Bad Dürkheim Die Anatomie genau studiert

Auch als Künstler ist Flavio Orellano jetzt in seiner neuen Heimat Weisenheim am Berg angekommen. Die Künstlergruppe „Offenes Atelier“ hat ihn in ihren Kreis aufgenommen. Seine Arbeiten zeigt der Skulpteur mit argentinischen Wurzeln im Ausstellungsraum seines Schwiegervaters Roland Würtz.
Für den kürzlich beim Stutzenfest in die dörfliche Gemeinschaft aufgenommen Neu-Weisenheimer war es ein weiter Weg bis in die Pfalz. Orellano wurde in der argentinischen Weinbauregion Mendoza geboren und kam als 22-Jähriger nach Italien. Dort arbeitete er bei einem Bildhauer in Florenz, später wechselte er zu einem bildenden Künstler, der für die italienische Filmindustrie in der „Cinecittà“ Kulissen für Filme baute. Orellano wäre vielleicht heute noch in Italien, wenn er dort nicht die Violinistin Sylvia Würtz kennengelernt hätte. Es muss wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn beide heirateten, kauften ein Haus in der Toskana und bekamen eine kleine Tochter. Sie war der Grund für den Umzug der Familie vor zwei Jahren nach Weisenheim am Berg, wo sie ein Haus in der Jahnstraße bezogen. Dort hat sich Flavio Orellano inzwischen für seine Tonarbeiten eine Werkstatt eingerichtet mit Drehscheibe, Brennofen und Trocknungsregalen. Zuvor musste er seine Kunstwerke zum Brennen immer ins Dürkheimer Haus Catoir bringen. Jetzt kann er seine Ideen als Skulpteur direkt umsetzen. Er arbeitet an der Drehscheibe oder gestaltet seine Objekte in Aufbau– oder Plattentechnik. Orellano setzt dabei unterschiedliche Tonsorten ein und will auch mit verschiedenen Brennmethoden experimentieren. „Beim Arbeiten vergesse ich die Zeit, wenn ich eine Idee habe“, sagt er. Für seine Skulpturen habe er immer genau die Anatomie studiert, wie für seine weiblichen Akte oder die Figur einer sich schwungvoll drehenden Tänzerin. Für die Mozartgesellschaft in Mannheim gestaltete er ein Flachrelief, das den jungen Musiker in seiner Mannheimer Zeit zeigt – ohne Perücke und Spitzenjabot. Auch ein Porträt seiner Schwiegermutter, der Sängerin Ingrid Würtz, hat er in dieser Form gearbeitet. Eigentlich habe er früher keinen Zugang zum Abstrakten gehabt, sagt Orellano. „Das hat sich inzwischen geändert“, fügt er hinzu. Einige dieser Arbeiten zeigte er im vorigen Jahr in einer Gemeinschaftsausstellung mit Bildern von Roland Würtz: Terracotta-Formen, die durch den Holzbrand eine dunkle Färbung angenommen haben und dadurch wie aus Eisen wirken.