Klassik RHEINPFALZ Plus Artikel Wiener Klassik beim Akademiekonzert des Nationaltheaters Mannheim

Betörendes Musizieren: Nicoas Baldeyrous ist der Solist in Mozarts Klarinettenkonzert, Benjamin Reiners steht am Pult.
Betörendes Musizieren: Nicoas Baldeyrous ist der Solist in Mozarts Klarinettenkonzert, Benjamin Reiners steht am Pult.

Für das Akademiekonzert des Nationaltheaterorchesters im Rosengarten war Mark Minkowski angekündigt, doch der Franzose war verletzt. Für ihn trat mit Benjamin Reiners ans Pult.

So ergab sich ein schönes Wiedersehen mit dem Dirigenten, der mittlerweile Generalmusikdirektor am Theater Kiel ist, wo er Georg Fritzsch nachfolgte, der nun Generalmusikdirektor im nahen Karlsruhe ist.

Der interpretatotische Akzent verschob sich durch die Umbesetzung ein wenig, denn mit Minkowski hätte ja ein Protagonist der Historischen Aufführungspraxis mit dem Nationaltheaterorchester gearbeitet. Doch deshalb waren die Wiedergaben des klassischen Programms unter Benjamin Reiners keineswegs konventionell, dickflüssig und schwerfällig. Das Gegenteil war der Fall. Vor allem bei der abschließenden dritten Sinfonie D-Dur (D200) von Franz Schubert war das Musizieren außerordentlich frisch und feurig in belebten Zeitmaßen.

Von der Welt entrückter Schwanengesang

Gerade einmal 24 Jahre umfasste übrigens die Zeitspanne, aus der die drei Werke dieses Akademiekonzerts stammten – und doch waren sie nicht nur in ihrem Charakter sehr unterschiedlich. Sie stehen auch für drei verschiedene Schaffensperioden. Klar, Schuberts Sinfonie, die Komposition eines 18-Jährigen, ist bei aller Meisterschaft und Anmut ein Jugendwerk. Zwischem ihm und der Unvollendeten oder der Großen C-Dur-Sinfonie liegen Welten. Die „Coriolan“-Ouvertüre von Beethoven ist ein Werk seiner reifen, mittleren Schaffensphase, ohne Frage.

Bleibt Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622). Gewiss ahnte Mozart im Herbst 1791 nicht, dass er das Jahresende nicht mehr erleben würde. Von einem Spätwerk zu reden, ist deshalb eigentlich unzulässig. Aber wenn es ein ideales Beispiel für einen schon von der Welt entrückten Schwanengesang gibt, dann ist es dieses Konzert mit jenem wundervollen, magischen Adagio in der Mitte.

Betörende Schlichtheit

Gerade dieses spielte der Solist, der französische Klarinettist Nicolas Baldeyrou, natürlich auf der Bassettklarinette, für die das Werk geschrieben, in betörender Schlichtheit und zartester Melodik. Überhaupt war sein Spiel bei aller Virtuosität bestechend klar und natürlich, frei von aller Eitelkeit, ganz auf den ätherischen Ton der Musik ausgerichtet. Ganz exquisit waren seine Auszierungen und seine Harmonie mit dem Orchester, das auch Benjamin Reiners zu ganz schwerlosem Spiel animierte.

Sehr schön war auch, dass als Zugabe die Reprise, also Wiederholung des Hauptteils, aus dem Adagio noch einmal gespielt wurde, angefangen von jener Stelle, bei der die Melodie so leise wie irgend möglich gespielt wird. Nicolas Baldeyrou hat sich hier sehr gut bewährt.

Reiners setzt straffe Akzente

Benjamin Reiners ist kein Vertreter der historisch informierten Aufführungspraxis, er setzte auch moderne Trompeten und Hörner ein, wo viele Kollegen heute in Sinfonieorchestern historische Instrumente einsetzen. Aber schon bei der „Coriolan“-Ouvertüre sorgte er für straffe Akzente und dramatische Intensität – und für die notwendige Klangrede in einem vielschichtigen, markanten Ton.

Bei der Sinfonie von Franz Schubert vermittelte er dem Werk ebenfalls ein klares Profil und überzeugte durch eine sehr agile und im Klang sehr farbenreiche Wiedergabe. Für den Hauptteil des ersten Satzes und das rhythmisch pulsierende Finale wählte er, wie erwähnt, rasante Zeitmaße und ließ die musikalischen Funken sprühen. Im Allegretto wäre in den Rahmenteilen ein klein wenig mehr Tempo möglich gewesen. Aber zugespitzt war die Wiedergabe auch hier.

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