Kino RHEINPFALZ Plus Artikel Wo ist 007?: Eine Vorschau aufs Kinojahr 2021

Trinkt Bond künftig Caipi? Szene aus „Keine Zeit zu sterben“ mit Daniel Craig als Bond und Jeffrey Wright als Felix Leiter.
Trinkt Bond künftig Caipi? Szene aus »Keine Zeit zu sterben« mit Daniel Craig als Bond und Jeffrey Wright als Felix Leiter.

Hintergrund: Die Kinos sind in Deutschland weiter geschlossen. Die Verleiher aber sitzen auf jeder Menge spannendem Kinostoff. Eine Vorschau auf ein Kinojahr, das erneut unvorhersehbar verlaufen wird. Dass der neue Bond-Film – wie derzeit noch geplant – Ende März starten wird, scheint indes utopisch.

Auf Platz eins der Kino-Charts in den USA liegt derzeit der neue Film „The Marksman – Der Scharfschütze“. Dort sind die Kinos wieder geöffnet. Liam Neeson (68) spielt darin einen brummigen Helden, es geht um seinen Kampf gegen Drogenbosse. Wann der Film bei uns ins Kino kommt, ist ungewiss – wie bei vielen tollen Filmen aus dem Coronajahr 2020 oder gar noch aus dem Jahr 2019.

Die Westernlandschaften im Abendrot von „The Marksman“, gedreht von Robert Lorenz (ein früherer Regie-Assistent von Clint Eastwood), brauchen die große Leinwand, damit sie wirken können. Die ängstlichen Augen des Jungen, den Liam Neeson vor dem Drogenkartell an der mexikanischen Grenze rettet, würden in Handygröße nicht mal halb so mitleiderregend aussehen. Leonine, der deutsche Verleih von „The Marksman“, kündigte auch daher an, den Film so schnell wie möglich ins Kino bringen zu wollen – „sobald die Kinos wieder geöffnet werden“.

Das ist der zweite Standardsatz. Der erste ist die Kino-Todesanzeige: „nun online erhältlich“. Und dann gibt es noch unzählige Mitteilungen mit dem Satz „verschoben auf“. Die Anzahl der Mails der Presseagenturen hat sich verzehnfacht. Dabei möchte man nur das wissen, was Ralph Fiennes im Trailer von „Keine Zeit zu sterben“, dem neuen, 25. James-Bond-Film, auf den Punkt bringt: „Wo ist 007?“

Keine Kontrolle

Zur Erinnerung: Der Thriller sollte ursprünglich bereits am 2. April 2020 starten. Wie sagt Daniel Craig als James Bond so schön: „Ich verliere nie die Kontrolle!“ Alles Lüge. Zunächst wurde auf Herbst 2020 verschoben, dann auf 31. März 2021.

Bonds Konkurrentin um die große Publikumsgunst, die Superfrau Gal Gadot stellt in dem ebenfalls x-mal verschobenen Comicfilm „Wonder Woman 1984“ klar, warum ihr Film – Regie führte wie beim ersten Mal Patty Jenkins – ins Kino kommen muss: „Ich habe keinen Fernseher.“

Manchmal kommt man als Hardcore-Kinofan jedoch nicht umhin, Filme zu streamen, denn „WW84“ könnte ein Oscar-Kandidat sein, – für Spezialeffekte. Und wer weiß, wann er ins Kino kommt. Eigentlich gibt es zwei Superfrauen in dieser Comic-Verfilmung, genau wie in dem ebenfalls fürs Kino angekündigten Comic-Pendant „Black Widow“. Die australische Regisseurin Kate Shortland, die 2017 den Berlin-Touristen-Horrorfilm „Berlin Syndrome“ drehte, zaubert auch ein Feuerwerk an Action und zur Pandemie passenden Sprüche, wenn man dem Trailer glaubt: „Nichts hält für immer“, erklärt da Scarlett Johannson. Sie meint aber nicht die Politiksprüche zu den Coronaregeln, sondern die Versprechen gegenüber ihrer kampflustigen Schwester.

Jahr der Frauen?

2021 wird das Kinojahr, in dem die Regisseurinnen aufholen können, das trifft vor allem auf eine zu: die 38-jährige Chinesin Chloe Zhao. Ihr Drama „Nomadland“ gewann im Herbst 2020 das Festival von Venedig und gilt als sicherer Oscar-Kandidat. Darin spielt die großartige Frances McDormand eine Frau Mitte 50, die bewusst nicht sesshaft sein will, sondern lieber im Wohnmobil hausend durch die USA zieht und immer dann bei Amazon jobbt, wenn sie gerade mal Geld braucht. Der Film kann gestreamt werden, soll aber auch ins Kino kommen, was besser ist: Auch hier locken diese weiten Landschaften mit Naturspektakeln, die kein Fernsehschirm richtig wiedergeben kann. Zhao hat zudem bereits einen zweiten Film fürs aktuelle Kinojahr fertig: die Marvel-Comic-Verfilmung „The Eternals“ mit erneut zwei starken Frauenfiguren, gespielt von Angelina Jolie und Salma Hayek.

Aber vorher müssen noch die deutschen Regisseurinnen zum Zuge kommen: Angesagt sind der in Mannheim gedrehte deutsche Oscar-Kandidat „Und morgen die ganze Welt“, der sich mit der neuen Rechten auseinandersetzt (war auch beim Festival von Venedig und kann nun gestreamt werden) von Julia von Heinz. Vielversprechend ist zudem die Schönheitswahnkomödie „Wunderschön“ von und mit Karoline Herfurth („Fack ju Göhte“) über fünf Frauen, die mit ein paar Kilo zu viel kämpfen.

Auch Remakes können locken

Beliebter als in den Vorjahren könnte 2021 auch diese Kategorie werden: ein Remake, das nicht sein muss, aber wegen des Regisseurs interessant ist. Wenn Deutschlands bester Fernsehregisseur Dominik Graf sich Erich Kästners Roman „Fabian“ fürs Kino annimmt, wird das bestimmt besser als die müde Fassung von 1979 von Wolf Gremm. Steven Spielberg wiederum verfilmt die „West Side Story“ neu, das Musical, 50 Jahre nach dem grandiosen Film von Robert Wise (der zehn Oscars bekam). Besser machen kann Spielberg es nicht, aber was will er anders machen? Das ist die Spannung, die dahinter steht.

Dagegen nimmt es der kanadische Regisseur Denis Villeneuve mit „Dune – Der Wüstenplanet“ auf, den David Lynch vor 37 Jahren in den Sand setzte. Heute gibt es in Sachen Spezialeffekte ganz andere Möglichkeiten für opulenten Wahnsinn – und der Trailer sieht auch nach mehr Action aus.

Bei anderen für 2021 angekündigten Sequels hält sich die Vorfreude aber doch in Grenzen, so bei „Sing 2“, „Spider Man 3“, „Thor 4“ , „Indiana Jones 5“, (gibt es nichts mit 6?) „Mission Impossible 7“, „Fast and Furious 9“, „Halloween 15“. „Top Gun Maverick“, der Kampfpilotenfilm Nummer zwei 35 Jahre nach Nummer eins mit dem gut gealterten, immer noch stuntfreudige Tom Cruise (58) hat schon seinen Reiz, ebenso „Matrix 4“, 18 Jahre nach dem letzten Film, immer noch mit dem starrgesichtigen Keanu Reeves (56), aber mit neuen Spezialeffekten und neuen Welten, nun von der wilden Lana Wachowski ohne den einstigen Bruder (und heutige Schwester) inszeniert.

Doch das Beste kommt zum Schluss: Wes Andersons neue Komödie „The French Dispatch“, ein Zeitungsfilm, in ein märchenhaft bonbonartiges Paris gesetzt mit der 68er-Studentenrevolution als Hintergrund und einem Staraufkommen, bei dem jeder Hollywood-Blockbuster alt aussieht: Murray, Waltz, Swinton, Chalamet, Dafoe, Ronan, Brody, Wilson, McDormand, Norton, Moss, del Toro. Er ist einer von zwei Filmen, die wohl für große Überraschungen sorgen dürften.

Der andere ist von Peter Jackson. Keine Hobbits, kein „Herr der Ringe“, keine Fantasy, sondern das Beste aus 55 Stunden Filmmaterial, das entstand, als die Beatles 1969 „Let It Be“ aufnahmen, ein Dokumentarfilm namens „The Beatles: Get Back“, die sicher schönste Weise, um 2021 im Kino in die Vergangenheit zu reisen.

Powerfrau: Die Israelin Gal Gadot in „Wonder Woman 1984“.
Powerfrau: Die Israelin Gal Gadot in »Wonder Woman 1984«.
Großer Erfolg in den USA: „The Marksman – Der Scharfschütze“ mit Liam Neeson und Jacob Perez.
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„Deine blauen Augen...“: Die Schauspieler Zendaya und Timothée Chalamet in „Dune“.
»Deine blauen Augen...«: Die Schauspieler Zendaya und Timothée Chalamet in »Dune«.
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