Pfalz Missbrauchsverdacht: Ermittler dehnen Untersuchung in Homburg aus
Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken dehnt ihre Ermittlungen wegen Missbrauchsverdachts am Uniklinikum in Homburg immer weiter aus. Mittlerweile werden sieben Fälle an der HNO-Klinik des Uniklinikums untersucht, wie die Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Dienstag auf Anfrage informierte. Die Ausweitung der Ermittlungen gehen demnach sowohl auf Strafanzeigen von Eltern als auch auf Meldungen durch das Klinikum selbst zurück. Weitere Details wollten die Ermittler nicht nennen. Offensichtlich wird das gesamte Klinikum auf weitere Verdachtsmomente hin überprüft. Die Frage nach Ermittlungen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauchsverdacht außerhalb der HNO-Klinik beantwortete die Staatsanwaltschaft folgendermaßen: „Hierzu werden aus Gründen des Verfahrensschutzes keine Angaben gemacht.“ Ein Dementi zu größer angelegten Ermittlungen ist das nicht.
Ende November hatten Staatsanwaltschaft und Polizei im Zusammenhang mit Übergriffen und Verletzungen zweier kleiner Patienten der HNO-Klinik aus den Jahren 2012 und 2014 die Homburger Klinik durchsucht. Dabei waren die Ermittler auf einen dritten Fall gestoßen. Jetzt wird zu weiteren vier Patienten ermittelt.
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss am saarländischen Landtag befasst sich seit Ende November mit den Verdachtsfällen auf sexuellen Missbrauch am Uniklinikum. Erst vergangene Woche war der Aufklärungsbeschluss generell ausgedehnt worden. Anlass waren die jüngst bekanntgewordenen Fälle an der HNO-Klinik. Nun soll es um das gesamte Uniklinikum gehen. Gestartet war der U-Ausschuss zunächst mit dem Auftrag, die möglichen Übergriffe eines 2016 verstorbenen Assistenzarztes in der Spezialambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie zwischen 2010 und 2014 sowie den Umgang der Verantwortlichen mit dem Skandal – inklusive der Staatsanwaltschaft Saarbrücken – unter die Lupe zu nehmen. Am jetzigen Mittwoch setzt der Ausschuss seine Beweisaufnahme fort; als Zeugen sind weitere Opferanwälte von Mandanten aus dem Behandlungsbereich der Jugendpsychiatrie geladen. Die Anwälte kommen unter anderem aus Saarbrücken und Karlsruhe.