Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Theater auf dem Theater – Die Oper „Ariadne auf Naxos“ am Saarländischen Staatstheater

Pauliina Linnosaari als Ariadne in der Oper von Richard Strauss.
Pauliina Linnosaari als Ariadne in der Oper von Richard Strauss.

Die beiden jungen Regisseurinnen Alexandra Szemeredy und Magdolna Parditka stellten am Sonntag am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken eine brandaktuelle Interpretation der Richard-Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“ vor. Das Staatsorchester unter Leitung von Justus Thorau fesselte durch Fülle und Klangschönheit.

Brauchen wir Theater? Darüber sinniert der Intendant (Hartmut Volle), während er sich auf den Besuch der nicht eben kunstaffinen Politikerin Gerlinde Schmidt-Sauberstein (Andrea Wolf) einstellt und hinter ihm die letzten Vorbereitungen zur Oper „Ariadne auf Naxos“ eines jungen Komponisten (Carmen Seibel) laufen. Theater auf dem Theater also. Die Bühne, die das Regieteam ebenfalls gestaltet hat, zeigt links vorne den Intendanten, der in philosophischen Schriften über das Theater wühlt, rechts vorne ist eine Sitzgruppe mit einem großen TV-Bildschirm, ganz am Rand steht ein Klavier. Hinten auf der Bühne sitzt das Orchester, geschäftige Vorbereitungen laufen, Tenor Bacchus (Angelos Samartzis) wird beim Proben seiner Spitzentöne gestört und droht mit Abreise.

Politikerin zu Besuch

Und die smarte Politikerin lässt bei ihrem Besuch auch gleich eine Bombe platzen. Das Theater muss optimiert werden, damit es mehr Effizienz produziert. Heißt konkret, dass sie zwei Stücke gleichzeitig sehen will. Und keine einsame Insel – denn wenn sie einen Inselurlaub bucht, will sie Spaß haben! Nach der ersten Bestürzung machen sich der Intendant, der Musiklehrer des Komponisten (Stefan Röttig) und Zerbinetta (Liudmila Lokaichuk), die Chefin der Komödiantentruppe, an die Aufgabe, den sich sträubenden Komponisten zum Kürzen seiner tragischen Oper Ariadne um die verlassene Königstochter, die Primadonna des Abends (Pauliina Linnosaari) zu bringen.

Zerbinetta meistert diese Aufgabe schnell, indem sie einfach das Setting auf den Punkt bringt. Die verlassene Königstochter auf der Insel trauert – und wir kommen dazu und trösten sie. Mit dem Komponisten flirtet sie so lange, bis er das Ganze schluckt. Und das funktioniert auch.

Tragische Ariadne in plüschigen Räumen

Das Saarbrücker Regieteam hebt dabei zusammen mit dem spielfreudigen Ensemble die moderne Struktur der Oper hervor, in der mehrere Spielebenen zersplittert und dann szenisch wie musikalisch wieder zusammengesetzt und ineinander verschränkt werden. Ein schillerndes Prisma entsteht so, das moderne Ästhetikkonzepte vorwegnimmt. Die plüschigen Räume der tragischen Ariadne und das moderne Apartment mit Küchenzeile der Komödiantentruppe liegen nebeneinander. Je nachdem, auf welcher der beiden Handlungsstränge gerade der Fokus legt, fährt die Bühne seitlich hin und her. Und die Zuschauer vergessen nie, dass sie Theater im Theater sehen, denn auch die Königstochter Ariadne verschanzt sich schon mal im Kostümfundus neben ihrem schwarz ausgeschlagenen Ruhebett.

Carmen Seibel stellt den hin- und her gerissenen Komponisten mit ihrem ausdrucksstarken Spiel und ihrem wunderbar aufblühenden Mezzosopran mitreißend dar, die anpassungsfähige Zerbinetta mit ihren virtuosen, absolut sicheren und klangschönen Koloraturen hat mit Liudmila Lokaichuk eine ideale Interpretin gefunden. Und Bacchus (Angelos Samartzis) bringt mit seiner fulminanten tenoralen Strahlkraft die trauernde Ariadne schließlich auch dazu, sich ihren Ex Theseus endlich aus dem Kopf zu schlagen. Und die findet sich nach klangschönem Widerstreben, bei dem Pauliina Linnosaaris voller lyrischer Sopran wundervoll aufblüht, schließlich auch dazu bereit. Das Staatsorchester vereint die unterschiedlichsten Stile harmonisch und setzt unter dem differenzierten Dirigat von Justus Thorau Schlaglichter. Tragische Oper und die Commedia dell'arte, die italienische Stegreifkomödie, gehen Hand in Hand – sogar die Politikerin, sonst kein Theater- und schon gar kein Opernfan, ist am Schluss begeistert! Das Saarbrücker Publikum ebenfalls.

Termine

15., 25. September; 20. Oktober; 1., 6. November.

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