Pop
Oasis sind zurück
Hat die Welt darauf gewartet? Oasis sind zurück. Das doch angeblich auf ewig zerstrittene Brüder-Duo hat sich zusammengerauft. Eine Meldung, die nicht nur Fans verblüfft. Und Zyniker, oder Realisten, fragen lässt: Brauchen Noel und Liam Gallagher etwa Geld?
Die Köpfe der oft betont mies gelaunten Britpopband haben eine Oasis-Tour für 2025 angekündigt, geplant sind Konzerte in Cardiff, Manchester, London, Edinburgh und Dublin. Ob sie auch alle stattfinden und für sicher viele Geld auch mehr als ein Stündchen Musik bieten werden? Legendär sind da ja einschlägige Erfahrungen, die so mancher Oasis-Fans bereits gemacht hat, beim Versuch, ein Konzert der Gallaghers zu sehen. In Köln hatten sie einst nach nur rund 30 Minuten aufgehört, was lässig knapp anreisende Britpop-Pilger aus der Westpfalz wurmte. Aber die Zeiten haben sich ja geändert. Seit dem Niedergang der physischen Tonträger und spätestens seit Corona sind auch rüpelige Rockstars demütiger geworden, wissen darum, dass sie eigentlich nur mit großen Tourneen und Merchandising im Musikgeschäft auf gute Einkünfte kommen können.
Daher springen die Gallaghers wohl über ihre jeweiligen Schatten. Vielleicht hat sie zugleich das Durchhalten der alten Rivalen Blur animiert, den großen „Britpop-Krieg“ der 1990er noch einmal leiser aufleben zu lassen. Allerdings sind ja Saufgelage, Schlägereien und wüste Sprüche heutzutage längst nicht mehr Rock’n’Roll. Und mit 51 (Liam) und gar 57 (Noel) wird man ohnehin versöhnlicher.
Oasis hatten im Oktober 1991 losgelegt, britische Gitarrenmusik war damals ganz groß. Blur waren ihnen zunächst um einige Nasenlängen voraus, die Musikmagazine „NME“ und „Melody Maker“ überboten sich mit Geschichten, die die Rivalitäten beleuchteten – froh darüber, dem beginnenden Grunge-Boom, der aus den USA mit Bands wie Nirvana und Pearl Jam auf die Insel schwappte, etwas Ureigenes entgegensetzen zu können: Britpop eben. Musik im Geiste der übergroßen Beatles. Auch wenn Oasis natürlich nicht aus Liverpool, sondern aus Manchester kommen, der großen Stadt der englischen Indie- und Ravemusik (nein, Techno war damit noch nicht gemeint).
Geboren in „Madchester“
Manchester ist Heimat der Smiths, die mit nöliger Schwermut bereits seit Anfang der 1980er die Identitätssuche englischer Teenager begleiteten. Auch die Happy Mondays stammen von hier, die zum Feiern in Clubs wie das legendäre Hacienda einluden und die Stadt zu „Madchester“ machten. Und natürlich die Stone Roses um Sänger Ian Brown, die wohl beste Band der Stadt, ohne die Oasis nicht möglich gewesen wären: Songs wie „Made Of Stone“, „Sally Cinnamon“ oder „I Wanna Be Adored“, die erstmals einen lässigen Dancebeat in den Gitarrenpop der 1980er und damit Herz und Beine in Schwung brachten, bleiben ikonisch.
Aber Oasis zogen ungleich erfolgreicher nach. „Wonderwall“ singt noch heute jeder Straßenmusiker. Auch „Don’t Look Back in Anger“ ist ein Oasis-Song für die Ewigkeit, den man durchaus wieder einmal live von der Originalband hören möchte.
Die Gallagher-Brüder hatten sich vor 15 Jahren getrennt, worum der Streit entbrannte, ist nicht mehr genau zu rekonstruieren. 2009 jedenfalls hatte Noel Gallagher – Leadgitarrist und Hauptsongschreiber – verkündet, er halte es „keinen Tag länger“ mit Liam aus, der den typischen Oasis-Sound mit seiner unnachahmlich phlegmatisch-nölend-urenglisch klingenden Stimme prägte.
Und genau 30 Jahre ist es her, dass „Definetely Maybe“ erschienen ist, das bereits wegweisende Debütalbum mit Songs wie „Supersonic“, dem 1995 „(What's The Story) Morning Glory?“ folgte, weiterhin eines der bestverkauften Alben in Großbritannien. Nun also eine Tour. Karten soll es bereits ab Samstag geben. In Planung seien auch Konzerte außerhalb Europas, hieß es: Mal sehen, ob sich die Brüder bis dahin aber nicht wieder zerstreiten.