Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschland-Ticket: Trotz Streckensperrung kein Sonderkündigungsrecht

Seit 17. März wie ausgestorben: der Dürkheimer Bahnhof.
Seit 17. März wie ausgestorben: der Dürkheimer Bahnhof.

Trotz der Sperrung der Bahnstrecke zwischen Bad Dürkheim und Deidesheim können Besitzer des Deutschland-Tickets ihr Abo nicht vorzeitig kündigen.

Wer von der Bahnstreckensperrung zwischen Bad Dürkheim und Deidesheim betroffen ist und den Schwierigkeiten des Schienenersatzverkehrs aus dem Weg gehen will, würde am liebsten das Deutschland-Ticket loswerden. Insbesondere dann, wenn es möglich ist, kurzfristig aufs Auto umzusteigen. Aber wie kündigt man das Abo, ohne Geld zu verlieren?

Wer sein Deutschland-Ticket bei der Bahn gebucht hat, muss feststellen, dass die Bahn die Kündigungsfrist sehr früh festgesetzt hat: Das Ticket muss bis zum 10. Kalendertag eines Monats gekündigt werden, damit die Kündigung zum darauffolgenden Monat gültig ist. Wer dem Schienenersatzverkehr erst mal eine Chance geben wollte, war wegen der Streckensperrung, die ab dem 17. März in Kraft trat, sowieso schon zu spät dran, um vor dem Einzug der nächsten 58 Euro noch zu kündigen.

Kündigungsfrist konnte nicht eingehalten werden

Doch ohnehin war die Kündigungsfrist der Bahn gar nicht mehr einzuhalten. Bekannt geworden ist die vorgezogene Streckensperrung durch eine Mitteilung des in Kaiserslautern sitzenden Schienenzweckverbands (ZÖPNV) am 11. März. Der Verband hatte darin kritisiert, dass die Bahn zu spät über die sich zuspitzende Situation am durch Dachshöhlen instabil gewordenen Bahndamm informiert habe. Dadurch sei es gar nicht möglich gewesen, das Buskonzept im Detail auszuarbeiten. Von einem „Stolperstart“ beim Schienenersatzverkehr war deswegen die Rede. Darüber berichtete die RHEINPFALZ ebenfalls am 11. März online, am 12. März war darüber in der Printausgabe in Bad Dürkheim und Neustadt zu lesen.

Aus der Zeitung erfuhr die Dürkheimerin Katrin Dik von dem drohenden Bus-Chaos. Ihr Sohn besucht die 11. Klasse am Technischen Gymnasium in Neustadt. Er fährt täglich mit der Bahn von Bad Dürkheim bis zur Haltestelle Neustadt-Böbig – für Schüler eine praktische Verbindung. Zumindest bis zum 17. März. „Als ich in der RHEINPFALZ von der Streckensperrung erfahren habe, habe ich sein Deutschland-Ticket sofort gekündigt“, berichtet die Mutter. Doch die Bahn ließ die Kündigung erst zum 10. April zu, das Abo läuft also bis Ende April weiter. Dik ließ nicht locker, verwies in einer E-Mail an die Bahn auf die außerordentlichen Umstände, bat um Kulanz und ein weiteres Mal darum, die Abokündigung bereits schon Ende März zu genehmigen.

Aufs Auto umgestiegen

Währenddessen stieg der Sohn, der im Januar 18 geworden ist, auf das Auto um. „Da waren Schüler am Gymnasium, die haben zwei Stunden gebraucht, um zur Schule zu kommen“, erzählt Dik von den Erfahrungen in der ersten Woche. Bei der Bahn stieß sie auf Granit. Auch auf den Vorschlag, man könne das Abo doch für die Dauer der Streckensperrung stillegen, danach könne man ja wieder einsteigen, ging die Bahn nicht ein.

„Es geht mir dabei nicht ums Geld, sondern ums Prinzip. So geht man nicht mit den Kunden um“, betont Dik. Dadurch vergraule man sich schließlich die jungen Leute. „Mein Sohn hat sich bewusst wegen der Benzinkosten für die Bahn entschieden. Aber wenn er nur solche negativen Erfahrungen macht, muss sich die Bahn nicht wundern, wenn sie Kunden dauerhaft verliert“, meint Dik.

Die Pressestelle der Bahn in Frankfurt gab zu dem Thema keine Stellungnahme ab.

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