Serie
Was wir jetzt brauchen: einen Weihnachtsmarkt daheim
Halleluja! Was hat’s uns da vom Himmel geschneit? Advent, staade Zeit, ist ja alles schön. Sehr schön sogar. Aber muss es gleich totenstill sein? Sie gehören doch irgendwie auch zur ohnehin so kalten Jahreszeit dazu, die Fahrten in Städte, die gerade an Weihnachten besonders schön sind. Ausflüge nach Straßburg, Stuttgart, Würzburg, Trier, Nürnberg, München, Mannheim zum Freunde treffen, Glühwein trinken, in Weihnachtsstimmung kommen, den Frust, dass der Sommer schon wieder vorbei ist, ein bisschen vergessen. Durch die Stände schlendern mit der leisen Hoffnung, das Puzzle mit den vielen fehlenden Weihnachtsgeschenken zumindest in Teilen schon lösen zu können. Sich drüber ärgern, dass mal wieder viel zu früh „Stille Nacht“ gespielt wird. Glühweintassen mit heimbringen für die bunte Sammlung im Schrank, die von so vielen Reisen mit so vielen lieben Menschen erzählt. Dieses Jahr gibt’s das wohl nicht. Oder vielleicht doch?
Abenteuer draußen
Also was braucht man dafür? Ein kühl gelegenes Freigelände – da tut’s die Terrasse. Glühwein – lässt sich auf dem Herd machen. Freunde – können ja zumindest mal einzeln zum Besuch vorbeikommen. Zwei Haushalte, Corona und so. Vielleicht Waffeln? Eine Feuerstelle? Fertig ist der Weihnachtsmarkt daheim. Ich probiere es aus. Als erstes hole ich das Waffeleisen aus dem Keller, google Waffelrezepte und finde schließlich eins mit Zimt, das ganz weihnachtlich klingt und die Figur nicht komplett versaut, weil keine Sahne drin ist. Winzerglühwein steht seit dem letzten Einkauf von Neuem Wein im Hofladen im Keller. In der Garage lagert seit neuestem ein bisschen Holz und eine Feuerschale, mangels Kamin im Haus – weil Feuer so schön gemütlich ist und so an Abenteuer und draußen was erleben erinnert.
Die Feuerschale ist schnell aufgebaut. Wie das Holz gestapelt werden muss, damit es am besten brennt, habe ich inzwischen auch raus, und der Trick, Wachs auf die Scheite zu legen, den ich mir von meinem Vater mal abgeschaut habe, funktioniert auch draußen ganz gut.
Anfängerfehler
Der Glühwein wird warm auf dem Herd, der Waffelteig ist zusammengemixt, in der Mikrowelle dreht sich eine Packung Karamellpopkorn. Jetzt noch schnell das Waffeleisen – ein Erbstück von der Oma – einfetten. Verdammt. Absoluter Anfängerfehler. Autsch! Die Waffelfalle ist zugeschnappt. Ich wollte es nur einfetten, aber das schwere Eisenteil wollte wohl nicht, ist auf meinen Daumen gekracht. Zum Glück bin ich ja drin, und im Eisfach ist Eis. Kühlt ganz gut, während der Glühwein heiß wird.
Draußen lodert das Feuer. Das Thermometer zeigt 6 Grad. Die Generalprobe für den Weihnachtsmarkt daheim läuft. Das Eisen steht inzwischen draußen und wird heiß, die Waffeln sind erst zu labbrig, zwischendrin verkohlt, aber am Ende hab’ ich’s raus. Der Glühwein vom Winzer hält im Topf recht lange warm, das Feuer lodert, das Karamellpopkorn schmeckt zwar nicht ganz so wie die gebrannten Mandeln am Gutselstand, und Mohrenköpfe für den Heimweg gibt es auch nicht, aber es ist ja auch nicht jeder Weihnachtsmarkt gleich.
Betreiber zu sein, ist stressig
Mein Daumen schmerzt und erinnert mich an die Waffelfalle. Das Feuer knackt. Der Glühwein ist fast leer. Fehlen noch die Freunde. Aber die können nach der fast unfallfrei verlaufenen Generalprobe ruhig kommen, vielleicht selbst mal Holz nachlegen, die Waffeln aus dem Eisen holen, mit Puderzucker bestreuen, den Glühwein warmhalten und sich selbst nachschenken. Denn Weihnachtsmarktbetreiber für seinen eigenen Weihnachtsmarkt zu sein, ist stressig – aber, mal abgesehen vom kaputten Daumen – auch ganz schön mit den Glühweintassen aus Speyer, Weiden, Würzburg, Nürnberg, München …
Der Tag danach: Der Daumen tut fast nicht mehr weh, der Magen fühlt sich ein bisschen flau an. Waren wohl zu viele Waffeln. In der Küche duftet es nach Gebäck und Puderzucker. Ein paar verkohlte Reste in der Schale erinnern noch an das lodernde Feuer von gestern. Auf dem Hocker, auf dem das Waffeleisen stand, klebt noch ein Teigrest, der Gartentisch hat Glühweinflecken. Die Glühweintasse steht in der Spülmaschine, aber ganz viele im Schrank warten noch auf ihren Einsatz. Weihnachtsmarkt daheim, Fortsetzung folgt. Treffpunkt Feuerschale. Zu Hause ist fast so schön wie draußen.