E-Mail aus palatina
Tiefenthaler Kunstkabinett: Der wandernde Maler im Leiningerland
Heinrich Mauersberger hat sich geschunden: Rund 400 Kilometer weit trugen ihn seine Füße im vergangenen Jahr durchs Leiningerland, immer auf der Suche nach dem einen besonderen Motiv, stets bewaffnet mit Pinsel und Staffelei. Dass die Wahl dabei nicht immer auf eine schmucke Kirche oder Burgruine fallen musste, sondern gerne auch mal eine Tankstelle, ein Fabrikgebäude oder ein Bahnübergang sein konnte, das mag den einen oder anderen Betrachter am Ende vielleicht überrascht haben. „Die Bilder haben für Gesprächsstoff gesorgt“, sagt Wolfgang Thomeczek, der sie seit Mai in seinem Kunstkabinett zeigt.
Kunst fürs Gemeinschaftsgefühl
Und genau das sollten sie ja auch: Kommunikation ermöglichen, Begegnungen und damit die Grundlage für ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, das man sich in der noch blutjungen VG Leiningerland wünscht. 2018 ist sie aus der Fusion der Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim hervorgegangen. Der Prozess des Zusammenwachsens, er dauert noch an. VG-Bürgermeister Frank Rüttger und Wolfgang Thomeczek hatten die Idee, die Kunst bei dieser Identitätsfindung helfen zu lassen.
Mit dem Blick eines Auswärtigen
Recht schnell war auch klar, dass man für dieses Projekt einen auswärtigen Künstler wollte, der mit klarem, unverstelltem Blick an die Sache herangehen konnte. Papierschnitt-Künstlerin Annette Schröter, die selbst schon in Tiefenthal ausgestellt hatte, empfahl Thomeczek für dieses Unterfangen den jungen Heinrich Mauersberger, der schon in Uruguay als wandernder Maler unterwegs und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bis 2016 Schröters Meisterschüler war. Einer, der anders als viele akademisch ausgebildete Künstler kein Problem mit der Freilichtmalerei hat, sondern in ihr geradezu aufgeht. Allerdings musste man ihm zunächst das Wort „Verbandsgemeinde“ erklären; in Sachsen kennt man eher „Verwaltungsgemeinschaften“.
Realistisch und sachlich
Noch bis zum 12. September sind die 30 Bilder – 29 kleinere im Format 30 mal 40 Zentimeter, dazu ein großes Gemeinschaftsbild –, die bei dem Projekt entstanden sind, im Tiefenthaler Kunstkabinett zu sehen. Ölgemälde, eher „realistisch“ als „abstrakt“, mehr „sachlich“ als „romantisch“. Mauersberger war begeistert von der architektonischen Vielfalt der Region, diesem Nebeneinander von Fachwerk und art déco, Bauhaus und Jugendstil, Burgen und Industrieromantik. Immer wieder tauchen in den Bildern die gleichen Elemente auf: Wege, Tore, Brücken. Dinge, die Begegnungen ermöglichen und so den Zweck des Projekts nochmal künstlerisch aufgreifen.
In Buchform von Michael Dostal
Demnächst kann man all das übrigens auch in Buchform bestaunen: Auf 80 Seiten liefert „Begegnung“, gestaltet und getextet vom Journalisten Michael Dostal und seinem Unternehmen VielPfalz, viel Wissenswertes rund um das Projekt. In den freien Handel kommt es zunächst jedoch nicht; erstmal soll es als wertiges Präsent der Verbandsgemeinde dienen. Beim Ausstellungsfest am 6. September, verspricht Wolfgang Thomeczek, soll es für den guten Zweck aber einige Exemplare zu erwerben geben.