Ludwigshafen
Staatsphilharmonie begeistert mit Webern, Schönberg und Berg

Tatsächlich stammten alle aufgeführten Werke beim jüngsten Konzert der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz von Schönberg, Berg und Webern, aber in zwei von drei Fällen haben sie sich als Bearbeiter älterer Komponisten betätigt. Anton Webern zum Beispiel hat sich ein Spätwerk Johann Sebastian Bachs vorgenommen, das sechsstimmige Ricercar aus dem „Musikalischen Opfer“, das künstlerische Ergebnis von Bachs Besuch beim Preußen-König Friedrich Wilhelm II. im Jahre 1747.
In Weberns Bearbeitung des Ricercar kommt kein einziger Ton vor, der nicht auch bei Bach steht, trotzdem klingt das Werk auf irritierende Weise fremd und modern. Webern hat Bachs Ricercar auseinander genommen und neu zusammengesetzt, er hat bestimmte Motive mit den Klangfarben bestimmter Instrumente zusammen gebracht. Die barocken Kompositionsmuster lassen sich dadurch ohne Mühe verfolgen, Webern hat die Bachschen Strukturen, wenn das überhaupt möglich ist, noch deutlicher gemacht. „Meine Instrumentation versucht, den motivischen Zusammenhang bloß zu legen“, schrieb Webern. „Das war nicht immer leicht“. Aber es ist ohne jeden Zweifel beispielhaft gelungen, auch weil die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter dem niederländischen Dirigenten Otto Tausk die von Webern angestrebte musikalische Klarheit mustergültig umsetzte.
Ein ganz ähnliches Anliegen hatte Arnold Schönberg, als er Johannes Brahms’ Klavierquartett g-Moll für Orchester bearbeitete. Er hat darüber kurz und knapp Auskunft gegeben: „1. Ich liebe das Stück. 2. Es wird selten gespielt. 3. Es wird immer sehr schlecht gespielt, weil der Pianist desto lauter spielt, je besser er ist, und man nichts von den Streichern hört.“ Das ist in seiner Bearbeitung des Klavierquartetts definitiv anders. Ähnlich wie bei Webern verdeutlicht auch Schönberg die motivischen Zusammenhänge, aber anders als Webern bringt Schönberg seine Kenntnisse von Brahms’ Instrumentationsstil mit ein.
Brahms liebte die tiefen Orchesterinstrumente, und das hört man an Schönbergs Bearbeitung sehr deutlich. Ein Kompliment in diesem Zusammenhang an die Kontrabassisten der Staatsphilharmonie. Überhaupt war das Orchester an diesem Abend unter der Leitung des niederländischen Gastdirigenten Otto Tausk in glänzender Spiellaune und mit viel Präzision bei der Sache – bei diesem Programm eine besonders dringende Voraussetzung.
Alban Bergs Violinkonzert – „dem Andenken eines Engels“ – ist das wohl prominenteste Werk der Wiener Schule überhaupt, dessen Entstehungsgeschichte niemanden unberührt lässt. Komponiert unter dem Eindruck des Todes der 19-jährigen Manon Gropius, der Tochter Alma Mahlers und des Bauhaus-Gründers Walter Gropius, war Berg bei diesem Konzert, immerhin ein zwölftönig komponiertes Werk, ohne jede Scheu vor tonalen Einsprengseln und ohne jemals die Aura des Geheimnisvollen zu verlassen.
Schon gleich zu Anfang tastete sich der Schweizer Geiger Sebastian Bohren auf wundersame Art durch die gebrochenen Akkorde des Beginns, die das thematische Material dieses Konzerts und gleichzeitig die Atmosphäre des Rätselhaften exponieren. Und wenn im Schluss-Abschnitt des Konzerts der Bach-Choral „Es ist genug. So nimm, Herr, meinen Geist“ notengetreu zitiert wird, erzeugt das wohl nicht nur im Rezensenten das Gefühl der Ergriffenheit.