Kultur Wahlverwandtschaften

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Auf risikolosen Repertoire-Wegen verlief das Programm der ersten musikalischen Akademie des Nationaltheaterorchesters im Mannheimer Rosengarten. Unter der Leitung von Alexander Soddy gab es Anton Weberns Passacaglia Opus 1, die erste Sinfonie von Johannes Brahms und Mendelssohns Violinkonzert mit Augustin Hadelich als Solisten.

Hadelich und Mendelssohn: Das war fast eine Wahlverwandtschaft. So glasklar (und manchmal schwebend schön) hat man das Konzert selten gehört. Der 34-jährige Deutsch-Amerikaner scheint Mendelssohns Klangwelt förmlich inhaliert zu haben. Entschlossene Ernsthaftigkeit traf sich mit jener klar strukturierten, fast schon zu reifen Empfindung, die den seiner Fähigkeiten bewussten Musiker ausmacht. Also der „molto appassionato“ überschriebene erste Satz mit klug gebremster Emphase gespielt, das Andante zurückhaltend- entspannt, der Finalsatz mit rhythmischer Eleganz tänzerisch bewegt zum guten Ende gebracht. Alles ohne auf virtuose Schauteile schielende Mätzchen. Großer Beifall und als Zugabe die mit geigerischen Höchstschwierigkeiten gespickte 24. Solo-Caprice a-Moll von Niccolò Paganini, die Hadelichs solistische Tugenden noch einmal wie unter einem Brennglas aufscheinen ließ. Arpeggien und Pizzikati gelangen superb, die Untiefen des Nur-Etüdenhaften waren mit souveräner Selbstverständlichkeit beiseite gelassen. Ein bisschen Sommernachtstraum-Stimmung bei Paganini. Da hatten Webern und Brahms es schon etwas schwer. Weberns zehnminütiges „Gesellenstück“ war für Generalmusikdirektor Soddy und das Nationaltheaterorchester eine große, aber mit verständnisvoller Professionalität absolvierte Aufgabe. Dass man die leicht depressive Grundhaltung der „Passacaglia“ zugunsten ihrer formalen Aufdröselung beiseite ließ, auch gut. Bei Meister Brahms verbieten sich akustische Leckereien eh von selbst. Soddy sah auf großräumige Disposition, ließ meist flüssig-unverbissen musizieren, Gewichte und Proportionen waren gut austariert, das Ergebnis war handwerklich und musikalisch auf der rechten Spur, aber nichts so, dass es - nur ein Beispiel: das von einer seltsam instabilen Unruhe erfüllte Allegretto - zum ganz großen Brahms-Glück gereicht hätte. Was am Ende auch keine Tragödie war, denn wenn in diesem Zusammenhang ein Satz unumstößlich gilt, ist es der: „Brahms geht immer!“

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