Kultur Zur Sache: Die Oscarnominierungen – Akin geht leer aus

Sieben Oscarnominierungen: „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist ein Favorit bei der 90. Oscarverleihung am 4. März. Frances McDormand dürfte die Schauspiel-Trophäe sicher sein. Schließlich spielt die jetzt 60-Jährige wie immer souverän und mit feinen Gesten, auch wenn ihre Figur in Martin McDonaghs Tragikomödie stark an ihren Durchbruch als leicht zu unterschätzende Polizistin in „Fargo“ erinnert. Doch verleiht sie ihrer Filmfigur auch große Tragik und Würde. McDormand gewann bereits den Darsteller-Golden-Globe wie auch ihr jetzt ebenfalls oscarnominierter Spielpartner Sam Rockwell („Moon“), der als Bösewicht mit doch gutem Kern glänzt. Die meisten Nominierungen –13 – erhielt gestern jedoch Guillermo del Toros dunkel getöntes Fantasymärchen „Shape Of Water“, das wie Martin McDonaghs Film als Kommentar auch auf die aktuelle Lage in den USA verstanden werden kann. Angesiedelt hat der Mexikaner seinen ebenfalls betont überzeichneten Film über die Liebe einer mexikanischen Putzfrau zu einem Unterwasserwesen in einem US-Forschungslabor der 1960er Jahre. Und anders als McDonagh traut Del Toro seinem rassistischen Bösewicht keine Entwicklung zu. Sein Film (deutscher Start: 15. Februar) feiert vielmehr seine Außenseiterhelden, deren Darsteller nun alle oscarnominiert sind: die Einwandererin (Sally Hawkins) und ihre afroamerikanische Kollegin (Octavia Spencer), die sich in schlecht bezahlten Jobs durchschlagen, und den einsamen homosexuellen Nachbarn, der ausgegrenzt wurde (Richard Jenkins). Die deutsche Oscarhoffnung Fatih Akin ist nach seinem Golden-Globe-Gewinn jedoch raus aus dem Rennen um den wichtigsten Filmpreis. Sein Rachefilm „Aus dem Nichts“ ist nicht nominiert. Oscarchancen haben dagegen andere Deutsche: Komponist Hans Zimmer aus Frankfurt ist für die Musik zu Christopher Nolans achtfach nominiertem Weltkriegsdrama „Dunkirk“ vorausgewählt und Favorit. Zimmer hat einen tief beeindruckenden Klangteppich erschaffen. In der Sparte Kurzspielfilm ist die aus dem Odenwald stammende Regisseurin Katja Benrath mit „Watu Wote“ nominiert. Der Film, mit dem sie bereits den goldenen Studenten-Oscar gewann, beruht auf einer wahren Begebenheit: 2015 hatten sich Muslime bei einem Terrorangriff auf einen Bus an der Grenze zwischen Kenia und Somalia schützend vor Christen gestellt. In der Kategorie animierter Kurzfilm wiederum sind die Münchner Regisseure Jakob Schuh und Jan Lachauer für „Revolting Rhymes“ nominiert. Sechs Nominierungen bekamen „Die Dunkelste Stunde“ und „Der seidene Faden“, fünf „Blade Runner 2049“ sowie „Ladybird“ und vier „Call Me by Your Name“, „Get Out“, „Mudbound“ und „Star Wars: Die letzten Jedi“.
