Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Mittwoch, 28. Februar 2018 Drucken

Pfalz-Ticker

Schon wieder: 30 Tonnen Kerosin über Pfalz abgelassen

Von Andreas Ganter

Eine Frachtmaschine vom Typ Boeing 747, die vom Hahn startete, hat 50 Tonnen Kerosin abgelassen. (Foto: dpa)

Es ist schon wieder passiert: Erneut hat ein Flugzeug über der Pfalz größere Mengen Treibstoff abgelassen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen der RHEINPFALZ.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge am Montag. Eine Boeing 747 der moldawischen Fluglinie Aerotrans Cargo war gegen 21 Uhr vom Hunsrück-Flughafen Hahn in Richtung Baku (Aserbaidschan) unterwegs. Kurz nach dem Start habe der Pilot einen technischen Defekt gemeldet, informiert die DFS. Daraufhin habe er in einer Flughöhe von etwa 23.000 Fuß, also rund 7000 Meter, 30 Tonnen Kerosin abgelassen. Dafür flog der Pilot eine große Runde, die von Saarlouis im Westen bis über die gesamte Pfalz reichte.

Es ist bereits der zweite bekannte Fall, bei dem ein Pilot in diesem Jahr Kerosin über der Pfalz abgelassen hat. Der erste Fall ereignete sich am 15. Februar. Auch damals handelte es sich um eine Frachtmaschine der moldawischen Fluglinie Aerotrans Cargo, die vom Hahn aus gestartet war. Angeblich soll es zuvor an Bord der Maschine einen Knall gegeben haben. Bei dem Vorfall vor zwei Wochen wurden in rund 4500 Metern Höhe zehn Tonnen Kerosin abgelassen. Laut DFS war davon auch das Gebiet „Pfalz“ betroffen.

Wie mehrfach berichtet, müssen Flugzeuge in Notfällen Treibstoff ablassen, wenn ihr maximales Landegewicht überschritten ist. Das passiert vor allem bei Maschinen, die für Langstrecken vollgetankt sind. Über die gesundheitlichen Risiken durch das sogenannte fuel dumping wird gestritten. Die einzigen Gutachten dazu sind schon Jahrzehnte alt. Darin heißt es jedoch, dass der Kerosinablass keine gesundheitlichen Risiken berge. Allerdings ist nach heutigen Erkenntnissen unklar, ob der Treibstoff überhaupt über der Region runterkommt, wo er abgelassen wurde. Es könnte auch sein, dass er vom Wind verweht wird. Die Umweltministerkonferenz hat ein Gutachten dazu beauftragt. Es soll Ende des Jahres vorliegen.

Passage im Koalitionsvertrag

Auch die Bundespolitik hat das Thema erkannt. Im Koalitionsvertrag, über den momentan die SPD-Mitglieder abstimmen, findet sich eine Passage zum Kerosinablass: „Wir wollen auf die Deutsche Flugsicherung einwirken, die Treibstoffschnellablässe zeitnah auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen.“ Genau das hat unter anderem die SPD im Mainzer Landtag immer wieder gefordert. Hintergrund ist, dass die DFS bislang nicht dazu verpflichtet ist, die Öffentlichkeit von sich aus zu informieren, wenn ein Flugzeug in einer Notsituation Kerosin abgelassen hat. Meist kommen die Vorfälle nur durch Hinweise aus der Bevölkerung und Medienberichte ans Tageslicht.