Bad Dürkheim Dank Inklusionsprojekt „Schwer-begabt“ in den Beruf

Christopher Barbosa (links) hofft, über das Projekt „Schwer-begabt“ einen Bürojob zu finden. Markus Landua vom Verein zur Beratu
Christopher Barbosa (links) hofft, über das Projekt »Schwer-begabt« einen Bürojob zu finden. Markus Landua vom Verein zur Beratung, Förderung und Bildung arbeitsloser Jugendlicher und Erwachsener (BFB) in Asselheim will ihm dabei helfen.

Um Schwerbehinderten in die Erwerbstätigkeit zu verhelfen, läuft seit September 2015 im Bezirk der Arbeitsagentur Landau das Projekt „Schwer-begabt“.

Der junge Mann ist auf den Rollstuhl angewiesen. „Aufgrund einer Zerebralparese, einer frühkindlichen Hirnschädigung, leidet mein Sohn unter Spastiken“, erläutert Gabriele Barbosa. Nach dem Besuch einer Integrativen Kindertagesstätte in den USA habe er eine amerikanische Schule in Heidelberg mit einem persönlichen Assistenten an seiner Seite besucht. Der 24-Jährige, der auch beim Anziehen und beim Toilettengang Hilfe braucht, absolvierte die Mittlere Reife und eine zweijährige Ausbildung zum Büropraktiker. Doch obwohl der Dackenheimer diese im April 2015 mit zwei Auszeichnungen bestanden hat, ist er seither ohne Job. Seit einem Jahr nimmt er am Programm „Schwer-begabt“ teil. Thorsten Stenger, bei der Agentur für Arbeit in Landau für die berufliche Rehabilitation zuständig, erläutert: „Unsere Hauptaufgabe besteht darin, bei den Unternehmern Ängste und Vorurteile abzubauen, sie zu informieren und ihnen klar zu machen, dass dieser oder jener Schwerbehinderte für ihr Team ein Gewinn wäre.“ Dabei werde die Agentur von drei Trägern in der Vorderpfalz unterstützt: vom Verein zur Beratung, Förderung und Bildung arbeitsloser Jugendlicher und Erwachsener (BFB) in Asselheim, vom Arbeitskreis für Aus- und Weiterbildung (AAW) in Landau und vom Germersheimer Verein zur Förderung der beruflichen Bildung (VFBB). Das Inklusionsprojekt stehe allen Kunden mit Handicap und langfristigen Erkrankungen offen, vom Diabetiker über den Krebspatienten bis zum Gelähmten im Rollstuhl. Im Bereich der Arbeitsagentur sind gegenwärtig 720 Schwerbehinderte erwerbslos, 200 davon im Landkreis Bad Dürkheim. „Meist mehr als sechs Monate, vielfach auch über Jahre“, so Stenger. Durch intensive Betreuung werde versucht, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Einer Einstellung dieser Personen stehe oft der Produktivitätsdruck und die Überzeugung entgegen, dass Schwerbehinderte nicht so leistungsfähig und häufiger krank seien. Auch bekämen sie mehr Urlaub und vor ihrer Kündigung aus einer unbefristeten Beschäftigung müsse das Integrationsamt um Erlaubnis gefragt werden, berichtet Stenger. „Letzteres gilt aber nicht während der Probezeit“, relativiert er. Und auch nach deren Ablauf bejahe das Integrationsamt zwischen 75 und 90 Prozent der Freistellungen, wenn der Betroffene nicht anderweitig im Betrieb eingesetzt werden kann. Abschreckend sei für viele Arbeitgeber auch der Dschungel an Zuständigkeiten, vom Jobcenter über die Krankenkasse bis zur Rentenversicherung, und die Vielzahl an rechtlichen Regelungen, weiß Thomas Pfisterer, Vorsitzender des BFB mit seinen sieben Zweigstellen. Markus Landua vom BFB betont: „Der Unternehmer hat Vorteile, wenn er mit uns zusammenarbeitet, und die Unterstützungsleistungen sind für ihn kostenlos.“ So habe er beispielsweise Hilfe bei der Einrichtung des speziellen Arbeitsplatzes. „Wir haben technische Berater und finanzieren die Umgestaltung“, sagt Stenger, egal, ob es um den Bau einer Rampe oder die Verbreiterung von Türen gehe. Da ein Betrieb wirtschaftlich arbeiten müsse, helfe Mitleid nicht weiter, meint Landua. Niemand stelle jemanden ein, nur weil er eine gute Tat tun will, bekräftigt Pfisterer. „Deshalb betonen wir die Stärken unserer Kunden.“ Christopher Barbosa beispielsweise könne gut Englisch und habe ein sehr positives Wesen. Auch spiele die Sympathie eine große Rolle. Wichtig sei es, dass die Belegschaft der Firma mitgenommen werde. „Häufig wird befürchtet, dass die Arbeit des Behinderten miterledigt werden müsse“, so Landua. Der Schwerbehinderte werde auch während der Eingewöhnungszeit im Betrieb professionell begleitet. Die intensive individuelle Betreuung, gepaart mit einem großen Netzwerk aus Institutionen mit Hilfsangeboten ist nach Überzeugung von Thorsten Stenger der einzige Weg, Menschen mit Handicap in Lohn und Brot zu bringen. Ob das Projekt 2018 fortgeführt wird, ist allerdings ungewiss.

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