Bad Dürkheim Der fliegenden Scheibe verfallen

Das Geschenk, das er bei seiner ersten Turnierteilnahme mit nach Hause nehmen durfte, hat er immer noch: „Das waren ein paar Socken“, erzählt der 33-Jährige mit einem Lächeln. Diese erinnern Vogel nun an die Deutschen Hochschulmeisterschaften in Stuttgart im Jahr 2003. Seitdem hat der Dürkheimer, der bei der BASF im Außendienst tätig ist, nicht nur etliche weitere Geschenke gesammelt, sondern sich in der außergewöhnlichen Sportart soweit etabliert, dass er nun als Teil der Open Masters Nationalmannschaft mit zur Weltmeisterschaft im Beach Ultimate nach Dubai darf. Dort wird er in der Kategorie Herren Jahrgang 1982 und älter mit seinen Teamkollegen um den Titel kämpfen. Dass ihn einmal nicht nur sein Beruf quer durch Europa führen wird, sondern auch der Sport ihm die Möglichkeit bietet, die Welt zu sehen, hatte Vogel zu Beginn seines Studiums in Kaiserslautern nicht gedacht. Zur Frisbeescheibe ist er eher zufällig gekommen. Um sich von einem vorlesungsintensiven Tag an der Uni, wo er das Fach Wirtschaftsingenieurwesen belegt hatte, zu erholen, joggte er eines abends zum Hochschulsport, „um zu sehen, was an diesem Tag so angeboten wird“, sagt er. Gedacht, getan und schon wenige Minuten später stand er mit einer Frisbee in der Hand auf dem Feld. „Damals haben das viele Studenten gespielt. Man hat mir die Regeln erklärt, und ich habe sofort mitgemacht. Das hat mir so gut gefallen, dass ich bei dem Sport hängengeblieben bin“, meint Vogel. Ihm sei schon klar gewesen, dass viele bei dem Wort Frisbee eher an eine Freizeitbeschäftigung denken und das weniger als Sport betrachten werden. „Das ist aber gerade für Anfänger extrem anstrengend, denn mit dem einfach mal so Hin- und Herwerfen im Park hat Ultimate Frisbee wenig zu tun“, erklärt der Dürkheimer. In dem Mannschaftssport sind Schnelligkeit, Ausdauer und Taktik gefragt. „Man braucht schon eine gute Kondition“, sagt Vogel, der mindestens fünfmal in der Woche Sport macht. Zusätzlich zu seinen Trainingseinheiten bei den Heidees, die zweimal wöchentlich stattfinden, hält er sich mit Joggen und Schwimmen fit. Bei den Heidees, die Ultimate-Mannschaft des Turnvereins Eppelheim, spielt Vogel in der zweiten Mannschaft. Zu den Heidelberger Sportlern kam er, nachdem sich seine Mannheimer Mannschaft, die er teilweise auch selbst gecoacht hat, immer mehr aufgelöst hat. „Viele wollten auch nur freizeitmäßig spielen, bei mir steht allerdings der leistungsorientierte Sport im Vordergrund. Ich wollte an Wettkämpfen teilnehmen und daher bin ich zu den Heidees, das sind alles Profis“, begründet Vogel seine Entscheidung, zweimal in der Woche den Weg zum Training in Heidelberg auf sich zu nehmen. „Das nimmt man in Kauf, wenn man seinen Sport gerne macht.“ Ebenso nimmt er die Tatsache hin, dass er für seinen Sport auch einiges an Geld locker machen muss. Weniger für die passende Kleidung als vielmehr für die Reisen zu den Wettkämpfen, die in der ganzen Welt stattfinden. Bisher war er nur innerhalb Europas unterwegs, morgen wird sich das aber ändern. Denn dann steigt er in den Flieger nach Dubai, wo vom 8. bis 14. März die besten Teams der Welt in verschiedenen Kategorien um den Weltmeistertitel kämpfen werden. „Das kostet mich schon eine Menge Geld, da wir keine Sponsoren haben, die uns unterstützen“, sagt Vogel und ergänzt: „Ich freue mich schon auf den Austausch mit Spielern aus der ganzen Welt.“ Bei verschiedenen Auswahlturnieren hat er sich für die Nationalmannschaft qualifiziert. Ende Februar fand in Berlin das letzte Trainingslager statt, für das extra eine ganze Halle gemietet wurde. Auch diese Kosten werden auf die Mitspieler umgelegt. Trotz der ganzen Ausgaben möchte Vogel seinen Sport nicht mehr missen: „Das macht einfach Spaß.“ Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die runde Scheibe selbst im Urlaub immer dabei ist, denn „die passt ja zum Glück in jede Tasche“, meint Vogel. Für Urlaub hat er allerdings erst einmal keine Zeit, denn das nächste Großereignis wirft schon seinen Schatten voraus: die Europameisterschaft in Kopenhagen. „Die Auswahlspiele für die EM starten direkt nach der WM“, sagt der Dürkheimer, der sich natürlich auch dafür einen Platz in der Nationalmannschaft sichern möchte.