E-Mail aus palatina RHEINPFALZ Plus Artikel Tiefenthaler Kunstkabinett: Der wandernde Maler im Leiningerland

Mehrere Wochen war Heinrich Mauersberger in der VG Leiningerland unterwegs.
Mehrere Wochen war Heinrich Mauersberger in der VG Leiningerland unterwegs.

Es war ein echtes Mammutprojekt: Auf Geheiß der Verbandsgemeinde Leiningerland (Kreis Bad Dürkheim) machte sich der Leipziger Künstler Heinrich Mauersberger zu Fuß auf den Weg, um das Charakteristische, das Besondere ihrer 21 Dörfer und acht Ortsteile herauszuarbeiten. Das Ergebnis ist noch bis zum 12. September im Tiefenthaler Kunstkabinett zu sehen. Und auch ein Buch zur Aktion gibt es bald.

Heinrich Mauersberger hat sich geschunden: Rund 400 Kilometer weit trugen ihn seine Füße im vergangenen Jahr durchs Leiningerland, immer auf der Suche nach dem einen besonderen Motiv, stets bewaffnet mit Pinsel und Staffelei. Dass die Wahl dabei nicht immer auf eine schmucke Kirche oder Burgruine fallen musste, sondern gerne auch mal eine Tankstelle, ein Fabrikgebäude oder ein Bahnübergang sein konnte, das mag den einen oder anderen Betrachter am Ende vielleicht überrascht haben. „Die Bilder haben für Gesprächsstoff gesorgt“, sagt Wolfgang Thomeczek, der sie seit Mai in seinem Kunstkabinett zeigt.

Kunst fürs Gemeinschaftsgefühl

Und genau das sollten sie ja auch: Kommunikation ermöglichen, Begegnungen und damit die Grundlage für ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, das man sich in der noch blutjungen VG Leiningerland wünscht. 2018 ist sie aus der Fusion der Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim hervorgegangen. Der Prozess des Zusammenwachsens, er dauert noch an. VG-Bürgermeister Frank Rüttger und Wolfgang Thomeczek hatten die Idee, die Kunst bei dieser Identitätsfindung helfen zu lassen.

Mit dem Blick eines Auswärtigen

Recht schnell war auch klar, dass man für dieses Projekt einen auswärtigen Künstler wollte, der mit klarem, unverstelltem Blick an die Sache herangehen konnte. Papierschnitt-Künstlerin Annette Schröter, die selbst schon in Tiefenthal ausgestellt hatte, empfahl Thomeczek für dieses Unterfangen den jungen Heinrich Mauersberger, der schon in Uruguay als wandernder Maler unterwegs und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bis 2016 Schröters Meisterschüler war. Einer, der anders als viele akademisch ausgebildete Künstler kein Problem mit der Freilichtmalerei hat, sondern in ihr geradezu aufgeht. Allerdings musste man ihm zunächst das Wort „Verbandsgemeinde“ erklären; in Sachsen kennt man eher „Verwaltungsgemeinschaften“.

Realistisch und sachlich

Noch bis zum 12. September sind die 30 Bilder – 29 kleinere im Format 30 mal 40 Zentimeter, dazu ein großes Gemeinschaftsbild –, die bei dem Projekt entstanden sind, im Tiefenthaler Kunstkabinett zu sehen. Ölgemälde, eher „realistisch“ als „abstrakt“, mehr „sachlich“ als „romantisch“. Mauersberger war begeistert von der architektonischen Vielfalt der Region, diesem Nebeneinander von Fachwerk und art déco, Bauhaus und Jugendstil, Burgen und Industrieromantik. Immer wieder tauchen in den Bildern die gleichen Elemente auf: Wege, Tore, Brücken. Dinge, die Begegnungen ermöglichen und so den Zweck des Projekts nochmal künstlerisch aufgreifen.

In Buchform von Michael Dostal

Demnächst kann man all das übrigens auch in Buchform bestaunen: Auf 80 Seiten liefert „Begegnung“, gestaltet und getextet vom Journalisten Michael Dostal und seinem Unternehmen VielPfalz, viel Wissenswertes rund um das Projekt. In den freien Handel kommt es zunächst jedoch nicht; erstmal soll es als wertiges Präsent der Verbandsgemeinde dienen. Beim Ausstellungsfest am 6. September, verspricht Wolfgang Thomeczek, soll es für den guten Zweck aber einige Exemplare zu erwerben geben.

Termine

Kunstkabinett am Sonntag, 6. September, ab 11 Uhr. VG-Bürgermeister Frank Rüttger spricht ein Grußwort; Annette Schröter von der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst hält eine Laudatio; die Big Band der Musikschule Leiningerland musiziert. Anschließend, vom 7. September bis zum 11. September, findet eine „Woche der Begegnung“ statt (Öffnungszeiten 16 bis 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung, 0171/5775690). Finissage mit Konzert am Samstag, 12. September, 17 Uhr, mit Eva Mauersberger (Klarinette) und Franz Mader (Klavier). Heinrich Mauersberger wird an beiden Terminen vor Ort sein.

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