Fotografie RHEINPFALZ Plus Artikel Violette Venen: Claudia Gaupp aus Göcklingen mit internationalem Gartenfotopreis geehrt

Spätabends im Juni hat Claudia Gaupp aus Göcklingen in ihrem Garten diese Iris forografiert (Ausschnitt) – und wurde dafür ausge
Spätabends im Juni hat Claudia Gaupp aus Göcklingen in ihrem Garten diese Iris forografiert (Ausschnitt) – und wurde dafür ausgezeichnet.

Alljährlich werden beim Wettbewerb „International Garden Photographer of the Year“ (IGPOTY) gelungene Gartenfotos gesucht. Ein Gütesiegel, hinter dem die berühmten Royal Botanic Gardens in Kew stehen. Eine Südpfälzerin hat dabei einen zweiten Preis erzielt. Die besten IGPOTY-Fotos sind auch bundesweit in Ausstellungen zu sehen, derzeit etwa in Hannover.

„Es war spät abends nach Sonnenuntergang im Juni, als ich auf meiner Gartenterrasse diese schöne Iris im Bild festhielt. Dabei habe ich mich auf das Venenmuster der Blütenblätter konzentriert.“ Claudia Gaupp erinnert sich an die Umstände für die Aufnahme eines außergewöhnlichen Fotos, das eine violette Iris in Großaufnahme zeigt. Dafür wurde sie jetzt von einer internationalen Jury unter Leitung des Königlichen Botanischen Gartens Kew in London mit einem renommierten Preis belohnt. Die 42-Jährige aus Göcklingen gewann mit „Violette Venen“ beim jährlichen Gartenfotowettbewerb IGPOTY („International Garden Photographer of the Year“) in der Kategorie „Die Schönheit der Pflanzen“ den zweiten Preis.

„In diesem Wettbewerb sind viele Profis aus aller Welt unterwegs, umso größer ist meine Freunde über die Auszeichnung“, sagt die Architektin, die heute Apps entwickelt und mit ihrem Mann das Unternehmen Movingworld leitet. Als Architektin gehörte das Fotografieren zu ihrer beruflichen Tätigkeit, inzwischen ist es für sie als Hobby ein schöner Ausgleich zur Arbeit.

„Die Komposition ist wichtig“

„Mich macht ein gutes Foto glücklich, das ich nicht mehr groß bearbeiten muss. Meine Motive finde ich vorrangig in meinem Garten“, sagt Gaupp, deren Lieblingspflanze die Iris ist. Fotobegeisterten Pflanzenliebhabern empfiehlt sie, mit offenen Augen durch den Garten zu gehen und sich Zeit für Aufnahmen zu nehmen. „Bei Gartenbloggern sehe ich oft Blumenfotos mit Laub und anderen zufälligen Dingen auf dem Bild, die dort nicht hingehören. Die Komposition ist wichtig“, sagt Gaupp.

Morgens und abends seien gute Zeiten für Aufnahmen, knalliges Sonnenlicht sollte vermieden werden. Und man sollte seinen Blick nach einem geeigneten Bildobjekt schweifen lassen und offen für neue Eindrücke sein: „Das Sehen ist entscheidend, nicht die Kamera. Man kann auch mit einem Smartphone sehr gute Fotos machen.“

Winterliche Freiluft-Schau in Hannover

Während Gaupp zu den Preisträgern mit Fotos aus dem Jahre 2020 gehört, werden bis Ende April die IGPOTY-Siegerfotos mit den weltweit besten Garten-, Pflanzen-, Blumen- und Botanikfotos des Jahres 2019 in einer Freiluftausstellung im Berggarten Hannover gezeigt. In der trotz Corona geöffneten Ausstellung findet sich ein Foto von Ulrike Adam aus Osterholz-Scharmbeck.

Es zeigt in Großaufnahme verblühte weiß-gelbe Blüten des Zierlauchs in einem Meer von blauen Blüten der Katzenminze aus dem Botanischen Garten Bremen. „Auch Verblühtes ist schön!“, betont Adam. Sie ist morgens mit der Kamera unterwegs, um mit den ersten Sonnenstrahlen die richtige Stimmung einzufangen.

„Schneesturm im Mai“

Zu sehen ist auch das Foto „Schneesturm im Mai“ aus dem Höhenpark Killesberg in Stuttgart. Es stammt von Martin Staffler, der eine Wiese mit einem großen weißen Kerbelfeld vor dem Hintergrund von weißen Blüten an Taschentuchbäumen im Bild festgehalten hat. „Das ist eine schöne Anerkennung für das eigene Schaffen“, betont der gelernte Landschaftsgärtner und studierte Landschaftsarchitekt. Er ist Autor mehrerer Gartenbücher und arbeitet für Gartenzeitschriften.

„Gartenfotos werden immer wichtiger, denn sie sind der Türöffner, damit die Zeitschrift gekauft wird“, sagt der Stuttgarter und fügt hinzu: „Klassische Gartenpflanzen wie Rosen, Lavendel und Rittersporn standen früher auf den Fotos im Vordergrund. Inzwischen geht es mehr in Richtung ökologischer Garten mit Ziergräsern, Stauden und Blumenzwiebeln-Kombinationen. Außerdem spielt auf den Aufnahmen die Dekoration mit Brunnen, Terrassen und Pool eine immer wichtigere Rolle.“

Nicht nur Idylle

Die IGPOTY-Preise werden in 20 Kategorien wie „Wildblumen-Landschaften“, „Wildlebende Tiere im Garten“ oder „Schöne Gärten“ vergeben. Um dabei die Realität des Klimawandels nicht aus dem Blick zu verlieren, wurde die neue Kategorie „Pflanzen und Planet“ eingeführt. Das Gewinnerbild von 2019 des Italieners Albert Ceolan zeigt eine zerstörte Baumlandschaft in Südtirol. 14 Millionen Bäume wurden 2018 vom Sturm „Vaia“ gefällt – man sieht einige windschiefe Kiefern, die sich aufrecht gehalten haben in einem Meer von auf dem Boden liegenden Holzstämmen.

Zum Weitersehen

  • Weitere Fotos von Claudia Gaupp finden sich auf Instagram unter @lostinblooms. Die IGPOTY-Gewinnerfotos werden auf www.igpoty.com präsentiert.
  • Ausstellung „Weltgartenfoto“, bis 30. April 2021 im Berggarten Hannover
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»Auch Verblühtes ist schön«, sagt Fotografin Ulrike Adam über ihr Motiv, das Zierlauch-Blüten und Katzenminze im Botanischen Garten Bremen zeigt. Aufgenommen hatte sie es am frühen Morgen.
Nicht nur Idylle: In derKategorie „Pflanzen und Planet“ gewann der Italiener Albert Ceolan 2019 mit diesem Motiv.
Nicht nur Idylle: In derKategorie »Pflanzen und Planet« gewann der Italiener Albert Ceolan 2019 mit diesem Motiv.
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