Bad Dürkheim Aus dem Ministerium ins Rathaus

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„80er, 90er und das Beste von heute“. So hundertprozentig festlegen will sich Birgit Blaul nicht, als sie in der warmen Mittagssonne vor ihrem Haus in Gönnheim sitzt und kurz über ihren Musikgeschmack nachdenkt. Fast scheint es sie etwas zu nerven, dass das jetzt jemand so genau wissen will. Schließlich konkretisiert sie ihre Vorlieben doch: „Sportfreunde Stiller, David Garrett und Queen, wenn es die noch gäbe.“ Die 40-Jährige ist auf den ersten Blick keine Frau, die sich schnell entscheidet. Und während Musik viel mit Bauchgefühl zu tun hat, ist die seit 37 in Gönnheim lebende Ehefrau und zweifache Mutter trotz ihres Engagements bei den Blechbläsern des örtlichen Posaunenchors in Sachen Politik eher analytisch gepolt. Schon seit 1992 ist sie Mitglied bei den Freien Wählern, zu denen sie ihr Vater einst mitnahm. Da war die Birgit 17, hatte noch kein Abitur. Das machte sie 1994 am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim. Dass sie die Verwaltungslaufbahn einschlagen würde, war da schon klar. Bei der Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen absolvierte sie ein Studium, das sie als Diplom-Verwaltungswirtin (FH) abschloss. Und das sie schnell ins damalige Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau führte. Inzwischen hat sie das Ministerium gewechselt (siehe ). Birgit Blaul gehört zu den Personen, über die ihr Beruf schon viel aussagt. Jeden Tag hat sie mit der Entstehung von Gesetzen zu tun. Sie findet diesen Prozess „spannend“, wie sie sagt. Auch wenn er im Moment nicht sehr viel mit Menschen zu tun habe. Dass sich das schlagartig ändern würde, wenn sie Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde würde, ist ihr bewusst. „Die ewig währende Diskussion um die Standorte von Supermärkten in Wachenheim und Friedelsheim-Gönnheim“ ist auch ihr ein Dorn im Auge. „Bilaterale Gespräche sind notwendig“, sagt sie mit Blick auf die sich überlagernden Interessen. Gleichwohl gibt sie zu, in der Entstehungsgeschichte des Konflikts, der zwischen den Fraktionen von FWG und SPD einerseits und der CDU andererseits verläuft, nicht hundertprozentig firm zu sein. Dass es zusätzlich sich unterscheidende Interessen innerhalb der Verbandsgemeinde gibt, ist ihr bewusst. „Bei Konflikten muss man das Gesetz zu Rate ziehen“, sagt sie gerade so, als habe das bis dato niemand erwogen. Sie selbst hält einen Markt in Friedelsheim-Gönnheim für wichtig. „Ich glaube, dass ich das mit abgestimmt habe“, sagt sie auf Nachfrage, wie sie sich entschieden hat. Trotzdem: Im Gespräch mit Birgit Blaul wird nicht wirklich klar, was sie eigentlich dazu bewegt, dieses Amt anzustreben. „Ausschlaggebende persönliche Gründe habe ich nicht“, äußert sie nach kurzem Innehalten. Schon zu Beginn der Unterhaltung sagt sie, dass sich diese Konstellation mit ihr als Kandidatin halt so ergeben habe. Heike Rung-Braun (Friedelsheim) habe zunächst ebenfalls Interesse angedeutet, sich dann aber freiwillig zurückgezogen. Blaul also als schnelle Notlösung, weil man eine Frau aus den Gemeinden um Wachenheim herum brauchte? „Nein“, stellt sie klar. Bereits vor dem plötzlichen Tod Udo Kittelbergers sei lose mit ihr über Perspektiven nach dessen Amtszeit gesprochen worden. Die Ereignisse hätten dann dazu geführt, dass sie schon jetzt mit ihrer Familie über die neuen Pläne beraten habe. Ihr Mann Martin, von Beruf Wirtschaftsingenieur bei ABB, habe ihr keine Steine in den Weg gelegt. Interesse zeigt Blaul besonders beim Thema Fusion. Bereits jetzt müssten die Gespräche mit Deidesheim wieder aufgenommen werden. Am Ende werde man geschluckt, weil Deidesheim größer sei. Das müsse verhindert werden. Dafür stehe sie als Kandidatin. Stellenweise ist Birgit Blaul jetzt aufgeregt, wenn sie daran denkt, was kommen könnte. „Man kann es ja nicht immer jedem recht machen in der Politik“, weiß sie. Und schaut dabei so, als fürchte sie schon jetzt die bösen Blicke der Nachbarn, falls mal eine unangenehme Entscheidung ansteht. Umgekehrt sagt sie: „Ich bin ein politischer Mensch, und an der Lokalpolitik mag ich, dass man sich auf dieser Ebene noch kennt.“ Je weiter die Themen weg seien, desto abstrakter erschienen sie auch. Sie sei eben 37 Jahre lang in Gönnheim aktiv im Vereinsleben (Posaunenchor, Turnverein) verwurzelt. Fast vermittelt sie jetzt den Eindruck, als sei ihre Kandidatur die logische Folge dieses Umstandes. In der Tat hat ihre Herkunft etwas damit zu tun, dass ihr Konterfei nun auf Dutzenden Plakaten in der Verbandsgemeinde hängt. Es gebe die Befürchtung außerhalb Wachenheims, dass ein Verbandsbürgermeister von dort die Unterliegergemeinden benachteiligen könnte, so Blaul. Ihre Konkurrenten kennt sie bisher kaum persönlich. Dabei scheint die Gönnheimer Ludwigstraße ein guter Ort für die Suche nach geeigneten Führungspersonen in der Lokalpolitik zu sein: SPD-Kandidatin Stegmann wohnt drei Häuser neben Blaul. Und die CDU wird schon wieder eine Verschwörung vermuten ...

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