Kultur Zwischen Jamaika und Schifferstadt

Kollegen: Sean Paul (links) und DJ Olde bei ihrer einzigen Begegnung vor einigen Jahren.
Kollegen: Sean Paul (links) und DJ Olde bei ihrer einzigen Begegnung vor einigen Jahren.

Das Leben geht schon manchmal seltsame Wege und die Kunst auch. Zum Beispiel von Schifferstadt nach Jamaika. Aus Schifferstadt kommt Jannis Schreiner, der seit einigen Jahren sehr erfolgreich im DJ-Geschäft unterwegs ist. Als DJ Olde legt er nachts in ganz Europa auf und steht „für Hardcore-Party mit Abriss-Garantie“ (Eigen-PR). Als Jannis Schreiner arbeitet er tagsüber seit zehn Jahren als Informatiker bei der Evangelischen Kirche in Speyer und hat auch nicht vor, daran etwas zu ändern. Ein sehr bodenständiger Typ also, der nun aus heiterem Himmel dazu gekommen ist, mit dem amerikanisch-jamaikanischen Hip-Hop-Megastar Sean Paul („Got 2 Luv U“) zusammenzuarbeiten. Und das kam so: Vor 13 Jahren, als der heute 29-jährige Schreiner als Jugendlicher seine Karriere als DJ startete, reiste er nach Jamaika und besuchte eine Party, bei der er auf einen Mann aufmerksam wurde, der Dancehall-Platten auflegte und sich Chi Ching Ching nannte, ein Name, der lustig klingt, wenn man ihn laut vorliest. (Probieren Sie es mal aus.) Schreiner fand die kettensägenähnliche Stimme von Chi Ching Ching so lustig, dass er sie zu Hause für ein Promovideo imitierte. „Das ging heftig viral“, erinnert er sich, „und ich wurde extrem gedisst.“ Gleich zum Start seiner Karriere sah er sich in ein schlechtes Licht gerückt, „aus dem wird nie was“, schrieben die Leute in ihren Kommentaren. Aus Schreiner wurde den Kritikern zum Trotz der sehr erfolgreiche DJ Olde, und aus Chi Ching Ching wurde vor einigen Jahren der Mann an der Seite von Sean Paul, dem wohl erfolgreichsten Jamaikaner, der schon mit Rihanna, Carlos Santana und Beyoncé gearbeitet hat. „Sean Paul hat Chi Ching Ching unter seine Fittiche genommen und pusht ihn extrem“, sagt Schreiner. Der selbst wiederum seit Jahren via Twitter, Facebook und Instagram Kontakt zu Chi Ching Ching hat. „Schick doch mal einen Beat“, schrieb der Jamaikaner irgendwann in Richtung Schifferstadt, und drei Monate später bekam er ihn: einen „clubbigen, heftigen Partybeat“. Es verging wieder ein Jahr, oder vielleicht waren es auch zwei Jahre. Und plötzlich sah Schreiner im Netz ein Video, in dem Sean Paul und Chi Ching Ching Freestyle auf seinen Beat rappten. „Ja, Sean Paul feiert den Beat voll, und er soll auch auf mein Album drauf“, schrieb ihm Ching. Und so kam es: Gestern erschien „Turning Tables“, Chi Ching Chings Album, mit der Nummer „F**k it up“ von Chi Ching Ching feat. DJ Olde, Sean Paul und Fatman Scoop. Schreiner hofft nun, dass die Nummer ein Hit wird, oder, wie die jungen Leute sagen, steil geht. Dann wird er auch eine Chance haben, seine Kollegen persönlich zu treffen. Von Sean Paul hat er kurz vor 0 Uhr an Silvester immerhin schon mal eine Sprachnachricht bekommen. Und konnte mit dem Foto einer kurzen Begegnung kontern, das entstanden ist, als DJ Olde vor vielen Jahren im Vorprogramm seiner Tour auftrat.

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