisch. Bisher hatten wir immer nur fertige Songs bekommen, die für uns geschrieben wurden. Diese haben wir dann im Studio zu unseren eigenen gemacht. Also wir waren immer kreativ beteiligt, aber dieses Mal sind tatsächlich auch Lieder von uns dabei. Der Titel des aktuellen Albums „Ziwui“ erinnert mich irgendwie an die Zahl Zwei, oder wie wir Pfälzer sagen „Zwä“, das ist aber bestimmt falsch, oder? (lacht) Auf die Idee ist noch keiner gekommen. „Ziwui“ haben wir aus einem Innsbrucker Volkslied stibitzt, das imitiert das Vogelgezwitscher – das Vögelchen macht „ziwui, ziwui, ziwui“. Wir haben das benutzt als Freiheitsausruf, so in der Art vogelfrei, wir sind frei und machen, was wir wollen. Wenn man Dir als Teenager gesagt hätte, das Du irgendwann mal ein Volksmusikstar werden würdest, wie hättest Du reagiert? Das hätte ich nicht geglaubt. Ich komme von einem Bauernhof. In meiner Welt war es nicht üblich oder möglich, dass man so einen Beruf haben kann. Das haben die Leute im Fernsehen gemacht, und ich nicht (lacht). Ich wusste gar nicht, dass man das werden kann. Volksmusik ist bei Jugendlichen oft verpönt. Viele wollen nicht zugeben, dass sie diese Musik hören, weil es ihnen peinlich ist. Welche Rolle hat sie denn in Deiner Jugend gespielt? Schon eine große Rolle, allerdings eher die traditionelle Volksmusik. Mein Papa jodelt, meine Mama spielt Quetschkommode und ich auch. Für mich ist es völlig normal, ich bin mit Volksmusik groß geworden. Das war die erste Musik, die ich kennengelernt habe. Ihr beschreibt eure Musik als moderne Volksmusik. Was ist das genau? Junge Menschen aus der Stadt haben bestimmt auch schon mitbekommen, dass das Traditionelle, das Rustikale wieder kommt, quasi zum Trend wird und in ist. Die Leute tragen ja auch wieder Lederhosen und Oktoberfeste gibt es überall. Verstehen kann ich, dass man vielleicht „Rumstata“-Musik nicht mag, die ist für junge Menschen nicht so cool. Wir allerdings nehmen diese alte, traditionelle Musik und verbinden sie mit modernen Beats. Wir haben rockige Sachen oder jodeln und rappen gleichzeitig. Damit bringen wir diese Musik den jungen Leuten wieder etwas näher, weil sie sich damit identifizieren, denn es ist auf eine Art neu und trotzdem vertraut. Ihr habt im Mai ein Mitglied verloren: Julian ist ausgestiegen. Das passiert ja jeder angesagten Boyband früher oder später. Steht ihr nun kurz vor der Auflösung oder sucht ihr einen Ersatz? Beides nicht. Vor der Auflösung stehen wir überhaupt nicht. Wir haben tausend Sachen geplant. Wir gehen nächstes Jahr im April und Oktober wieder auf Tournee, da freuen wir uns schon drauf. Wir haben auch überlegt, ob wir einen Ersatz brauchen. Wir sind in den zwei Jahren zusammengewachsen, haben viel gelernt. Wir sind quasi gemeinsam mit der Band gewachsen und zu einer Einheit geworden. Wenn wir jetzt einen Externen holen würden, wäre das irgendwie komisch. Wir sind Voxxclub, auch wenn Julian jetzt seine Solosachen macht. Ihr habt euch demnach nicht im Bösen getrennt? Nein, überhaupt nicht. Wir sind Menschen, jeder entwickelt sich und hat seine Träume und Vorstellungen. Manchmal entwickelt man sich eben auseinander, das ist nun einmal so im Leben. Wenn das passiert, muss man ja nicht krampfhaft sagen „Nein, wir machen das weiter so“. Man soll im Leben frei sein und machen dürfen, worauf man Lust hat. Es war ein langer Entscheidungsprozess, aber wir sind alle glücklich, so wie es jetzt ist. Mit Nadine Angerer, der Torhüterin der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen, habt ihr das Lied „So wie heut“ aufgenommen. Wie kam es zu dieser Kooperation? Das war eine ganz lustige Geschichte (lacht). Wir waren bei der Talkshow „Riverboat“ zu Gast, gemeinsam mit Nadine. Wir waren total begeistert von ihr, fanden ihre Art und was sie zu erzählen hatte einfach cool. Danach beim Umtrunk haben wir uns noch mit ihr unterhalten und dann, wie man das oft macht, gesagt, dass wir unbedingt mal was zusammen machen müssen, weil das mit uns so gut funktioniert. Meistens klappt das ja dann nicht, weil man den Kontakt verliert oder keine Zeit hat. Aber in dem Fall ging das flott. Sie hat sogar in Portland in Kanada im Tonstudio ihren Rap eingesungen, während wir per Skype dazu geschaltet waren. Das war richtig aufregend. Ihr habt jetzt also eure Liebe für Frauenfußball entdeckt? Ja, natürlich. Das ist doch super. Viele finden Frauenfußball nicht so interessant, wenn man das mit dem Hype vergleicht, der um die Nationalmannschaft der Männer gemacht wird. Obwohl die Mädels sehr erfolgreich waren und sind ... Das ist aber schade. Da sind wir als Band vielleicht auch ein Beispiel, denn wir sagen ja auch, dass wir uns nicht an Regeln halten und vielleicht etwas anarchistisch sind, indem wir Modernes mit Traditionellem mischen. Warum sollten dann Frauen nicht auch Fußball spielen? Die spielen bei Weltmeisterschaften – warum sollte man das nicht gut finden? Dafür gibt es keine logische Erklärung. Wir finden das tatsächlich super und haben die Spiele bei der Weltmeisterschaft in Kanada auch verfolgt. Wenn man an Voxxclub denkt, denkt man automatisch auch an Party- und Stimmungsmusik. Habt ihr auch eine ruhige Seite? Auf jeden Fall. Wenn man zu unseren Konzerten kommt, dann ist das nicht nur Halligalli-Drecksau. Man kann auf jeden Fall feiern, mitsingen und tanzen. Aber wir mögen auch sehr gerne die ruhigen Töne und spielen verschiedene Balladen, denn wir mögen es auch mal etwas emotionaler auf der Bühne. Ich denke, da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ihr spielt beim Jubiläumskonzert der Lebenshilfe. Dort werden Menschen mit Behinderung, die sich ausdrücklich einen Auftritt von euch zum 50-jährigen Bestehen gewünscht haben, mit anderen Besuchern feiern. Seht ihr Musik auch als ein Mittel, das Menschen verbindet? Auf jeden Fall. Es ist wahnsinnig interessant, wie behinderte Menschen auf uns reagieren. Bei unserer Tour im letzten Jahr waren auch viele Menschen mit Behinderungen bei unseren Konzerten, und die gehen ab wie die Granate. Auch bei den Autogrammstunden sind sie voll dabei – kennen jeden mit Namen und wollen Fotos. Wir freuen uns immer sehr darüber und haben auch gar keine Berührungsängste, denn Menschen sind Menschen. Das ist immer eine riesen Gaudi. Musik ist ein Mittel, mit dem man Leute berühren kann. Wir staunen selbst darüber, dass zu unseren Konzerten von kleinen Kindern über Teenager bis hin zur Großmutter jede Altersgruppe vertreten ist. Das trifft auch auf unterschiedliche Schichten zu. Da sind Männer im Businessanzug auf Jungs mit Cappy getroffen – da war alles querbeet vertreten. Das ist eine coole Sache. Termin Voxxclub spielt heute ab 21 Uhr bei Musik im Park bei der Lebenshilfe Bad Dürkheim. Um 18.30 starten die Runaways das Programm. Karten gibt es an der Abendkasse.