Gönnheim
Comic-Salon beim WinestreetArtfestival
Die Wein-und Kulturtage in Gönnheim setzen neben dem erfolgreichen WinestreetArtfestival einen weiteren Höhepunkt: den ersten Pfälzer Comicsalon. Als Burkhard Laudenbach vom Gönnheimer Heimat- und Kulturverein auf die Idee kam, ein Comicfestival ins siebente Winestreetartfestival zu integrieren, konnte er die große und positive Resonanz nicht ahnen.
Der Deutsch Französische Bürgerfond, der deutsch-Französische Freundeskreis-Wachenheim- Cuisery sowie weitere Sponsoren unterstützen sofort. Namhafte Verlage meldeten sich samt Autoren für die Ausstellung in der Turnhalle. Frank Cmuchal, Maler diverser Murals in Gönnheim, gestaltete das Bookletcover.
Die gut vernetzte Comicfangemeinde schien nur auf den Startschuss zu warten, schließlich gab es bisher in der Pfalz kein einziges Comicfestival, trotz der Nähe zum „Comicland“ Frankreich. Die Presse steht Schlange vor der Tür: „Huch, schon wieder ein Interview“, sagt Lauderbach stolz und fassungslos.
Dinosaurier im Comic
Das Programm (www.pfaelzer-comic-salon.de) kann sich sehen lassen: Unter anderem ein wissenschaftlicher Vortrag von Ulrich Karl vom Förderverein Römischer Vicus Eisenberg über den historischen Gehalt in den Asterix Zeichnungen, ein Werkstattgespräch mit Ulf K, Autor und Zeichner von „Neue Vater und Sohn Geschichten“, eine Comiclesung mit Christoph Dittert, einem der Autoren der Drei Fragezeichen sowie ein Vortrag über Dinosaurier im Comic. Hier reichen die Darstellungen im Comic von reiner Fantasie bis zu exakten wissenschaftlichen Zeichnungen und prägen mit unser Bild der Saurier.
Peter und Gaby Kronhagel zeigen Teile ihrer Sammlung in der Ausstellung „Comic Raritäten aus den 50er-Jahren“. Peter Kronhagel erzählt über die Zeit, als Comics noch indiziert wurden oder Messer, überlange Zähne in Deutschland wegretuschiert werden mussten.
Lieblingsfiguren als Widmung
Eigens für den Comicsalon wurde ein gebundenes Comic-Salon-Journal für Sammler erstellt, mit kurzen Geschichten zum Motto „westwärts“. In dieses Buch lassen Comicfans die anwesenden Autoren ihre Lieblingsfiguren als Widmung zeichnen. Solche Widmungszeichnungen sind üblich, manche Fans bringen dazu ein extra Sketchbook mit, eine Art leerer „Poesiealbum“.
Die meisten Besucher sind allerdings noch keine Comic-Fans, kamen allenfalls wegen der Cartoons von Steffen Boiselle und Holger Faber. „Ich wusste gar nicht, dass es so viele Comicarten gibt, und sogar Literaturadaptionen“, sagt eine Besucherin – und selbst die Dame am Büchertisch der Buchhandlung Frank gibt zu, keine Comics im Ladengeschäft vorrätig zu haben. Umso besser für die Autoren und Verlage – sie können so neue Kunden gewinnen. Denn inzwischen hat sich der Comic gemausert und widmet sich auch ernsten Themen.
Ernste Graphic Novel
Wolfgang Widder zum Beispiel recherchierte in seinem Heimatort Walldorf die Geschichte von Gerda und Kurt: Gerda, Überlebende des Holocaust und eines Todesmarsches, trifft auf einen jüdischen, aus Deutschland migrierten US-Soldaten. Er rettet sie, sie heiraten. Raissa Chikh beschreibt die Adaption in eine Graphic Novel und beantwortet Fragen wie: Wie stellt man diese Zeit in Bildern dar, mit möglichst wenig Sprechblasen, wie stellt man Zeitverläufe graphisch dar, wie skizziert man erkennbar die realen Gebäude einer realen Stadt, wie motiviert man zum Lesen, wie deutet man das Unfassbare an, ohne explizit Gewalt zu zeigen- und klärt so auf.
Comic kann mehr als Fix und Foxi oder Micky Maus. Lauderbach überlegt, außerhalb des Comicfestivals Widder nochmal zu einer Präsentation dieser Geschichte einzuladen. Sein Blick auf das Genre ist nun anders.