Bad Dürkheim
Bäckerei Sippel soll in Ungstein bleiben
Der Produktionsstandort der 125 Jahre alten Bäckerei befindet sich in der Ungsteiner Karl-Kück-Straße. Wegen großen Drucks aus der Nachbarschaft wurde dort inzwischen eine Lärmschutzwand errichtet, die Probleme sind dadurch aber nicht kleiner geworden. Der Fortbestand der Bäckerei in einem reinen Wohngebiet ist extrem gefährdet. Außerdem ist die Produktionsstätte, wo es nur Platz für zwei Öfen gibt, längst viel zu klein für die Bäckerei geworden. Ein Zusammenlegen des Verkaufs in der Ungsteiner Ortsmitte und der Produktion wünscht sich die Bäckerei seit Jahren, aber eine große Lösung hat sich noch nicht ergeben.
Bis jetzt – denn geht es nach dem Ungsteiner Ortsbeirat und seinem Ortsvorsteher Andreas Wolf (CDU), dann könnte sich auf einem rund 800 Quadratmeter großen Gelände „An der Bleiche“ südlich der Bushaltestelle in der Altenbacher Straße eine Entwicklungsmöglichkeit für die Bäckerei auftun. „Davon hätte auch Ungstein etwas“, ist der Ortsvorsteher mit Blick auf die Dorferneuerung überzeugt. Möglich wäre in diesem Gebiet nicht nur die Ansiedlung der Bäckerei mit Café, sondern auch der Bau eines Wasserspielplatzes Richtung Westen an der Isenach. Eine Kombination dieser drei Elemente bringt aus Wolfs Sicht nur positive Effekte für die Dorfgemeinschaft mit sich. Man müsse das Ganze nur „klug planen“, damit das einem Dreieck ähnelnde Baufeld zwischen Altenbacher Straße und Einfahrt in Richtung „Wolf’s Brunnen“ groß genug für die Bäckerei sei und zugleich möglicher Anfahrts- oder Produktionslärm in Richtung der angrenzenden Weinberge abziehe, erläutert Wolf. Man wolle in Ungstein schließlich nicht auf die Bäckerei Sippel und deren große Bedeutung für die Nahversorgung der Bürger verzichten, betont Wolf.
Die Option, die Bäckerei im Gewerbegebiet Bruch anzusiedeln, komme für den Betrieb nicht infrage. „Eine Bäckerei muss schließlich sichtbar sein für die Kunden“, kann Wolf verstehen. Eine weitere Option seien Flächen am Ungsteiner Kreisel gewesen. Jedoch habe der Besitzer einen zu hohen Preis dafür verlangt. Geklärt werden müssen für das Gebiet „An der Bleiche“ aber noch diverse Details. So befinden sich auf einem Teil des städtischen Geländes, auf dem Parkplätze eingeplant werden könnten, Gasleitungen der Firma Creos. Außerdem ist wohl ein Bodengutachten erforderlich, da sich auf dem etwas erhöht liegenden Gelände Aushub von früheren Kanalarbeiten befindet.
Café könnte eine Außenterrasse bekommen
Über diese Detailfragen sei aber noch nicht abschließend gesprochen worden, erklärt Geschäftsführer Reiner Sippel auf Anfrage. Es hätten bislang nur „lose Vorgespräche“ stattgefunden. „Wir würden aber schon gerne in Ungstein bleiben“, stellt er klar. Entwicklungsmöglichkeiten am Kreisel hätten sich durch zu hohe Grundstückspreise leider zerschlagen. „Das war ein Preisniveau wie auf dem Fronhof II“, so Sippel. Das Gelände „An der Bleiche“ sei ähnlich zentral gelegen, aber nicht ganz so ideal, da es wegen des Überschwemmungsgebiets keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten eröffne.
Jedoch würde es in der jetzigen Situation mit rund 800 Quadratmetern bebaubarer Fläche der Bäckerei „locker reichen“, eventuell auch für ein Café mit einer Außenterrasse. Über Preise habe er mit der Stadt aber noch nicht gesprochen. Auch werde er darauf achten, dass man keine neuen Probleme mit der Nachbarschaft bekomme. Zeitliche Vorstellungen habe er bislang nicht. Sippel spricht von einer „mittelfristigen Lösung“, da erst noch viel geklärt werden müsse. Er selbst werde den Umzug daher nicht mehr bewerkstelligen, sagt der 61-Jährige. Dies sei eher ein Plan, den sein Stiefsohn Amadeus Böttinger mit seiner Schwester Isabel beschäftigen werden. Auch müsste für die Bäckerei und ihre neuen Besitzer noch eine neue Gesellschaftsform gefunden werden.
Sippel plagt erst noch der Gedanke, wie er seinen Betrieb über den Winter bringen soll: Denn die beiden Öfen in seiner Backstube werden mit Gas betrieben. Für einen Neubau sei deshalb jetzt sowieso kein guter Zeitpunkt. Vorarbeiten oder Voruntersuchungen seien natürlich möglich. Sie dürften aber den Betrieb derzeit nicht viel Geld kosten, stellt er klar.
Nach Angaben der Stadt ist es erforderlich, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen, um das Projekt zu realisieren. Nach einer positiven Grundsatzentscheidung in den städtischen Gremien müsste ein städtebaulicher Vertrag bezüglich der Kosten des Verfahrens mit der Bäckerei geschlossenen werden. Das aufwendige Verfahren ist laut Stadtverwaltung aber gerechtfertigt, da die Entwicklung des Ortsteils dadurch sehr positiv beeinflusst werde.