Bad Dürkheim
Das Hospiz gibt Einblicke in seine Arbeit
„Es ist schön hier.“ Die sechs Frauen, die von Ulrike Grüner, Leiterin der Einrichtung der Diakonissen Speyer, durch das Hospiz geführt wurden, waren sich einig. Als das Hospiz vor fünf Jahren eingerichtet wurde, seien die Räume modern, aber etwas steril gewesen, so Grüner. Der Keller des Mutterhauses der Diakonissen in Speyer sei voll mit Ausstattungsgegenständen, die die Frauen früher als Mitgift mitgebracht haben, wenn sie in den Orden eintraten. Von dort habe sie einige Möbel und etwas Geschirr geholt, sodass die Räume nun wohnlicher wirken.
„Jetzt ist an der Seite alles schön mit Pflanzen zugewachsen, bei der Eröffnung war es noch offen“, sagte eine ältere Frau aus Wachenheim, die bereits bei der Eröffnung war. Damals hatte ihre Freundin jedoch keine Zeit, weshalb sie jetzt noch einmal mit ihr hergekommen sei. Das Hospiz interessiere sie sehr, sagten die beiden Frauen, von denen eine ihren kranken Mann pflegt. Derzeit könne sie die Pflege noch übernehmen, doch sie wisse nicht, was die Zukunft bringt.
Besucher überwinden „Schwellenangst“
Sie habe einen „langen Anlauf“ gebraucht, um sich das Hospiz anzuschauen, sagte eine Dürkheimerin. Sie habe „Schwellenangst“ gehabt, denn sie wolle „nicht den Anschein einer Voyeurin erwecken“. Vor kurzem habe sie eine Freundin in einem Hospiz im Saarland besucht und sich nun entschlossen, sich das Dürkheimer Hospiz anzuschauen. „Ein Hospiz ist etwas Trauriges, aber es ist sehr schön hier“, sagt die Dürkheimerin. „Ich wohne hier in der Nähe, ich finde, das ist eine tolle Sache“, erklärte eine andere Besucherin.
Grüner berichtete, dass die Zimmer der Gäste, wie die Bewohner des Hospizes genannt werden, bereits eingerichtet sind, aber jeder könne eigene Möbel, Bilder oder andere Dinge, die ihm wichtig sind, mitbringen. „Man interessiert sich dafür, wo man vielleicht einmal landet. Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so schön ist und man sich hier wohlfühlen könnte“, sagte eine ältere Frau. Jasmin Langlotz aus Maxdorf ist jünger als die meisten Besucherinnen. „Meine Mama ist Palliativ-Fachkraft und ich interessiere mich auch dafür“, sagte sie.
Musiktherapie für die Gäste
Vanessa Schlegel wartete in einem Raum mit mehreren Musikinstrumenten auf Besucher. Mit diesen kommt Schlegel, die Musiktherapie studiert hat, einmal pro Woche ins Hospiz. „Es sind alles Instrumente, die man leicht spielen kann, manchmal spiele ich mit den Gästen, manchmal spiele ich ihnen etwas vor“, berichtete sie. Am Stand von Yvonne Stocker und Edda Steuerwald duftete es: Die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Hospizes sind Spezialistinnen für Aromatherapie und wissen, welche Wirkung ätherische Öle haben und wie sie am besten genutzt werden. Es seien viele Besucher da gewesen, die Fragen hatten, sagten die beiden.
„Ich habe die Sorgenwürmchen ins Spiel gebracht“, informierte Heike Göbel. Sie ist eine der Ehrenamtlichen, die sich im Hospiz engagieren und sie hatte die Idee, Sorgenwürmchen zu häkeln. Die farbigen Würmchen hat sie in Dürkheimer Geschäften verteilt, wo sie auch zu kaufen sind. Gespräche mit Gästen, Frühstück richten, bei der Zubereitung des Mittagessens helfen, nennt Göbel einige Tätigkeiten, die sie im Hospiz übernimmt.
Ingrid Braun, die ebenfalls als Ehrenamtliche tätig ist, berichtete, dass sie alles mache, was zu tun ist: „Von der Sterbebegleitung bis zum Ausräumen der Spülmaschine.“ Ehrenamtlerin Marion Kling engagiere sich schon immer ehrenamtlich: „Und der Hospizgedanke ist ganz wichtig, denn in der heutigen Zeit sterben viele Menschen einsam.“
Bundestagsabgeordneter Johannes Steiniger (CDU), der Vorsitzende des Omega Freundes- und Förderkreises, freute sich über die Resonanz: „Es waren schon ziemlich viele Leute da.“ Der Förderkreis sei vielen Dürkheimern bekannt, doch die meisten wüssten nicht, „was wir alles machen“. Steiniger informierte unter anderem darüber, dass Omega jährlich 16.000 Euro dafür spendet, dass im Hospiz selbst gekochtes Mittagessen und kein Essen vom Caterer serviert werden kann. Nicht ganz zufrieden waren die Dürkheimer Landfrauen, die dem Hospiz jährlich eine Spende zukommen lassen: „Wir haben mit mehr Besuchern gerechnet und deshalb noch viel Kuchen übrig.“