Heidelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Stückemarkt: Gastspiele aus Berlin, München und China

Mit der Produktion „dumme jahre“ ist das Nationaltheater Weimar zu Gast in Heidelberg.
Mit der Produktion »dumme jahre« ist das Nationaltheater Weimar zu Gast in Heidelberg.

Nach der Tanzbiennale kündigt das Theater Heidelberg das nächste Festival an: den 42. Stückemarkt, der vom 25. April bis 4. Mai der Gegenwartsdramatik eine Bühne gibt.

Seit 1984 rückt der Heidelberger Stückemarkt an zehn Tagen im Frühling neue Theaterliteratur in den Fokus. Um den mit 10.000 Euro dotierten sogenannten Autor*innenpreis konkurrieren sechs Dramatikerinnen und Dramatiker: Lisa Danulat, Yannic Han Biao Federer, Svealena Kutschke, Sean Pfeiffer, Rebecca C. Schnyder und Zehra Sönmez. Ihre Texte werden in Lesungen vorgestellt. Die Zahl von 103 Einsendungen zeige die Bedeutung des Festivals für Theaterautoren, sagte Intendant Holger Schultze bei einer Pressekonferenz. Für ihn, der seit 2011 am Haus ist, wird es der vorletzte Stückemarkt sein. Er hat seinen Abschied nach 15 Jahren und Eintritt in den Ruhestand zum Ende der Spielzeit 2025/26 angekündigt. Seine designierte Nachfolgerin ist Bernadette Sonnenbichler, sie kommt vom Schauspielhaus Düsseldorf.

Es sei zu erkennen, sagte Schultze, dass wieder mehr politische Inhalte Einzug ins Theater halten. Viele Autoren setzten sich mit zwei gesellschaftlich relevanten Themen auseinander: „dem Erstarken der politischen Rechten und der Verlorenheit des Individuums innerhalb der Gesellschaft“. Auch gebe es eine Tendenz zu monologischen Stücken, berichtete der Künstlerische Leiter Jürgen Popig – auch wenn sich das nicht unbedingt bei den Nominierungen niedergeschlagen habe.

Gastland China

Traditionell eröffnet wird der Stückemarkt mit der Uraufführung des Gewinnertextes aus dem Vorjahr: „2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“ von der Frankfurter Hauptschule, einem Künstlerkollektiv, inszeniert von Regisseur FX Mayr. Der Titel bezieht sich auf das 1986 veröffentlichte Buch „241 Bildtitel zum Ausleihen für Künstler“ des Malers und Bildhauers Kippenberger.

Gastland in diesem Jahr ist China. Am zweiten Festivalwochenende sind Gastspiele eingeladen, die, so das Theater, „nicht für ein westliches Publikum konzipiert wurden, mit unseren Sehgewohnheiten brechen und außergewöhnliche Einblicke in die kulturelle Vielfalt des Gastlandes geben“. Die chinesische Theaterszene sei hochinteressant, sagte Schultze, der sie selbst auf Reisen kennengelernt hat, etwa bei einem Gastspiel der Heidelberger Inszenierung von „Biedermann und die Brandstifter“ auf dem Wuzhen Theatre Festival im Oktober. Es gebe eine spannende Szene junger Theaterleute mit einer erfreulich politischen Haltung, sagte der Intendant. Für den internationalen Autor*innenwettbewerb des Stückemarktes sind Stücke von Han Jing, Chan Ping Chiu und Chu Xia nominiert, deren Texte eigens für das Festival übersetzt wurden. Dazu kommen drei Gastspiele.

Neuer Preis für Figurentheater

Der Stückemarkt hat auch etliche deutschsprachige Uraufführungen als Gastspiele eingeladen. Zu sehen sind Rosa von Praunheims „Die Insel der Perversen“ vom Deutschen Theater Berlin in der Regie von Heiner Bomhard und von den Münchner Kammerspielen „Doping“der Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud. Vom Nationaltheater Weimar kommt „dumme Jahre“, vom Schauspiel Frankfurt „Leaks. Von Mölln bis Hanau“, vom Theaterhaus Jena „Die Entführung der Amygdala“, vom aktionstheater ensemble Wien und Vorarlberg „All about me. Kein Leben nach mir“, vom Schauspiel Leipzig „Goldie“, von den Schauspielhäusern Wien und Graz „Chronik der laufenden Entgleisungen“, vom Schauspiel Hannover „Betonklotz 2000“, vom Theater Oberhausen „Oratorium: Doyçland“ und vom Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau „Das beispielhafte Leben des Samuel W.“.

Vergeben werden beim Stückemarkt der Jugendstückepreis, der SWR Kultur Hörspielpreis, der Nachspielpreis und zum ersten Mal der Fidena Stückepreis für Figurentheater, der die Verbindung zwischen neuer Dramatik und Figurentheater stärken möchte.

Im Netz

www.theaterheidelberg.de

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