Wachenheim
Burg- und Weinfest: In Zukunft nur noch an einem Wochenende?
„Ich habe viele Wachenheimer und viele Gäste gesehen, die sich angeregt unterhalten, gut gegessen und getrunken haben“, sagt Wachenheims Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU). Die Vereine seien ebenfalls zufrieden und die Jubiläumsgläser zum 50-jährigen Bestehen des Weinfests beliebt gewesen. „Mit der Richtung waren wir zufrieden, das heißt nicht, dass wir es nicht weiter verbessern können.“
Nicht ganz so zufrieden mit dem Ablauf waren einige Anwohner. Beate Hoffmann sagt, sie und ihre Nachbarn in der Burgstraße seien in diesem Jahr „extrem betroffen“ gewesen. Damit meint sie zum einen die Lärmbelästigung. Der große Kritikpunkt der Anwohner ist aber die Kommunikation mit der Stadt. Sie hätten sehr kurzfristig ein Schreiben erhalten, wann sie während des Fests ihre Anwesen trotz der Straßensperrungen erreichen können. Für sie und ihre Nachbarn zu kurzfristig: „Eine Nachbarin hatte eine Party mit Food Truck organisiert, das ging dann nicht“, sagt Hoffmann. Einige seien in Sorge gewesen, im Notfall nicht zum Arzt fahren zu können. Andere seien wegen aus Sicherheitsgründen aufgestellter Wasserpoller in ihrer Zufahrt eingeschränkt gewesen. „Wir rütteln nicht am Weinfest“, stellt sie klar. „Wir mögen das Weinfest und wollen, dass es stattfindet.“ Aber durch die Änderung des Konzepts, eine Konzentration der Feierlichkeiten zwischen Kirche und Weingut Peter, seien sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
Angebot: Anwohner dürfen ins Festkomitee
Bechtel habe den etwa zehn Anwohnern in einem Gespräch nun versprochen, sie ins Festkomitee aufzunehmen: „Das fanden wir gut.“ Der Schutz ihrer Anwesen, ein Ausweichparkplatz und bessere Kommunikation stehen oben auf der Wunschliste der Anwohner.
Ein Vorschlag des Bürgermeisters und des Beigeordneten Manfred Bühler (FDP) fand Hoffmann dabei besonders attraktiv: nur ein Wochenende Weinfest. „Das war nicht unser Antrag“, sagt sie. Für die Anwohner sei das aber eine gute Lösung. „Dann brauchen wir auch keine Zäune, dann halten wir durch.“ Sie betont, die Anwohner seien durch das Fest drei volle Wochen beschäftigt. In den Diskussionen auf Facebook würden sie allerdings als Spaßbremsen dargestellt. „Das ist nicht der Fall“, sagt Hoffmann: „Wir wollen keinem Winzer an den Karren fahren, sondern miteinander das Ganze konstruktiv regeln.“
Argumente für und gegen kürzeres Fest
„Die Länge des Weinfests ist schon viel diskutiert worden“, sagt Bechtel. Ein Argument dafür: Ein kürzeres Fest könne es auch kleineren Vereinen ermöglichen, daran teilzunehmen. Ein Argument dagegen: Baut ein Verein den Stand schon aufwendig auf, kann er auch für zwei Wochen stehen bleiben. Es sei aber auch eine finanzielle Frage für die Stadt, betont Bechtel. Er plane deshalb, dem Festkomitee und dem Ausschuss der Stadt vorzuschlagen, das Fest auf ein Wochenende zu verkürzen. Dabei sei es wahrscheinlich, einen Termin zu nehmen, der auf einen Feiertag und damit auf ein verlängertes Wochenende fällt. Er verstehe, dass sich die Anwohner ärgern, wenn der Hof zugeparkt ist. Das Ordnungsamt sei aber sehr präsent und zudem ständig auf dem Fest unterwegs gewesen: die neue Leiterin der Tourist-Information, der Beigeordnete Bühler, der Kommunale Vollzugsdienst und die Polizei. „Es war ein ruhiges Weinfest, auf dem nicht viel passiert ist, eigentlich gar nichts“, sagt Bechtel.
Er räumt ein, dass die Anwohner „ein bisschen zu knapp“ informiert wurden und „deutlich früher“ hätten informiert werden müssen. Er habe den Anwohnern angeboten, im Festkomitee mitzuwirken. Bei der Kritik an den Sicherheitsbarrieren könne er nicht viel tun. Diese seien Teil des Sicherheitskonzepts, das durch das neue Polizei- und Ordnungsgesetz notwendig sei. „Ich habe keine Wahl, ich muss in irgendeiner Form Absperrungen installieren“, sagt Bechtel.
Fest wird Thema bei Anwohnerfragestunde
Dass das Weingut Peter den Hof geöffnet habe, sei dem Charakter des Fests entgegengekommen. Der Rathausplatz sei hingegen nicht mehr dabei gewesen. Ansonsten sei der Bereich ähnlich gewesen wie früher. Man werde verstärkt das Fest in die Höfe verlegen, so Bechtel – auch mit Blick auf das neue Polizei- und Ordnungsgesetz. „Die, die sich gestört haben, klagen, dass keine Wachenheimer dabei gewesen sind“, sagt Bechtel. Das stimme nicht. Er habe viele Wachenheimer getroffen, und das Fest werde durch die Vereinsarbeit getragen. „Es ist ein Weinfest, auf dem man sich gerne trifft und wo man sich auch unterhalten kann“, sagt er zur Lautstärke. Zudem sei deutlich weniger Glas auf der Straße gewesen.
Das Fest wird weiter Thema bleiben. Die Anwohner wollen es auch in der Anwohnerfragestunde im Stadtrat am Montag, 19.30 Uhr, Rathaus, zum Thema machen.