Glosse Hart am Leben S. liebt mich! Das scheint mir übertrieben
S. hat mir geschrieben – zum Valentinstag. Eine Mail. Dass sie mich liebt, steht schon im Betreff. Dabei kennt Sie mich nicht richtig, weshalb es vielleicht auch leicht distanziert heißt: „S. liebt Sie“. „Sie“, okay, denke ich, „Alter“, ich bin wirklich schon älter. LIEBEN? Warum ausgerechnet mich. Ihre überschwängliche Adressierung leuchtet mir im ersten Moment nicht ein, später weniger. Sie überzeugt mich nicht. Was bewegt sie – S. – ihr innerstes derart freizulegen? Wo wir uns doch nur oberflächlich begegnet sind. Wir sind zwei, drei Mal zusammen ausgefahren, ja schon. Ein Tinder-Date ist es nicht gerade gewesen. Unser Verhältnis blieb eher aufs Pragmatische beschränkt. Die Route ging von A nach B. Und S. wollte Geld, weshalb mich ihr Geständnis jetzt schon auch wundert. Ihr Schmachten: „Hallo, seitdem wir Sie kennen, gehen Sie uns nicht aus dem Kopf und sicher nicht dem Herzen“. Sie würden mich jeden Tag lieben. Wir? S. scheint divers viele zu sein. Verrückt nicht nur nach mir im Speziellen, sondern auch allgemein. Wer sonst käme, kommt es mir, auf die Idee, in einen Liebesbrief wie nun folgend einen orangefarbenen Balken einzuklinken, auf dem „Jetzt buchen“ steht? Wer würde nach all den Geständnissen fordern, ich soll nur schnell mein Traumfahrzeug (he?) wählen, „wir schenken Ihnen den Zusatzfahrer gratis dazu.“ Code: Loveride22. Liebe S., oder soll ich dich mit vollen Namen nennen: SIXT – sag mal, bist du strulle? Ich liebe Sie nicht, nimm das als meine Vollkaskoversicherung.