Forst
Deutsche Bahn: Mit der Fräsmaschine gegen den Dachs (mit Video)
Vom Übeltäter ist am Montagvormittag nichts zu sehen. Am Bahndamm zwischen Wachenheim und Deidesheim hat der Dachs, der laut Deutscher Bahn für alles verantwortlich ist, ohnehin bald keine Chance mehr. Dafür sorgt eine beeindruckend große Fräsmaschine, die an diesem Vormittag vor der Kommunalpolitik und der Presse ihren großen Auftritt bekommen soll.
Rückblick: Dass die Bahnstrecke zwischen Bad Dürkheim und Deidesheim wegen der Dachshöhlen und der dadurch nötig gewordenen Sanierung ab Juli gesperrt werden muss, war zwar schon 2024 klar. Trotzdem war es ein echter Schock, dass die Strecke bereits im Frühjahr dicht gemacht wurde. „Ein sicherer Schienenverkehr war im März nicht mehr möglich“, betont Projektleiter Jörg Schmidt beim Ortstermin. Für Frust sorgte damals bei Pendlern zudem, dass die die Arbeiten nicht vorgezogen worden waren.
2000 Sondierungsbohrungen
Seit Juli ist nun schweres Gerät im Einsatz. Was sich seither getan hat, demonstriert Schmidt auf dem Bahndamm bei Forst, auf dem derzeit keine Züge, dafür jedoch zahlreiche beeindruckende Baustellenmaschinen unterwegs sind. „Das Flatterband ist die Schienenoberkante gewesen“, erklärt Schmidt. Mit dem Flatterband ist das charakteristische rot-weiße Baustellenband gemeint, das die Deutsche Bahn auf Schulterhöhe quer über den Bahndamm gespannt hat. Allerdings nicht, um die versammelte Lokalpolitik und Presse vom Weitergehen abzuhalten, sondern um zu demonstrieren, was hier bereits alles geleistet wurde.
Zunächst mussten Schienen abgebaut und Schotter entfernt werden. Hinzu kam das Abtragen des Untergrunds, zählt Schmidt die notwendigen Arbeiten auf. Er erklärt, was neben verschiedenen Umweltschutzgutachten erforderlich war, um überhaupt mit den Arbeiten beginnen zu können. Da es sich um Kampfmittelverdachtsflächen handelt, waren 2000 Sondierungsbohrungen notwendig, um Überraschungen mit Weltkriegsbomben zu vermeiden.
900 Liter pro Minute
Bevor die Fräsmaschine sich zu Demonstrationszwecken in den Boden bohrt, erklärt Josef Oswald von der beauftragten Firma „Sidla und Schönberger“ das Fräs-Misch-Injektions-Verfahren, das hier zum Einsatz kommt. Auf einer Breite von sechs Metern und einer Tiefe von zehn Metern wird gearbeitet.
Die Aufgabe der Fräsmaschine ist es, grob gesagt, das Erdreich zu stabilisieren. Hohlräume werden geschlossen, indem die Maschine eine Mischung aus Wasser und Zement in den Boden pumpt und mit der Erde vermischt. Oswald spricht von 900 Litern pro Minute und einer täglichen Arbeitsleistung von bis zu 200 Metern pro Maschine – insgesamt sind zwei Maschinen im Einsatz. Die Fräsmaschine arbeitet mit einer „Schwertlänge“ von zehn Metern. 110.000 Kubikmeter Erdmasse kommt bei dem Projekt insgesamt in Bewegung, verdeutlicht Schmidt die Dimensionen.
Ziel ist, dass im Kern des Dammes ein Erdbeton entsteht, der dem Damm die nötige Stabilität gibt. Dann muss die Deutsche Bahn den Bahndamm wieder herstellen und die Gleise verlegen, die derzeit in Wachenheim und Deidesheim zwischengelagert werden.
Sieben Tage in der Woche sei die Maschine im Einsatz, erklärt Oswald. Baufirma und Deutsche Bahn wollen wie geplant im Dezember fertig sein. Die beiden Experten sind optimistisch, dass der Dachs danach nie wieder Schaden auf der Strecke anrichten wird.
Ob das Tier gerade noch am Bahndamm heimisch ist, lasse sich auch an der Böschung nicht gut erkennen, denn diese sei seit dem Frühjahr wieder zugewachsen, betont Schmidt. Dass der Dachs wiederkommt, sei ohnehin nicht ausgeschlossen, aber auch nicht schlimm. Denn an den Dammkern könne er nicht mehr vordringen. Um da durchzukommen, brauche es mehr als scharfe Krallen. Dafür wäre schon schweres Gerät notwendig. Und das sei, da sorgt Oswald für einen kleinen Lacher, für einen „normalen Dachs“ nicht machbar.