Wachenheim
Burg- und Weinfest: Metzger kritisiert Festplanung
Dass die Festmeile bis vor sein Geschäft reichen und die Burgstraße für den Verkehr gesperrt soll, hat der Wachenheimer Metzger Hans-Erwin Bergold nach eigenen Angaben erst zwei Wochen vor Festbeginn erfahren – auf Nachfrage bei der Touristik. Geplant waren demnach auch Poller direkt vor seiner Pferdemetzgerei. „Ich wurde nicht einmal gefragt, ob ich damit einverstanden bin“, sagt er. Auf seinen Protest hin habe die Stadt zumindest die Poller versetzt. „Denn ich muss rund um die Uhr an meinen Kühlraum gelangen können“, erklärt er.
Bergold vermisst Vorab-Informationen seitens der Stadt. Früher habe die Verwaltung Anfang des Jahres im Amtsblatt zu einem Treffen im Ratssaal eingeladen, zu dem jeder kommen konnte, der sich am Fest beteiligen wollte – Gewerbetreibende und Privatleute. „Da haben wir dann Ideen gesammelt und entwickelt und die Planung Stück für Stück erarbeitet“, sagt er. Hätten das benachbarte Gästehaus und er früher Bescheid gewusst, „hätten die einen Ausschank gemacht und ich Essen verkauft“. Genau solche Zusammenarbeiten habe das einstige Treffen ermöglicht, doch nun sei nichts daraus geworden. „Und mir braucht keiner zu erzählen, dass er nichts von unserer Metzgerei wusste. Die gibt es schon seit 1928, das ist bekannt. Wenn es um Steuern und Gebühren geht, hat die Stadt meine Adresse ja auch.“
Es gibt für Bergold noch andere Ärgernisse. „Ich hätte gerne mit einem Verkaufsstand vor meinem Geschäft beim Fest mitgemacht“, wiederholt er. Doch wegen der Standgebühr von 440 Euro für die beiden Festwochenenden habe er davon abgesehen. Zumal er bereits Gewerbesteuer und den Fremdenverkehrsbeitrag zahle und die Teilnahme beim Kräutermarkt vor einigen Woche nur 20 Euro gekostet habe. Dabei war der Metzger mit einem drei mal drei Meter großen Pavillon vertreten.
Weiterer Kritikpunkt: Statt Wachenheimer Betriebe einzubinden und zu unterstützen, hole Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) anscheinend lieber auswärtige Konkurrenten in die Stadt. „Die beeinträchtigen dann unser Geschäft und tragen anschließend die Gewerbesteuer auch noch aus Wachenheim heraus“, bemängelt Bergold. „Das ist eine Schweinerei!“ Auf die weist er jetzt mit einem Aushang hin. „Darauf teile ich den Leuten mit, dass sie hier eigentlich eine Bratwurst für drei Euro bekommen hätten, das aber angesichts der verlangten Standgebühr nicht möglich war“, erklärt er.
Rathauschef weist Vorwürfe zurück
„Die Stadt hat ein großes Interesse an einem erfolgreichen Weinfest, an dem sich möglichst viele Wachenheimer Vereine und Betriebe beteiligen“, erklärt Bürgermeister Bechtel auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen erschwerten die Organisation jedoch zunehmend in außerordentlicher Weise. Die Mitarbeitenden der Tourist-Info sowie die Vertreter der Stadt stehen ihm zufolge in regelmäßigem Kontakt mit den örtlichen Betrieben und Vereinen, die sich seit Jahren am Weinfest beteiligen und sprechen Vereine, Betriebe und Institutionen an, die potenziell teilnehmen könnten. Für jedes Weinfest findet eine Vor- und eine Nachbesprechung statt. Dieses Jahr habe es nur eine gegeben, da das letztjährige Weinfest aufgrund der Weinstraßensperrung im Juni erst im September stattfand. Darüber hinaus habe der zuständige Ausschuss in öffentlicher Sitzung über die Konzeption für dieses Jahr beraten und auch Beschlüsse bezüglich der Standgebühren gefasst. In der Burgstraße habe sich an der reinen Ausdehnung lediglich geändert, dass das Weingut Peter seinen Hof öffnet.
„Es freut mich sehr, dass sich viele Wachenheimer Vereine, Gastronomen und Betriebe beteiligen. Das führt zu einer noch größeren Akzeptanz des Weinfestes“, sagt Bechtel. Auch die Pferdemetzgerei Bergold habe teilnehmen können, was „mich persönlich ebenfalls sehr gefreut hätte“. Nach ausführlichen Gesprächen mit einer TI-Mitarbeiterin habe sich Bergold jedoch wegen einer vermeintlich zu hohen Standgebühr dagegen entschieden. „Objektiv gesehen haben wir, was vergleichbare Feste in der Umgebung angeht, wohl mit die günstigsten Gebühren, die darüber hinaus vor 2023 lange nicht erhöht wurden“, erklärt der Rathauschef.
Das Weinfest müsse allerdings zahlreiche gesetzliche Bedingungen und Auflagen erfüllen. „Die Kosten für Sicherheitskonzept, Sicherheitsdienst, Zusatzzüge, Sanitätsdienste, Absperrungen, Werbung etc. sind erheblich und werden nicht komplett weitergegeben“, hebt Bechtel hervor. Es sei zu erwarten, dass sich die Standgebühren in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Das habe landespolitische Ursachen. Vor diesem Hintergrund seien Bergolds Entscheidung und jetzige Beschwerde unverständlich. Zumal der vom Heimatverein veranstaltete Kräutermarkt in keiner Weise mit dem Weinfest vergleichbar sei. Die sonstigen Vorwürfe und Unterstellungen seien absurd und entbehrten jeglicher Grundlage. „Gerne bin ich aber bereit, mit Herrn Bergold über den Sachverhalt und die Zukunft zu reden. Meine Tür steht für alle Vereine, Betriebe und Institutionen immer offen“, bekräftigt er. Für das nächste Weinfest solle es ein Weinfestkomitee geben. Bergold sei die Teilnahme bereits angeboten worden.