Bad Dürkheim Bestnoten für fantasievolle Pianistin

Heimspiel hatte die Pianistin Milena Marton am Samstag beim ersten Konzert der Wachenheimer Serenade in diesem Jahr. Bei ihrem letzten Auftritt in ihrer Heimatstadt im Oktober 2012 spielte sie das Programm ihrer bevorstehenden Bachelor-Prüfung, nun das Programm ihres Examens für den Master of Music. Auch diesmal lässt sich absehen, dass sie die Prüfung mit Bestnoten bestehen wird.
Die Musikfreunde aus Wachenheim wissen das Können der jungen Künstlerin zu schätzen: Trotz des widrigen Wetters war die Ludwigskapelle bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum feierte die Pianistin enthusiastisch. In Wachenheim braucht Milena Ivandic – so ihr Mädchenname – nicht mehr vorgestellt zu werden. Als Einjährige ist sie bereits in das Städtchen an der Weinstraße gezogen. Seit sie etwa 14 oder 15 Jahre alt war, hat die heute 24-Jährige immer wieder bei der Wachenheimer Serenade gespielt, als Pianistin oder auch mit der Geige, die sie ebenfalls meisterhaft beherrscht. Einmal mehr konnten sich die Zuschauer daran erfreuen, was ihr Klavierspiel ausmacht: absolute Sicherheit bei den durchweg schwierigen, teils langen, stets auswendig gespielten Stücken, eine stupende Technik, ein unbedingter Gestaltungswille, höchste Klangkultur und Sensibilität. Dazu eine kluge geistige Durchdringung des Notentextes, was sich auch in ihren instruktiven Moderationen zu den einzelnen Werken ausdrückt. Ein als „Fantasia – Phantasien am Klavier“ überschriebenes, sehr kontrastreiches Programm bot sie an diesem Abend. Mit drei Stücken des Barock-Meisters François Couperin eröffnete Marton ihr Konzert. Die Musik der französischen Clavecinisten – Komponisten von Cembalomusik – ist spielerischer als die ihrer deutschen Zeitgenossen, voller virtuoser Verzierungen. Eigentlich sind diese Stücke rein auf den Cembaloklang abgestellt, aber wenn Milena Marton sie spielt, klingen sie auch auf dem modernen Flügel. Couperin hat seinen Stücken originelle, fantasievolle Titel gegeben, die er dann musikalisch umzusetzen versucht. „Les barricades mystérieuses“, geheimnisvolle Schranken, heißt eines der Stücke, „Les Calotines“ ein anderes. In „La Couperin“ hat der Komponist ein Porträt seiner Frau gezeichnet. Nicht als giftig-kapriziöses Weibchen wie es Richard Strauss in seinem Heldenleben tat, sondern als eine etwas melancholische, feine Dame. Marton stellte sie mit viel Feinsinn dar, wurde auch dem ziselierten Spielwerk der anderen Stücke voll gerecht. Dann das Hauptwerk des Abends, die großartige Sonate G-Dur op. 78, die sogenannte „Fantasie“, von Franz Schubert. Im weitläufigen Kopfsatz besonders, aber auch in den anderen drei Sätzen ist sie auf einen Klang schwebender Harmonien, auf typisch Schubert’sches lyrisches Sich-Aussingen ausgerichtet. Sie scheint wie eigens für Marton komponiert. Mit ihrer Fähigkeit, Themen und Motive mit immer neuen Farben auszuleuchten und bei großräumigen Entwicklungen den langen Atem zu bewahren, bereitete die Pianistin der Sonate eine in jedem Moment beglückende Aufführung. Eine Fahrt in eine venezianischen Gondel stellt Frédéric Chopins „Bacarolle“ in Fis-Dur op. 60 dar, sein letztes großen Klavierwerk. Mit Eleganz und dem rechten Sinn für romantisches Schwelgen brachte Marton sie zum Klingen. Zum Schluss die „Fantasia baetica“ von Manuel de Falla, ein Hauptwerk der spanischen Klaviermusik des 20. Jahrhunderts. Nicht mehr impressionistischer Klangnebel wie in den Spanienfantasien von Debussy oder Ravel, sondert eine kraftvollere Gangart ist hier angesagt, motorisch-herb, perkussiv, auf den Gitarrenklang abgestellt, dabei von andalusischer Folklore beeinflusst. Für die Zugaben holte sie ihre ständige Duopartnerin Yesel Chang auf die Bühne. Vierhändig spielten sie eine Bach-Bearbeitung von György Kurtág, das erste Prelude von George Gershwin und den As-Dur-Walzer von Brahms.