Bad Dürkheim
BMW Scheller auf Erweiterungskurs
„Wir fahren lieber vorne weg“, meint Andreas Scheller. So lange, bis die Münchner BMW-Zentrale das neue Vertriebskonzept für jeden seiner Vertragshändler verpflichtend macht, wollten die führenden Köpfe bei BMW Scheller in Bad Dürkheim nicht warten. Und so wird der 1982 eröffnete Standort im Triftweg bereits drei Jahre vorher schon komplett neu gestaltet – innen wie außen. Die Büros und Ausstellungsflächen sind bereits fertig, es folgt noch der Außenbereich.
Ganz so schnell wie gedacht, ging es dann aber doch nicht. „Geplant waren vier Wochen, jetzt werden es viereinhalb Monate“, erzählt Scheller. Zwei Millionen Euro habe man bereits investiert, bis im Herbst auch das Außengelände fertig sein wird, kommen nach seinen Angaben noch einmal rund 800.000 Euro dazu. Danach sollen die Standorte in Ludwigshafen und Grünstadt fit gemacht werden für die Zukunft der Autobranche.
„Stetige Steigerung“ beim Fahrzeugverkauf
Die sehen Scheller und sein Schwiegersohn Matthias Keeve-Scheller eher positiv – trotz des schwierigen internationalen Geschäftsumfelds für die deutschen Autobauer. Dass BMW im Vergleich stabiler da steht als die Konkurrenz, freut die beiden Geschäftsführer. Außerdem seien die Verkaufsbedingungen im „Mikrokosmos“ zwischen Bad Dürkheim, Grünstadt und Ludwigshafen natürlich viel besser, betonen sie. Beim Fahrzeugverkauf sei eine „stetige Steigerung“ festzustellen. Im vergangenen Jahr seien es 2480 Neu- und Gebrauchtfahrzeuge gewesen, berichtet Andreas Scheller.
Das Unternehmen BMW Scheller wurde 1982 von seinem Vater Klaus Scheller am Standort Bad Dürkheim gegründet, Grünstadt kam 1999 hinzu, Ludwigshafen 2011. Das Herz der Firma schlage aber weiterhin in der Kurstadt, bekräftigen die beiden Geschäftsführer. Dort sind 61 von insgesamt 152 Mitarbeitern beschäftigt. Buchhaltung, Disposition, Personalwesen und Marketing befinden sich in Bad Dürkheim. Die Geschäftsführung besteht aus Andreas Scheller, der diese Funktion seit 1996 inne hat, seiner Tochter Anna, die kürzlich Mutter geworden ist, und deren Mann Matthias Keeve-Scheller.
Autohaus Knauer gemietet
Seit Juli hat BMW Scheller einen zweiten Standort in Bad Dürkheim. Als Depot für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge dient jetzt das ehemalige Autohaus Knauer in Ungstein. „Das ist für uns einfach ideal, weil wir schnell Autos hin- und hertransportieren können“, sagt Andreas Scheller. Dadurch könne man mehr Raum am Standort im Triftweg schaffen. Bis zu 150 Fahrzeuge könne man in Ungstein abstellen. Die alte Werkstatt der Firma Knauer werde man aber nicht nutzen. Durch die angemieteten Flächen könne man sich auf dem Firmengelände im Triftweg noch besser auf Beratung und Service konzentrieren. Außerdem würden die Kunden von mehr Übersichtlichkeit profitieren, wenn nicht der gesamte Raum zugeparkt sei. Man wolle die Wegführung so verändern, dass sich der Kunde intuitiv auf dem Gelände zurechtfindet und nicht herumsuchen muss, erklärt Matthias Keeve-Scheller. Sogar eine weitere Expandierung ist für das Familienunternehmen, das im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 72 Millionen Euro erwirtschaftet hat, durchaus möglich. „Der Synergieeffekt muss da sein“, nennt Andreas Scheller eine Bedingung dafür.
Erwartungshaltung von Kunden erfüllen
Zunächst stehe aber die Modernisierung des Stammhauses in Bad Dürkheim im Fokus. Scheller vergleicht die Begrüßung im Autohaus mit der in einem Hotel: „Der erste Schritt ist entscheidend.“ Schließlich müsse man berücksichtigen, dass man Autos aus dem Premiumsegment verkaufe. „Wenn die Kunden zu uns kommen, haben sie gewisse Erwartungen, die wir natürlich auch erfüllen wollen.“ So werden auch auf einer großen LED-Wand im neuen Ausstellungsraum im Triftweg die neusten Modelle präsentiert. Moderne Büros wurden eingerichtet und viele Räume geschaffen, um die Kunden besser beraten zu können. Da sich digitaler und stationärer Handel noch mehr verbinden werden als bislang schon, sei auch dies bei der Modernisierung berücksichtigt worden. „Die Beratungsleistung der Zukunft wird ganz anders sein“, ist Keeve-Scheller überzeugt. Irgendwann könne man sich sein Wunschmodell bestimmt virtuell mit VR-Brille zusammenstellen, blickt er in die Verkaufszukunft.
Nachfrage nach E-Modellen steigt
Weiter wachsen werde der Verkauf von reinen E-Modellen. Bereits jetzt betrage ihr Anteil 25 Prozent. „Die meisten werden in der Regel auf drei Jahre geleast“, so Keeve-Scheller. Wer sich einmal für ein E-Fahrzeug entschieden habe, der wähle nach dem Ablauf des Leasingzeitraums meist wieder eines. Weil E-Autos weniger wartungsintensiv sind als Verbrenner, werde sich dies schleichend auch auf die Werkstätten auswirken, ist Andreas Scheller überzeugend. Deshalb müsse man auch hier weiter in Bewegung bleiben.