Pop RHEINPFALZ Plus Artikel Sie singt sich die Seele aus dem Leib: Beth Harts neues Album „You Still Got Me“

Ist oft zwischen Höhenflügen und Depressionen hin- und hergerissen: Beth Hart.
Ist oft zwischen Höhenflügen und Depressionen hin- und hergerissen: Beth Hart.

Bluessängerin Beth Hart ging es richtig schlecht. „Du hast immer noch mich“, sagte ihr Mann zu ihr. Daraus wurde ihr neues Albums „You Still Got Me“. Im November kommt sie damit nach Mannheim.

Man muss den Blues haben, um den Blues zu spielen – natürlich ist das ein Klischee. Aber darin steckt auch ein Körnchen Wahrheit. Bei Beth Hart ist das mehr als das. Kaum jemand singt sich so die Seele aus dem Leib. Und das hört man auf dem neuen Album.

Die elf Songs sind erstaunlich verschieden, tragen aber immer die unverkennbare Handschrift der Sängerin und Songschreiberin, die 1972 in Los Angeles geboren wurde. Den internationalen Durchbruch schaffte Hart, als der Blues-Großmeister Joe Bonamassa mit ihr zusammen auf Tour ging. Und mit dem Vorgängeralbum „War in My Mind“ von 2019 schaffte sie den Sprung in die ganz großen Säle.

Sie hätte gerne die Coolness von Johnny Cash

Der Opener ihrer neuen Platte ist „Savior with a Razor“, ein Shuffle Blues, bei dem kein geringerer als Slash die schreiende Wah-Gitarre spielt. Mit ihrer Contra-Alt-Stimme erzählt der Sängerin eine Geschichte und dreht dann im Chorus richtig auf. Der enorme Tonumfang und die riesige Dynamik sind typisch für Hart. Dem von ihr verehrten Johnny Cash hat sie einen Song gewidmet. Der beginnt im typischen „Boom-Tschack“-Groove, ein Wechselbass mit Country-Gitarren-Akkorden. „Wanna be big bad Johnny Cash“ bedeutet, dass sie gerne die Coolness des „Man in Black“ hätte.

Tatsächlich ist sie gar nicht so entspannt, wie es scheinen mag. Sie leidet an einer bipolaren Störung, über die sie offen spricht. Auf „War in My Mind“ (Krieg in meinem Kopf) hat sie über ihre inneren Dämonen gesungen. Das Seelenleiden stürzt sie immer wieder in tiefe Depression, oder in manische Höhenflüge, denen erschöpfte Abstürze folgen. Auch Drogenmissbrauch machte ihr zu schaffen. Zum Glück hat sie jemanden an ihrer Seite, der zu ihr hält: Scott Guetzkow, ihr Ehemann und Roadmanager, sah, dass es seiner Frau wieder schlecht ging. „Brauchst Du eine Umarmung?“, habe er sie gefragt. „Ich habe nichts mehr in mir, das lieben kann“, sagte sie. „Du hast immer noch mich“, habe er dann gesagt. Die Geschichte erzählte sie in einem früheren Interview. Der Song „You Still Got Me“ ist so berührend, weil man das tiefe Gefühl dahinter wirklich spürt. Das geht unter die Haut.

Eine Stimme zwischen Sanftheit und Kraft

Auch in ihren Konzerten widmet sie ihrem Mann besondere Lieder. Die ruhigeren, balladesken Stücke des Albums offenbaren eine große Zartheit und Sensibilität. „Drunk on Valentine“ ist eine Ballade mit schön farbigen Jazz-Akkorden am Klavier, das Hart selbst spielt. Die Sanftheit drückt ihre Stimme ebenso gut aus, wie souveräne Kraft und sogar gute Laune. „Never Underestimate a Girl“ (Unterschätze nie ein Mädchen) mit akustischem Klavier, Mandoline und Wechselbass ist als eine Art Kabarett-Song geschrieben und könnte auf eine Varieté Bühne gespielt werden.

Mit Eric Gales hat Hart einen weiteren Gitarrenhelden für ein Stück gewinnen können: „Suga’n My Bowl“, gewollt mehrdeutig, hat kernige Gitarrenriffs und rockt ordentlich. Das Album enthält elf starke Stücke, die bei aller Verschiedenheit immer ihre Wurzeln im Blues haben, aber eben auch dessen Verzweigungen folgen. Das Album erscheint als CD, LP und in digitaler Form aus allen Plattformen bei der Mascot Label Group.

Termin

Beth Hart kommt auf der „You Still Got Me“-Tour am 16. November, 20 Uhr, in die SAP-Arena Mannheim.

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