Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzbau Ludwigshafen: Deutsches Schauspielhaus Hamburg gastiert bei Festspielen

Intendant Tilman Gersch kämpft um das eigene Profil des Ludwigshafener Pfalzbaus.  Foto: KUNZ
Intendant Tilman Gersch kämpft um das eigene Profil des Ludwigshafener Pfalzbaus.

Eine Werkschau des Deutschen Schauspielhauses Hamburg steht im Mittelpunkt der Festspiele Ludwigshafen im Theater im Pfalzbau. Das renommierte Theater gastiert im Herbst mit gleich vier Produktionen. Sowohl Intendant Tilman Gersch als auch Kulturdezernentin Cornelia Reifenberg nutzten die Spielplanpressekonferenz für ein selbstbewusstes Plädoyer für das Ludwigshafener Theater. „Wir haben zwar kein eigenes Ensemble, aber sehr wohl ein eigenes Profil“, betonte Reifenberg.

Intendant freut sich auf die Perlen im Programm

So emotional hat man Tilman Gersch noch selten bei der Vorstellung des neuen Spielplans erlebt. Natürlich schwärmt er von seinem Programm, das wieder zahlreiche „Perlen“, wie Gersch es nennt, in Schauspiel und Tanz nach Ludwigshafen bringen wird. Mit vier Produktionen – darunter Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ oder Shakespeares „König Lear“ mit Edgar Selge – gastiert das Deutsche Schauspielhaus Hamburg im Pfalzbau. Das Berliner Ensemble kommt mit einer „Dreigroschenoper“ in einer Inszenierung von Bildermagier und Regie-Altmeister Robert Wilson nach Ludwigshafen. Und im Tanz gibt es Gastspiele beispielsweise des Israel Ballet oder auch des „Ballet of Difference“ von Richard Siegal.

Stadt bezuschusst Theater mit 4,2 Millionen Euro

„Wir versuchen, die großen Momente zu setzen, mit denen wir gegen Heidelberg und Mannheim punkten können und so unter Beweis stellen, warum wir unverzichtbar sind in der Region.“ Man merkt Gersch deutlich an: Hier kämpft jemand um das Theater im Pfalzbau, um das Profil, das Ansehen, das er für das Haus erreicht hat. Dessen Existenz wird eigentlich auch von niemandem in Frage gestellt, zumindest nicht in Ludwigshafen. Die Stadt bezuschusst den Pfalzbau auch in der nächsten Spielzeit mit 4,2 Millionen Euro. Weitere Geldgeber sind die BASF und das Land Rheinland-Pfalz, die sich vor allem für die Festspiele engagieren.

Doch über der erfolgreichen Arbeit Gerschs schwebt das Damoklesschwert der Theatersanierung in Mannheim. Das Nationaltheater sucht während der Zeit der Sanierung ein Ausweichquartier für seine Oper. Da kommt der Pfalzbau gerade recht. Seit Monaten wird zäh verhandelt, ohne dass man wirklich vorankommen würde. Cornelia Reifenberg betont: „Seit März, als ich im Kulturausschuss berichtet habe, hat sich nicht viel getan. Wir sind weiter in einem moderierten Gesprächsprozess.“ Doch dann wird sie ganz deutlich: „Wir bieten ein Gastrecht an, aber es gibt für uns natürlich auch eine Schmerzgrenze. Wir sind gehalten, unser eigenes Profil aufrecht zu erhalten. Die Festspiele sind nicht verhandelbar.“ Man habe dem Nationaltheater drei Vorschläge gemacht, die jeweils 90 Nutzungstage im Spieljahr vorsehen würden. „Das ist für uns die Schmerzgrenze. Wir sind zuversichtlich, dass wir uns einigen können. Es darf jedoch nicht zu einer Selbstaufgabe des Pfalzbaus führen.“ Dazu muss man wissen, dass das Nationaltheater gerne 120 Tage pro Jahr in den Pfalzbau ausweichen möchte.

Solidarität mit dem Pfalztheater

Gersch begründet die Ludwigshafener Position. Ein Gastspiel eines großen Hauses bestehe eben nicht nur aus einem Spieltag, es seien auch Auf- und Abbautage nötig. „Die kommen nicht wie ein Tourneetheater morgens an und reisen abends wieder ab.“ So müsse man zum Beispiel für die Berliner „Dreigroschenoper“, die in Ludwigshafen drei Mal gezeigt wird, acht Tage disponieren. Das werde von vielen übersehen: „Es wird viel über uns geredet und geschrieben, oft aber von Leuten, die unsere Arbeit gar nicht kennen. Für 134 Spieltage benötigen wir etwa 260 Nutzungstage.“ Und Gersch betont dann, unterstützt von Reifenberg, auch die Verantwortung, die man gegenüber dem Pfalztheater in Kaiserslautern habe. Dies zeigt seit 15 Jahren sein Musikrepertoire in Ludwigshafen, und es ist völlig unklar, wie sich diese Gastspiele gestalten werden, sollte auch das Nationaltheater Oper im Pfalzbau zeigen: „Es gibt eine Solidarität mit dem Pfalztheater Kaiserslautern. Das Pfalztheater braucht diese Gastspiele.“

Bei den kommenden Festspielen gastiert Edgar Selge als König Lear in Ludwigshafen.  Foto: dpa
Bei den kommenden Festspielen gastiert Edgar Selge als König Lear in Ludwigshafen.
Caroline Peters spielt die Medea in einer Euripides-Adaption von Simon Stone.  Foto: dpa
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