Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Jahre Neuberg: Wie Winzer den Auszug wagen und den Wurstmarkt verändern

Die Betriebe am Neuberg feiern ihr 50-Jähriges.
Die Betriebe am Neuberg feiern ihr 50-Jähriges.

Vor 50 Jahren ziehen mehrere Weinbaubetriebe vor die Tore Bad Dürkheims. Der Neuberg steht heute nicht nur für guten Wein, sondern auch für Engagement für die Stadt.

Wer über den Feuerberg in Richtung Bad Dürkheim fährt, dem wird spätestens am Neuberg klar, dass es sich nicht nur um eine Kur-, sondern auch um eine Weinstadt handelt. Vor 50 Jahren siedelten die ersten der mittlerweile sieben Weinbaubetriebe dort vor die Tore der Stadt aus.

Eigentlich, so erzählt Wilfried Peter, einer der Neuberg-Pioniere, hatte die Stadt damals mit dem Gebiet andere Pläne. Es sollte ein Baugebiet für landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe entstehen, das durch eine Straße geteilt werden sollte. Das Gebiet hätte wesentlich kleinteiliger angelegt sein und viel mehr Betrieben Platz bieten sollen, als dies jetzt der Fall ist. „Im Nachhinein kann man froh sein, dass der Bebauungsplan so nicht umgesetzt wurde“, sagt Karl Wegner, ein weiterer Pionier.

„Uns gäbe es nicht mehr“

„Uns gäbe es nicht mehr, wenn wir nicht ausgesiedelt wären. Im Nachhinein war es alternativlos“, betont Peter. „Alleine schon deshalb, weil die vielen modernen Geräte Platz brauchen“, ergänzt Inge Schmitt, die damals mit ihrem Mann Egon aussiedelte.

Die Stadt habe Mitte der 1970er-Jahre eine Umfrage unter Landwirten und Winzern gemacht, wer aussiedeln wolle. 37 Betriebe hätten diese Absicht bekundet, erinnert sich Peter: „Die meisten gibt es nicht mehr.“ Viele Weinbaubetriebe waren damals im Finkenpfad oder in der Kaiserslauterer Straße angesiedelt. „In der Stadt war es so beengt, dass sich die Betriebe nicht entwickeln konnten“, sagt Peter.

Spätestens am Neuberg wird klar: Bad Dürkheim ist eine Weinstadt.
Spätestens am Neuberg wird klar: Bad Dürkheim ist eine Weinstadt.

Peter, Wegner und Schmitt waren damals die Pioniere am Neuberg. Etwas später zog Ludwig Mesel mit seinem Betrieb nach. Zunächst habe man eine Scheune und einen Keller gebaut, ehe die komplette Aussiedlung aus der Kaiserslauterer Straße über die Bühne gehen konnte, sagt er. Man habe sich einiges mit der Brechstange erkämpfen müssen, erinnert sich Karl Wegner. Die Stadt habe ein Interesse gehabt, ihren Bebauungsplan durchzusetzen, ergänzt Ludwig Ester.

Erschließung in Eigenregie

Schließlich habe es geheißen: „Ihr könnt bauen, aber die Erschließung muss in Eigenregie erfolgen“, erinnern sich die Neuberg-Pioniere. Der Wasseranschluss habe von den Winzern aus Richtung Bruch gelegt werden müssen. „Das größte Problem war: Wie kommen wir unter der Mannheimer Straße durch?“ Schließlich gelang es mithilfe einer Spezialfirma aus Oggersheim, die Leitung zu verlegen. „Wir mussten zu dritt sein, sonst hätten wir es nicht finanzieren können“, erinnert sich Peter. Einen Kanalanschluss habe es zunächst nicht gegeben, das Abwasser landete in Sickergruppen. Erst, als der Betrieb von Ludwig Ester hinzu kam, änderte sich das.

Die meisten der Neuberg-Pioniere waren auch Rebveredler. Statt ihre Trauben an die Genossenschaft zu liefern, begannen sie zusätzlich mit der eigenen Abfüllung. „Wir konnten unseren Wein gut verkaufen“, sagt Wegner. Einen schweren Rückschlag markierte der Glykolskandal 1985. Österreichische Winzer hatten Wein gepanscht, Großkellereien diesen mit deutschem Wein gemischt – und damit dessen Ruf ruiniert. „Wir hatten eine Zeit, in der wir keinen Wein mehr verkauft haben“, erinnert sich Wegner. Doch die Winzer am Neuberg überstanden die Krise. „Jeder hat versucht, einen besseren Wein zu machen und die Qualität zu steigern“, erinnert sich Peter an den Aufschwung nach der Krise.

Das Barrique Forum, das sich besondere Qualitätsansprüche auf die Fahnen geschrieben hat, hat seine Keimzelle am Neuberg. Auch politisch und gesellschaftlich engagierten sich die Neuberg-Winzer. Ihr vielleicht größter Coup: Gegen viele Widerstände setzten sie das Weindorf auf dem Wurstmarkt durch, das 1992 seine Premiere feierte.

Gemeinsames Maibaumstellen

„Es ist außergewöhnlich, dass alle an einem Strang gezogen haben. Das geht jetzt in zweiter Generation weiter“, sagt Klaus Mesel, der dieser zweiten Generation angehört. Sinnbild für die gute Nachbarschaft am Neuberg ist das gemeinsame Maibaumstellen. „Jeder bringt einen Wein mit und wir grillen zusammen“, erzählt Klaus Mesel. Zusammenhalt unter den Winzern sei wichtig, um auch die aktuelle Weinbaukrise zu überstehen, sagt Anne Peter. Ihr Schwiegervater Wilfried Peter ist da zuversichtlich: „Für mich ist es jetzt die dritte große Weinbaukrise. Wir werden die Flächen reduzieren und die Krise überstehen.“

Termin

Zu 50 Jahre Neuberg laden die Betriebe am Samstag, 6. Juni, ab 17 Uhr in die Vinothek des Weinguts Karsten Peter ein. Sie versprechen eine „ungezwungene Weinfestatmosphäre“ mit Weinen vom Neuberg und Kulinarik vom Leistadter „JouJou“.

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