Bad Dürkheim Der „Nicht-Verein“

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„Zu unserem zehnjährigen Bestehen im Frühjahr haben wir uns überlegt, ob wir einen Verein aus unserem Lauftreff machen wollen“, erklärt Gründungsmitglied Gabi Gründling. „Es wurde drüber abgestimmt und abgelehnt. Die Leute wollen das einfach nicht.“ Die Laufsportfreunde sehen im Vereinsstatus auch keine Vorteile: „Das bringt nur Aufwand.“ Angedacht wurde die „Umwandlung“ trotzdem. Gründling: „Wir dachten, wir bieten es einfach mal an.“ Denn es komme vor, dass Leute anrufen, sich alles erklären lassen und dann nach den Kosten fragen. Nach der Antwort: „Es kostet nichts, wir sind ja kein Verein“ seien die Leute nicht mehr interessiert und tauchten bei den einschlägigen Clubs auf. An der Versicherung über den Sportbund könne das kaum liegen, glaubt die Weisenheimerin: „Die greift ja auch nur beim Training. Und in den zehn Jahren ist es erst ein einziges Mal vorgekommen, dass sich ein Läufer eine Bänderdehnung zugezogen hat. Obwohl wir auch viel Trail laufen.“ Sie fasst zusammen: „Wer unbedingt einen Verein will, diese Strukturen braucht, ist bei uns falsch.“ Zehn Jahre jung ist der LT, wurde im Frühjahr 2007 gegründet. Gabi und Peter Gründling sowie Katja Peper sind die „Urbesetzung“. Gabi Gründling: „Wir sind eh immer zusammen gelaufen, haben uns eines Tages gesagt , so, jetzt machen wir einen Lauftreff, machen feste Termine, schreiben das ins Amtsblatt’. Ab Spätsommer, so im August wurden wir mehr.“ Ein Phänomen beschreibt Gründling: „Wir haben in Weisenheim ja viele Leute gesehen, die am Laufen sind, denen wollten wir ein Angebot machen, zusammen mit uns zu laufen. Es hat sich aber herausgestellt, dass die, die dort laufen, alles Individualisten sind.“ Und so kommen die wenigsten Leute vom LT aus Weisenheim am Berg selbst. Die Lauffreunde kommen etwa aus Dannstadt-Schauernheim, Frankenthal, Bobenheim am Berg („die kommen zum Teil zu unseren Treffs ’rübergelaufen“), Kleinkarlbach, Wattenheim, Bad Dürkheim, Freinsheim oder Dackenheim. „Die kommen zu uns, weil sie bei uns Höhenmeter laufen können und weil bei uns viel Trail gelaufen wird.“ Die „flachste“ Runde ist im Winter die sogenannte Golfplatzrunde im Dunkeln. Die geht über rund zehn Kilometer und beinhaltet 120 Höhenmeter. Die häufig gelaufene „Waldrunde“ beträgt ebenfalls rund zehn Kilometer, doch sind dabei 200 Höhenmeter zu absolvieren. Unter der Woche, dienstags und donnerstags um 18.30 Uhr ab dem Parkplatz vor der Integrierten Gesamtschule legen die LT’ler diese zehn Kilometer zurück. Gründling: „Meistens nach der Arbeit.“ Sonntags wird länger Sport getrieben. Zum Beispiel geht es mit der Bahn nach Neustadt und dann per pedes zurück, rund 18 Kilometer. Auch der Quellenweg über 15 Kilometer entlang der sieben höchstgelegenen Quellen der Vorderpfalz oder der Leininger Klosterweg über 15 Kilometer standen und stehen an. Die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. „Sonntags treffen wir uns manchmal auch woanders, etwa in Großkarlbach.“ Dann fahren die Gründlings mit dem Wohnmobil dahin, nach dem Lauf können sich alle darin ein bisschen frisch machen und alle gehen frühstücken. Da der Lauftreff kein Verein ist, gibt es auch keine feste Mitgliederzahl. Gabi Gründling: „Wir sind so um die 20 Leute. Beim Laufen sind es meistens so 13, 14 Leute, eine schöne Gruppe.“ Wer laufen will, kommt einfach. Und abhängig von der Jahreszeit ist die Gruppenstärke auch nicht, wie die LT-„Chefin“ unterstreicht: „Vor zwei Wochen etwa, es war dunkel, kalt, ekliges Wetter, da waren 14 Leute da.“ Ansporn sei die Gruppe, die wartet. „Das geht uns oft auch so. Wenn das Wetter richtig schlecht ist und man eigentlich gar keine Lust hat, da kommen die Gedanken: Die anderen sind doch aber da. Es kommt oft vor, dass man sich sagt: Wenn niemand da ist, gehen wir wieder heim. Aber es ist immer jemand da.“ Die Läuferschar ist bunt gemischt. Die Jüngste ist Anna Bruns mit 17 Jahren, der Älteste zählt 71 Lenze. Nach Gründlings Schätzung sind die meisten Läuferinnen und Läufer beim LT zwischen 45 und 60 Jahre alt. Vertreten sind alle möglichen Berufe. „Bei uns ist es schön“, wirbt Gabi Gründling für ihren LT. „Es ist locker, wir haben schöne Laufstrecken, laufen Trails und haben richtig Spaß.“ Stammtische brauchen sie nicht: „Wir haben Spaß im Wald.“ Auch beim Alkoholverdunstungsläufchen am frühen Neujahrs-Nachmittag. Der LT ist nichts für blutige Anfänger, eine Stunde sollte durchhalten können, wer mitmischen will. „Eine Stunde laufen heißt aber nicht, eine Stunde schnell zu laufen“, betont Gabi Gründling. Es gebe meist auch mindestens zwei Gruppen, eine schnellere und eine langsame. Bei Interesse und mehreren Leuten werde auch eine Anfängergruppe gebildet, die dann an einem eigenen Termin laufen würde: „Sonst komme ich nicht mehr zum trainieren.“ Die LT’ler nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil. „Statistikfreak“ Klaus Harnisch, genannt „Graf Zahl“, hat nachgerechnet: „September 2007 bis September 2016: 30760 Wettkampf-Kilometer in 1243 Wettkämpfen, bewältigt von 51 Läuferinnen und Läufern, auch LT-Gästen.“ Spitzenreiterin bei den Damen ist „Marathonfrau“ Annette Bruns, seit Februar 2013 beim LT, die 5244 Kilometer in 136 Läufen abgespult hat. Unbestrittener Lauf-König ist aber Peter Gründling: Er blickt auf 40 Jahre Marathonerfahrung zurück und hat vor ein paar Jahren auch ein Zertifikat als Coach erworben. Er liebt Lang- und Ultralangstreckenläufe. Für den LTWaB hat Gründling 8249 Kilometer in 257 Läufen bewältigt. Ihr zehnjähriges Bestehen wollen die LT’ler ein bisschen feiern, sportlich und gesellig. Vielleicht am Ungeheuersee, wo die Läufer praktisch immer vorbeikommen, die Planungen laufen. Wer beim LT mitmachen will, ist immer willkommen. Ein bisschen Werbung können die Lauffreunde auch beim Heimatfest-Umzug in ihrer Gemeinde betreiben, wo sie seit zwei Jahren mit einer Fußgruppe unterwegs sind. Gabi Gründling. „Das macht großen Spaß.“ Und Spaß wird beim LT groß geschrieben. INFO www.lt-wab.de

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