Bad Dürkheim Bewegte Reise durch die Jahrhunderte

Mit dem Stück „Wachenheim im Sturm der Zeit“ versetzte Schauspieler Markus Maier am Wochenende erstmals sein Publikum in die bewegte Geschichte Wachen-heims. Zwischen den alten Mauern der Wachtenburg führte eine packende Zeitreise durch wechselvolle Epochen und Ereignisse.
An den Gitterstäben des Bergfrieds entlang tastet sich ein Wesen aus unterirdischer Tiefe. Dort muss es so dunkel sein, dass seine Augen sich nur langsam ans Tageslicht gewöhnen. Dabei ist dieser Septembertag nicht einmal besonders hell. Diesig und grau hängt der Himmel über Burg und Stadt, über Rheinebene und Haardtrand. Die Aussicht wirkt trübe verhangen, aber der Blick der Phantasie kann in dieser Stunde weit und ungehindert schweifen: Schauspieler Markus Maier nimmt seine Zuhörer mit in die stürmische Geschichte Wachenheims und der Wachtenburg. Am Wochenende fand die Premiere seines Stationentheaters statt. Bemerkenswert, wie es dem Speyerer Schauspieler mit seiner Darbietung an wechselnden Standorten gelingt, immer neue Bilder aufzubauen, zu denen die Mauern und Türme der Burg eine stimmungsvolle Kulisse abgeben. Die Vorführung beginnt am mächtigen Bergfried, mit dem Markus Maier als sagenhafter Schatzsucher und verwunschener „Weißer Peter“ Zwiesprache hält. Wenn er den steinernen Riesen anspricht, wird das Wort „Bergfried“ zum Namen eines stummen Freundes. Wie ein lebendes Wesen scheint der entzweigebrochene Turm Schmerz zu empfinden: „Deine alte Narbe von den Franzosen, ich vergaß!“ sagt der Weiße Peter zu ihm angesichts der Risse im geborstenen Mauerwerk. Wunden und Leiden prägen auch die Geschichte, die der „Zeitgeist“ aufrollt, während er durch die Jahrhunderte zieht. Als Autor, Darsteller und Regisseur in einer Person bringt Markus Maier auf greifbare Weise historische Fakten nah und verbindet sie mit bildhaften Eindrücken, Gedanken und Gefühlen. Dabei schlüpft er in immer neue Rollen, gibt ihnen mit wechselnder Gestik und Mundart Leben, gestaltet stolze Herren und elende Arme, glänzt im Licht der Mächtigen oder liegt als Geschlagener am Boden. Zwischen Aufschwung und Ruin, zwischen Zuversicht und Verzweiflung schwankt die Reise mit dem dahineilenden Zeitgeist. Da wächst in der Vorstellungskraft der Bergfried in gewaltige Höhe, umrahmt von Mauern und Wehrgängen. Da atmen die Bürger ab 1341 freie Stadtluft, doch bald folgt ein zermürbender Machtkampf, in welchem die dicken Burgmauern und Türme schon wieder brechen. Der Darsteller, der das alles so bewegend schildert, wirkt selbst getrieben vom Sturm der Zeit, er läuft über Mauern, die Treppen hinauf und hinunter, er ruft sein Hoffen vom Turm oder er sinkt niedergeschlagen zu Boden und klagt mit den barocken Versen von Andreas Gryphius über Vergehen und Zerstörung. Nachdenken über das menschliche Wesen und Wirken, Grübeln und Trauer holen ihn angesichts der nicht endenden Kette von Kriegen immer wieder ein. Dieser Zeitgeist hat viel gesehen und den Menschen, die ihm auf Schritt und Tritt durch die Burg gefolgt sind, viel gezeigt. Am Ende bedeckt er die Augen wieder mit seiner filternden Schutzbrille. Das ist halb Botschaft, halb Frage. Ob es dem Weißen Peter gelingt, den Menschen bis zum Jahr 3000 den wahren Schatz zu zeigen? Der Besucher kann sich ein eigenes Bild machen, denn Markus Maier lässt die Antwort offen.