Bad Dürkheim Das Diktat der Kalorien

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Wie radikal das Perfekte zum Feind werden kann, zeigt das Stück „Die perfekte Leere“, das am Dienstag in der Realschule plus in Weisenheim am Berg zu sehen war. Zwei Darstellerinnen vom „Weimarer Kultur-Express“ spielten vor 150 Schülern eine Geschichte um Magersucht.

Die 2000 gegründete Theatergruppe präsentiert im Tournee-Betrieb sozial engagiertes Jugendtheater. Auf altersgerechte Weise werden aktuelle Probleme junger Menschen aufgegriffen. Dass hier ausgebildete Schauspieler agieren, zeigte die Darbietung in Weisenheim mit der 25-jährigen Nancy Dölves und der 26-jährigen Daria Gabriel. Von Anfang an gelingt es den beiden, das jugendliche Publikum anzusprechen. Immerhin waren Schüler aus insgesamt neun Klassen der siebten bis zehnten Jahrgangsstufe in die Turnhalle gekommen. Das von Patric Tavanti geschriebene Stück baut unter Regie von Katrin Heinke auf die gegensätzlichen Charaktere zweier Freundinnen. Als verliebte Bella sieht man die lebhafte Daria Gabriel, die einer Castingshow entgegenfiebert und mitten im Leben steht. Dem Diktat der Kalorien unterworfen ist von Anfang an ihre Freundin Stella, deren zarte Zerbrechlichkeit Nancy Dölves gelungen wiedergibt. Konsequent kaschiert sie ihre innere Verletztheit mit Härte gegen sich selbst und andere. Die Bandbreite von Gefühlen zwischen Enttäuschung, Selbstzweifeln, Freude und Zorn bringen die jungen Schauspielerinnen überzeugend auf die Bühne. „Meine Seele hat Hunger“, ist ein markanter Satz, aus dem viel von ihren Zwiespälten herauszulesen ist. Berechtigte Kritik an der modernen Nahrungsmittelproduktion, deren widerliche Zustände zur Sprache kommen, mündet im ungünstigen Fall in selbstschädigende Verweigerung. „Schön langsam entwickeln“, wie es auf der Bühne heißt, wäre da der bessere Weg. Allemal gelingt es dem Duo beeindruckend, die unterschiedlichen Wege beider Frauen zu schildern. Während Stella immer mehr in die Sackgasse von absoluter Kontrolle und Selbstzerstörung schlittert, wehrt sich Bella gerade noch rechtzeitig gegen das Diktat. Berührend wirkt die Abschlussszene, in der es still in der Turnhalle wird: Während Bella entschlossen ist, ihren Problemen entgegenzutreten, hat ihre Freundin die Krankheit nicht überlebt. „Ich will leben, Stella“, verabschiedet sich Bella, „ich will Schmerz ertragen“. Wie ernst es den Schauspielerinnen um die Thematik ist, zeigte auch das anschließende Gespräch mit den Schülern.

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