Bad Dürkheim Bechtelix und das gallische Dorf

Der Vorgang dürfte wohl einmalig in der Geschichte der deutschen Gebietskörperschaften sein: Aufgrund „unüberbrückbarer Differenzen“ und „um Schaden von der Stadt abzuwenden“ beschließt Wachenheim den Austritt aus der Verbandsgemeinde. „Natürlich ging es heiß her in der Sitzung. Wie so oft ging die Abstimmung mit elf zu zehn aus“, verriet Stadtbürgermeister Torsten Bechtel. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es in dieser Verbandsgemeinde kein Miteinander mehr gibt. Im VG-Rat hieß es zuletzt nur ,alle gegen Wachenheim’. Leider auch bei Vertretern aus Wachenheim“, bedauert Bechtel. Tatsächlich wendete sich in der Supermarktfrage der Verbandsgemeinderat gegen das vom Wachenheimer Stadtrat beschlossene Projekt im Bischofsgarten. Von der Änderung des Flächennutzungsplans – ihr verweigerte der VG-Rat die Zustimmung – hängt auch die Entwicklung des Gewerbegebiets ab. Erst kürzlich war ein tiefes Misstrauen der anderen Ortsgemeinden gegenüber der Stadt Wachenheim zutage getreten. Erste Reaktionen auf den Rückzug der Stadt aus der Verbandsgemeinde reichen von sprachloser Zornesröte bei Arnold Nagel (FWG), der wohl gegen den Austritt stimmte, über einen bei Redaktionsschluss noch nicht beendeten Schachtelsatz von SPD-Stadtrat Klaus Huter bis hin zu einem schulterzuckendem „Ohne Wachrem geht’s besser“ von Robert Blaul aus Gönnheim. Zwar scheint der Austritt der Stadt juristisch noch längst nicht in trockenen Tüchern zu sein, doch deuteten zahlreiche Silvesterraketen nach Bekanntwerden der Entscheidung auf eine gewisse Zustimmung unter den Wachenheimern hin. „Ich soll Schaden von der Stadt abhalten, also mussten wir raus aus der VG. Wir sind jetzt wie das gallische Dorf von Asterix und Obelix“, sagt Bechtel. Ob Wachenheim nun von Bad Dürkheim eingemeindet wird, sich der Verbandsgemeinde Deidesheim anschließt oder zum unabhängigen Staat erklärt, steht in den Sternen. „Flächenmäßig ist Wachenheim mehr als 20 Mal so groß wie der Vatikan“, sagt Geograf Bechtel. „Und die zahlen dort auch mit dem Euro“, ergänzt er vieldeutig. Insider erwarten derweil bereits ein Hauen und Stechen im VG-Rat um den neuen Namen der Restkommune. (awg)