Deidesheim / Wachenheim
Bahnstreckensperrung: Wie läuft der Schülerverkehr?
Der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV) hatte nach der plötzlich vorgezogenen Streckensperrung zwischen Bad Dürkheim und Deidesheim einen „Stolperstart“ des Schienenersatzverkehrs vorhergesagt: Strecken und Fahrpläne hätten nicht getestet werden können und es sei fraglich, ob überhaupt genügend Busse und Fahrer auf die Schnelle eingesetzt werden können. Die Probleme am Montag gaben den Skeptikern Recht. Seitdem ist die Strecke gesperrt, weil Dachse sie unterhöhlt haben und die Sicherheit des Zugverkehrs nicht mehr gewährleistet sei. Die Lücken sollen Busse stopfen. Doch hat sich die Situation seit Montag verbessert?
„Es läuft nicht gut“, bilanziert Therese Groß. Sie ist Mitglied des Schulelternbeirats der IGS Deidesheim/Wachenheim. Die Schule mit zwei Standorten ist nicht nur besonders stark betroffen, weil der Unterricht ab der siebten Klasse in Deidesheim stattfindet, sondern auch, weil sie ein großes Einzugsgebiet hat. Groß berichtet von Schülern aus Weisenheim am Sand oder Ellerstadt, die diese Woche aufgrund von Zugausfällen und Schienenersatzverkehr extreme Probleme gehabt hätten, pünktlich zur Schule zu kommen und erst spät wieder zu Hause seien. „Für Schüler, die von weiter weg kommen, ist die Situation eine totale Katastrophe.“
Aus der RHEINPFALZ von der Sperrung erfahren
Es seien nach wie vor zu wenige Busse im Einsatz und die Schüler müssten sich zusammenquetschen, um überhaupt mitfahren zu können. Nicht selten bringen dann Eltern oder Großeltern ihre Kinder zur Schule. Erfahren haben die Eltern von der vorgezogenen Streckensperrung vergangene Woche aus der RHEINPFALZ. Danach habe die Schule einen Hinweis auf der Internetseite platziert und angekündigt, „tolerant“ zu reagieren, wenn Schüler zu spät zum Unterricht kämen.
Wenn der Busfahrer Pause macht
Von einer skurrilen Situation am Dienstag am Deidesheimer Bahnhof berichten sowohl Groß als auch eine Wachenheimer Schülerin: Demnach habe der Fahrer eines Schienenersatzverkehr-Busses gegen 13.15 Uhr Schüler und andere Fahrgäste einsteigen lassen. Als der Bus voll war, habe der Mann erklärt, jetzt eine einstündige Stunde Pause zu machen, woraufhin alle Passagiere den Bus wieder verlassen und in einen anderen Bus umsteigen mussten, der allerdings nicht Teil des Schienenersatzverkehrs war und andere Haltestellen ansteuerte. Besonders bei den jüngeren Schülern habe das für Verwirrung geführt.
Groß rechnet damit, dass der Schülerverkehr am Donnerstag und Freitag besser laufen wird – aber nicht, weil die Bahn nachsteuert, sondern weil an der Gesamtschule und den Gymnasien in der Region mündliche Abiturprüfungen sind und die übrigen Schüler deswegen frei haben. Sie hoffe nicht, dass die Bahn dann davon ausgehe, dass alles gut sei, sagt Groß. Auch auf den endgültigen Ersatzfahrplan, der am Montag in Kraft tritt angekündigt, will sich der Schulelternbeirat nicht verlassen: „Wir werden einen Brief an die Deutsche Bahn schreiben und auf die Missstände hinweisen“, sagt Groß.
Kreis: Konsequenzen schwierig
Die Kreisverwaltung habe angesichts des abrupt gestarteten Ersatzverkehrs nicht mit einem reibungslosen Ablauf gerechnet, schreibt eine Kreissprecherin am Donnerstagnachmittag, weitere Maßnahmen vor Inkrafttreten des neuen Ersatzfahrplans am Montag seien daher nicht möglich. Auch Konsequenzen in der weiteren Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn seien mangels Alternativen schwierig: Alle Beteiligten müssen ungeachtet der nicht optimalen bisherigen Abläufe versuchen, einen möglichst zuverlässigen Schienenersatzverkehr einzurichten, schreibt die Kreissprecherin.
Überdies gingen Beschwerden meist direkt an den ZÖPNV oder die Bahn, Kundenkritik, die beim Kreis ankomme, werde an die genannten Stellen zur Bearbeitung weitergeleitet. Der ZÖPNV hat am Donnerstag angekündigt, die Bahn aufzufordern, bei nicht ausreichenden Kapazitäten alle Möglichkeiten zur Ausweitung im Busverkehr zu nutzen.