CD-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Venezianisches Oratorium von Johann Adolph Hasse: Eine Aufnahme der Spitzenklasse

Moses und die eherne Schlange: Deckengemälde in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer.
Moses und die eherne Schlange: Deckengemälde in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer.

Gestern ist sie erschienen, die Aufnahme des Oratoriums „Serpentes ignei in deserto“ (Feuerschlangen in der Wüste) von Johann Adolph Hasse, das dieser wohl in den 1730-Jahren für eines der musikalischen Waisenhäuser in Venedig komponierte (an einem anderen war bekanntlich der rote Priester Antonio Vivaldi tätig).

Gestern ist sie erschienen, die Aufnahme des Oratoriums „Serpentes ignei in deserto“ (Feuerschlangen in der Wüste) von Johann Adolph Hasse, das dieser wohl in den 1730-Jahren für eines der musikalischen Waisenhäuser in Venedig komponierte (an einem anderen war bekanntlich der rote Priester Antonio Vivaldi tätig). Da es dort von den in der Musik unterwiesenen Mädchen musiziert wurde, gibt es nur hohe Stimmen, wie in Vivaldis bekannter „Juditha Triumphans“. Und auch Hasses Oratorium über die Geschichte von den Feuerschlangen, die Gott über den Israeliten in der Wüste ausstreut und deren Bisse nur durch den Blick auf die von Moses aufgestellte eherne Schlange geheilt werden kann, vertont einen lateinischen Text. Das Libretto ist von Bonaventura Bonomo nach dem Buch Numeri 21, 4-9 (ein ausdrucksvolles Fresko der ehernen Schlange aus dem vierten Buch Mose ist übrigens in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer zu sehen).

Es gibt bis auf einen Engel nur männliche Protagonisten

Bis auf einen geschlechtsneutralen Engel gibt es in dem 90-minütigen Werk nur männliche Protagonisten, an der Spitze natürlich Moses. In Venedig sangen aber, wie gesagt, nur Mädchen. In der neuen Aufnahme des Werks unter Thibaut Noally mit seinem Ensemble Les Accents wirkt dagegen nur eine Sängerin mit, die phänomenale russische Sopranistin Julia Lezhneva, für die Männerrollen werden aber natürlich nicht - wie früher üblich - Tenöre und Bässe eingesetzt, sondern Countertenöre und Sopranisten. Das Verfahren von ehedem wird also irgendwie umgekehrt. Den Moses singt dabei Philippe Jaroussky, sozusagen der Altmeister seiner Zunft, wenn auch „erst“ 46 Jahre alt. Ihm zur Seite stehen vier jüngere Kollegen, die aber schon zur absoluten Spitze des Stimmfachs gehören: Jakub Józef Orlinski, Bruno de Sá, Carlo Vistoli und David Hansen.

Das ist der Papierform nach also eine veritable Traumbesetzung – und das Fantastische an diesen beiden Silberlingen ist, dass alle ihrem Anspruch voll gerecht werden.

Beginnen wir mit dem Komponisten: Das Oratorium ist bester Hasse mit Arien in einer Fülle von Affekten, immer nicht ganz kurz, aber so, dass man sich überhaupt nicht an der Musik satthören kann.

Eine Starbesetzung

Thibaut Noally, als Konzertmeister Les Accents anführend, motiviert sein Ensemble zu einem mal sehr elastischen, mal kantablen Spiel, das den Ton der Musik überzeugend trifft.

Bei ihrem Vortrag der beiden Arien des Engels entfaltet Julia Lezhneva einmal mehr die Aura und umwerfende Virtuosität ihres strahlenden Soprans. Philippe Jaroussky gestaltet die Partie mit großer Klarheit und bestechender Würde.

Carlo Vistoli erweist sich mit der Arie des Eleazar, die schon in Richtung Mozart geht, als Countertenor von immenser Ausstrahlung. Jakub Józef Orlinski hat als Nathanael eine der bewegtesten Arien, die der Breakdancer mit ebenso viel Dynamik wie Stimmkunst singt, sein Timbre dabei optimal zur Wirkung bringend.

David Hansen singt den Eliab sehr brillant und locker in den Koloraturen. Schlicht eine Sensation ist der berückende Vortrag des Sopranisten Bruno de Sá als Josue.

Ein Aufnahme der Spitzenklasse.

x